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Gefahren auf Marburgs Schulwegen

OP-Test: Radfahren in Marburg Gefahren auf Marburgs Schulwegen

Am Montag beginnt in Hessen die Schule. Zu den Herausforderungen des neuen Lebensabschnitts gehört für die Schulwechsler und die 560 Erstklässler auch das Meistern des Schulwegs ohne Erwachsene.

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Die Schüler Lorna und Colin fahren mit dem Fahrrad an der Kreuzung Leopold-Lucas-Straße/Schwanallee zur Schule.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wenn Schulanfänger sich im Straßenverkehr bewegen, fühlen sie sich schnell überfordert. Kreuzungen überqueren, abbiegen – solche komplexe Verkehrssituationen können sie noch nicht richtig erfassen. Aufgrund ihrer Größe sind Kinder nicht selten gefährdet:

Ihnen fehlt oft der Überblick über das Geschehen und sie werden leicht von den Verkehrsteilnehmern übersehen. In der ersten Zeit ist es deshalb sinnvoll, dass Erwachsene mit ihnen den Weg zur Schule üben.

Der Schwerpunkt der vierten Teststrecke liegt auf der Leopold-Lucas-Straße und den Straßen, die sich drum herum befinden. Aus vier verschiedenen Richtungen – Cappel, Ockershausen, Innenstadt, Südviertel und Südbahnhof-Areal – nähere ich mich der Straße in Marburg, in der sich die meisten Schulen befinden.

1 – Von Gisselberg oder Cappel kommend, fahre ich die Gisselberger Straße entlang, die ich in Höhe der Shell-Tankstelle verlasse, um in die Willy-Mock-Straße einzubiegen. Zwar ist es möglich, sich neben den Linksabbiegern einzuordnen. Da es jedoch keinen Sicherheitsstreifen gibt, der die Radfahrer auf sicherer Distanz zu den auch linksabbiegenden Autofahrern hält, ist es für junge Radfahrer ratsamer, die Ampel zum Überqueren der Straße zu nutzen.

2 – In der Willy-Mock-Straße, in der sich die Sophie-von-Brabant-Schule befindet, und auf dem Zwetschenweg befinden sich viele Gullydeckel auf der rechten Fahrbahnseite, die teilweise sehr tief in den Boden eingelassen sind. Wer da seinen Lenker nicht richtig festhält, kann leicht ins Schleudern geraten.

3 – Aus Ockershausen kommend führt der Weg in die Leopold-Lucas-Straße über die Stiftstraße und den Bachweg. Dort ist zu beachten, dass die Stiftstraße sehr eng und die Sicht durch die Kurvenführung stark eingeschränkt ist. Als ich sie entlangfahre, sind so wenige Autos unterwegs, dass ich in Ruhe abbremsen und – mit deutlichem Handzeichen – in den Bachweg gelangen kann. Bei viel Verkehr ist es wahrscheinlich sicherer abzusteigen und das Fahrrad über die Straße zu schieben.

4 – Der Bachweg ist eine Einbahnstraße, die Radfahrer jedoch auch entgegen der Einbahnstraßenführung benutzen dürfen. „Gut gemeint, aber ‚saugefährlich‘“, findet OP-Leser Jörn Eigmöller. Er warnt: „Die Pkw sind über entgegenkommende Radfahrer überrascht und nehmen diese zu spät wahr. Meinen Kindern habe ich strikt verboten, dort auf der Straße zu fahren. Richtig wäre: klar ausgewiesener Radweg.“
Es stimmt, ein Radweg fehlt dort. Doch die Autos, die mir entgegenkommen, halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30, sodass wir sicher aneinander vorbeikommen. Lediglich im unteren Bereich des Bachwegs, der wie ein Trichter verläuft, wird es durch beidseitig parkende und entgegenkommende Autos sehr eng für Radfahrer.

5 – Aus der Innenstadt kommend werden Radfahrer auf einem Radweg geführt, der zwar, kurz bevor die Universitätsstraße in die Schwanallee übergeht, sehr steil verläuft, dafür aber deutlich erkennbar ist. Er endet jedoch in der Ockershäuser Allee. Fahrradfahrer, die auf dieser zum Beispiel zur Waldorfschule gelangen wollen, müssen dort außerdem äußerst vorsichtig an den parkenden Autos vorbeifahren, die vor dem Rewe-Markt stehen.

Da sie rückwärts zur Straße parken, kann es passieren, dass Fahrradfahrer beim Ausparken leicht übersehen werden. Zudem ist die Ockershäuser Allee durch viele geflickte Schlaglöcher sehr zerpflückt und eine Holperstrecke für Radfahrer. Auch dort gilt: den Lenker gut festhalten.

Sicherer für Waldorfschüler ist es, wenn sie der Schwanallee folgen, auf der der Radweg zwar auch plötzlich im Nichts endet, die Straße aber breit und eben genug ist, um nicht den vorbeifahrenden Autos in die Quere zu kommen.

6 – Über den beidseitig befahrbaren Radweg in der Wilhelmstraße gelangt man schließlich auch vom von Radfahrern gefürchteten Südviertel auf die Schwanallee. Diese müssen Radfahrer mithilfe einer für Fußgänger und Radfahrer freigegebenen Ampel überqueren, um dann in die Leopold-Lucas-Straße zu gelangen. Auch von der Konrad-Adenauer-Brücke kommend scheint der Weg in die Leopold-Lucas-Straße sicher zu sein. Dort werden Radfahrer auf einem breiten Streifen entlanggeführt, auf dem sich keine Gullydeckel oder andere Stolperstellen befinden.

In der Leopold-Lucas-Straße befinden sich für Radfahrer keine Wege. Man teilt sich die Straße mit vielen Autos, Bussen und Fußgängern. Sobald die Schule wieder beginnt, wird dort am Morgen und in der Mittagszeit viel los sein. Es lohnt sich deshalb, junge Radfahrer in den Stoßzeiten zu begleiten.

  • Der ADAC empfiehlt allen Eltern, vor Schulbeginn mit ihren Kindern den künftigen Schulweg zu üben. Gefahrenstellen für Radfahrer in Marburg finden Sie online in unserer Serie „Radfahren in Marburg“.

von Ruth Korte

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