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Gegen Norovirus hilft nur Hygiene

Ansteckung Gegen Norovirus hilft nur Hygiene

Experten bezeichnen das Norovirus als den perfekten Krankheitserreger. Es ist widerstandsfähig, hochinfektiös und seine Träger versprühen große Mengen an Viruspartikeln in die Umwelt.

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Quelle: Thorsten Richter

Plötzlicher Brechdurchfall, gleichzeitiges Erbrechen und Durchfall sowie  Übelkeit. Wer das Norovirus mal „in Aktion“ erlebt hat, winkt dankend ab: Bitte nicht noch mal.  
„Das Norovirus weist eine hohe Variabilität seiner genetischen Ausstattung auf und kommt in verschiedenen und immer wieder neuen Varianten vor“, sagt Dr. Martin Just, Fachdienstleistung Gesundheitsaufsicht und Infektionsschutz beim Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Ansteckende Noroviren

Doch es gibt Hoffnung:  Der seit 2007 zu beobachtende rückläufige Trend der Norovirus-Meldungen ist zum einen auf den genetischen Wandel des Erregers zurückzuführen.
Zum anderen ist zu beobachten, dass die Erkrankungen in den letzten Jahren vielfach kürzer und weniger heftig verliefen. Aktuell scheinen zudem weniger pathogene Noroviren zu zirkulieren,
Martin Just dazu: „Der Rückgang mag auch dadurch zu erklären sein, dass die Einrichtungen, insbesondere Krankenhäuser und Pflegeheime, ihr Hygiene-Management angepasst haben und bereits beim Auftreten erster Erkrankungsfälle die zur Bekämpfung von Noroviren erforderlichen, erweiterten Maßnahmen anwenden.“ Wie die Entwicklung weitergeht, kann aufgrund der genetischen Variabilität des Erregers nicht vorausgesagt werden. Sicher ist nur, dass sich Norovirus-Erkrankungen  und Ausbrüche in Krankenhäusern, Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen auch zukünftig  nie ganz werden verhindern lassen. Warum? Weil Noroviren einerseits extrem ansteckend sind – für eine Infektion reichen minimale Mengen – und andererseits sich auf unbelebten Oberflächen wie Türklinken, Handläufen, Gebrauchsgegenständen als infektiöse Partikel halten können.

Über Handkontakt können die Erreger leicht auf andere Personen übergehen und sie infizieren (siehe Hintergrund). Darüber hinaus können Noroviren auch wirksam über kontaminierte Lebensmittel verbreitet werden, wie der große Ausbruch mit über 11 000 Erkrankten im Herbst 2012 in Ostdeutschland gezeigt hat. Auslöser waren damals mit Noroviren verseuchte  Tiefkühlerdbeeren aus China. Auch auf begrenztem Raum kann es im Fall der Fälle schnell zu einer Massenerkrankung kommen, wie Ende 2012 auf zwei Kreuzfahrtschiffen passiert, auf denen sich gleich mehrere hundert Menschen ansteckten.
2007 waren es 534 Norovirus-Erkrankungen, die im Landkreis offiziell festgestellt wurden. 2013 waren es hingegen nur noch 193 Fälle.
Eine hohe Dunkelziffer wird zwar von Experten noch angenommen, doch das Virus scheint weniger Opfer zu befallen. Dieser Trend könnte sich in diesem Jahr bestätigen. Bis zum 1. April wurden im Landkreis 55 Norovirus-Fälle gemeldet.

Impfen von Säuglingen

Dem Norovirus sehr ähnlich ist das sogenannte Rotavirus, welches vornehmlich bei Säuglingen oder Kleinkindern zu Durchfall und Erbrechen führen kann.
Da kleine Kinder und ältere Menschen durch den mit der Erkrankung einhergehenden Flüssigkeitsverlust besonders gefährdet sind, wird seit Juli 2013  die routinemäßige Rotavirus-Impfung von unter 6 Monate alten Säuglingen von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfohlen, so Just.

Hintergrund
 Der Entstehungszeitpunkt der Noroviren ist wissenschaftlich nicht belegt. Es ist davon auszugehen, dass er schon seit vielen Jahrhunderten existiert.Vor mehr als 75 Jahren wurden jedoch die Symptome erstmals als Krankheitserreger beschrieben. Gegen Noroviren gibt es weder einen Impfstoff noch haben sich Antibiotika als wirkungsvoll erwiesen.
 Deshalb steht zur Vorbeugung einer Erkrankung neben dem schnellen Erkennen einer potenziellen  Infektionsquelle eine intensive Hygiene an oberster Stelle. Zum Schutz vor einer Infektion mit Noroviren sollte man zum Beispiel im Büro regelmäßig alle Türgriffe, Schubladengriffe, die Tastatur und die Maus des Computers mit geeigneten Mitteln desinfizieren. Kinder sollten nach gemeinsamen Spielen sowie nach der Heimkehr aus dem Kindergarten beziehungsweise Schule sich die Hände waschen. Gleiches gilt für alle Menschen, die vom Einkaufen nach Hause kommen oder eine Gemeinschaftseinrichtung wie öffentliche Busse genutzt haben. Wenn man sich in die Hand hustet und dann einen Türgriff berührt, ist die Gefahr, Viren zu verteilen groß, deshalb ist ein Desinfektionsmittel für unterwegs keine schlechte Idee, sich und die Mitmenschen vor Viren zu schützen. Doch auch um sich selbst vor einer Ansteckung zu schützen, ist es nützlich, ein Händedesinfektionsmittel bei sich zu haben.
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