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Gedenkstein mit Zement beschädigt

Marburger Aufstand 1809 Gedenkstein mit Zement beschädigt

Ein Gedenkstein, der seit 1910 an Opfer eines französischen Erschießungskommandos erinnert, wurde bis zur Unkenntlichkeit beschädigt. Die Stadt prüft, ob er instandgesetzt werden kann.

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Der beschädigte Gedenkstein am Gisonenweg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Gedenkstein erinnert an den Aufstand gegen Jérôme Bonaparte, den jüngsten Bruder Kaiser Napoleons, im Jahr 1809. Bonaparte hatte seit 1807 als König das Königreich Westfalen von der Hauptstadt Kassel aus regiert - einen Satellitenstaat, der sich um Reformen bemühte, zugleich aber wirtschaftlich und politisch vollständig unter der Kontrolle von Frankreich stand. Während der kurzen Lebensdauer (bis 1813) des Königreichs gab es deswegen in Hessen vier Aufstände gegen die als „Fremdherrschaft“ empfundene Regierung Bonapartes - sie wurden alle niedergeschlagen.

Darunter ist der als „Marburger Aufstand“ in die Geschichtsbücher eingegangene Umsturzversuch von Jägeroberst Andreas Emmerich aus Hanau. Emmerich hatte in den Vereinigten Staaten gekämpft, galt als „Franzosenhasser“ und rief im Frühjahr 1809, obwohl schon 73 Jahre alt, zum Aufstand auf. Daran nahmen 150 schlecht ausgerüstete Männer, vorwiegend ehemalige Soldaten, Jäger und Bauern teil.

Am 24. Juni 1809 marschierten sie Richtung Marburg, wo sie die französische Wache am Barfüßertor zwar überwältigen konnten, kurz danach aber versprengt wurden.

Aufschrift: „Sie starben als deutsche Märtyrer“

Emmerich wurde am 2. Juli 1809 gefangen genommen und nach Kassel gebracht. Das Kriegsgericht verurteilte ihn mitsamt einigen „Mitverschwörern“ zum „Tod durch Erschießen“. Die Erschießung der Teilnehmer am so genannten „Emmerich-Aufstand“ fand auf dem Großen Forst, der alten Kasseler Richtstätte vor den Toren Kassels, statt.

Der Gedenkstein, der am Gisonenweg an jenes wenig bekannte Ereignis erinnert, trägt neben dem Namen Emmerichs noch die Namen Professor Johann Heinrich Sternberg, Unteroffizier Daniel Muth aus Ockershausen und Wendel Günther, Husar aus Sterzhausen. „Sie starben als deutsche Märtyrer durch französische Kugeln“, heißt es auf dem Stein, der von „alten und jungen Marburgern“ im Jahr 1910 gestiftet wurde.

Nun ist der Stein mit Zementputz so sehr verunreinigt worden, dass die Inschrift nicht mehr zu lesen ist. Der Ockershäuser Reinhold Drusel entdeckte dies und forderte die Stadt auf, die Erinnerungstafel wiederherzustellen oder zu erneuern.

Bürgermeister Franz Kahle teilte mit, die Stadt werde prüfen, ob und wie die Beschädigungen zu beseitigen sind. Die Stadt werde „den Stein in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege wieder in Stand setzen (lassen)“, so Kahle. Bei dem Denkmal handele es sich um ein „Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen“. Es ist als solches beim Hessischen Denkmalschutz gelistet.

von Till Conrad

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