Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Gedenktafel erinnert an Leopold Lucas

Schulprojekt Gedenktafel erinnert an Leopold Lucas

Seit vielen Jahren ist die Straße am Marburger Schulzentrum nach dem jüdischen Historiker Leopold Lucas benannt. Als Ergebnis eines Schülerprojekts erinnert an den 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommenen Marburger auf dem Gelände der Kaufmännischen Schulen jetzt eine Gedenktafel.

Marburg. Entstanden ist die Idee im Religionsgrundkurs der Klassen 12 des inzwischen pensionierten Lehrers Hans-Werner Biehn am beruflichen Gymnasium.

Wie Biehn bei der Enthüllung berichtete, beschäftigten sich viele Klassen mit dem Trialog, dem Gespräch zwischen den drei Religionen Judentum, Christentum und Islam. Dabei gehe es um grundlegende Informationen, aber auch um das tägliche Zusammenleben und die eigene Geschichte. Schülerin Johanna Krauskopf erläuterte, dass in diesem Zusammenhang auch Koffer mit typischen Elementen der Religionen zusammengestellt würden. Und Schüler Markus Merz ergänzte, dass man dabei auf Leopold Lucas gestoßen sei. Weil die Schule an der nach ihm benannten Straße liege, habe man sich intensiver mit dem Opfer des Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

Der 1872 geborene Historiker ist auf dem Gymnasium Philippinum zur Schule gegangen. 1942 ist er nach Theresienstadt deportiert worden, wo er am 13. September 1943 starb. Die Schüler seien der Ansicht gewesen, dass es nur sinnvoll sei, wenn alle anderen Schüler auch wüssten, an wen die Straße erinnere, so Merz. Deshalb habe man einen kleinen Gedenkstein in den Koffer gepackt, so Krauskopf. Zusätzlich sei die jetzt enthüllte Tafel gesetzt worden, um allen Schülern der Kaufmännischen Schulen einen Zugang zu ermöglichen.

Weinbach: Tafel passt zu den 70 Stolpersteinen

Biehn hob hervor, dass es wichtig sei, Geschichte greifbar zu machen, um zu vermitteln, was passiert ist und nie wieder geschehen dürfe. Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) lobte, dass die Tafel hervorragend zu den etwa 70 Stolpersteinen in Marburg passe, die vor Häusern an die Opfer erinnern, die dort gelebt haben. Dass Leopold Lucas nun eine besondere Erinnerung erfahre, sei umso schöner, weil er in Marburg doch eher unbekannt sei. Auch Schulleiter Siegmar Günther gestand ein, nicht gewusst zu haben, wer der Namensgeber der Straße sei. Er habe gedacht, es handele sich um irgendeinen verdienten Marburger. Als er aber erfahren habe, um wen es sich handele, habe er das Projekt umso mehr begrüßen können. „Ich freue mich über die Chance, der Stadt Marburg etwas in Erinnerung zu bringen, das Schüler geschaffen haben.“

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg