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Gefährlicher Angriff auf Techniker

Körperverletzung Gefährlicher Angriff auf Techniker

Weil er ohne ersichtliche Provokation einen Handwerker angegriffen und dem Mann zwei Tritte versetzt hatte, wurde ein Familienvater aus Marburg wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe samt 50 Arbeitsstunden verurteilt.

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Ein Familienvater ist angeklagt worden, einen Techniker im Treppenhaus attackiert zu haben.

Quelle: Archiv

Marburg. Die „plausible Aussage“ des betroffenen Technikers am zweiten Verhandlungstag überzeugte das Gericht von der Schuld des Angeklagten. Der Beschuldigte hatte die Vorwürfe  zum Teil bestritten (die OP berichtete). Seinen Angaben nach hatte der im Haus arbeitende Techniker im Vorfeld seine Kinder angeschrien und erschreckt, woraufhin er ihn zur Rede stellte. Es folgte ein kurzes „Gerangel“, währenddessen er sich selbst bedroht fühlte und den Handwerker gegen die Wand schleuderte, so der Beschuldigte.

Der Geschädigte stellte die Situation anders da. Während er die Telefonleitungen im Hausflur überprüfte, näherte sich der aufgebrachte Vater plötzlich von hinten und versetzte ihm einen harten Tritt in die Nierengegend. „Ich war geschockt, so was habe ich noch nie erlebt“, betonte der Zeuge. Es folgte eine zweite Attacke, die der Angegriffene versuchte mit der Hand abzulenken, gewehrt habe er sich dabei nicht. „Absolut überzeugt“ war der Geschädigte zudem, dass der Angeklagte an diesem Morgen Arbeitskleidung und festes Schuhwerk trug – der Beschuldigte beteuerte normale Turnschuhe getragen zu haben.

Täter ist einschlägig vorbestraft

Kritisch betrachtete die Verteidigung die ärztlich attestierten Schürfwunden an einer Hand des Geschädigten. „Die Verletzungen können nicht durch Fußtritte entstanden sein“, bezweifelte Verteidiger Dr. Thomas Basten die Angaben des Zeugen. Diese würden viel eher die Aussage seines Mandanten stützen, dass beide Männer im Ringkampf gegen die Wand gefallen seien.

Der Mann stand nicht zum ersten Mal vor Gericht, hat bereits neun Eintragungen im Bundeszentralregister, unter anderem wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Diese einschlägigen Vorstrafen sprechen nicht nur gegen ihn – die neuerliche Tat habe er auch noch „aus einer absoluten Nichtigkeit heraus“ begangen, betonte Rechtsreferendar Robert Müller in seinem Plädoyer. „Es gab keine Provokation“, schloss der Anklagevertreter und forderte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für den 34-Jährigen.

Dem widersprach Verteidiger Basten und wies auf den rechtsstaatlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hin: „Wir haben es hier mit einer Lappalie zu tun.“ Mehr als eine einfache Körperverletzung sei in diesem Fall nicht zu erkennen.

Der Geschädigte versuche „mit allen Mitteln die Sache schlimmer darzustellen als sie war“, sagte der Angeklagte. Dies sah Richterin Melanie Schweiger anders und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Hauptzeuge habe die Sachlage „plausibel dargelegt“. Die Verteidigung kündigte bereits an gegen das Urteil Berufung einzulegen.

von Ina Tannert

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