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Gedenkstein darf nicht im Garten stehen

Kriegsdenkmal Gedenkstein darf nicht im Garten stehen

Die Auseinandersetzung um den Abbau des Kriegsdenkmals in Bortshausen wird wohl das Verwaltungsgericht beschäftigen.

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Das Kriegsdenkmal in Bortshausen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Das Kriegerdenkmal wurde von der „Kameradschaft Marburger Jäger“ im Jahr 2011 in einem Garten in Bortshausen aufgestellt und erregt seitdem die Gemüter. Der Stein stand ursprünglich an den Schießständen in der Marburger Knutzbach (heute Waldtal) und wanderte anschließend zunächst zur Tannenbergkaserne und dann zur Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne nach Neustadt.

Der Stein erinnert an die gefallenen „Marburger Jäger“ des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71.

Bei den „Marburger Jägern“, eigentlich „Kurhessisches Jäger-Bataillon Nr. 11“ handelte es sich um einen Verband der Preußischen Armee. Er war in Marburg stationiert.

Marburger Jäger nahmen am deutsch-französichen Krieg 1870/71 sowie an der Niederschlagung des Boxer-Aufstandes in China 1900/01 und des Herero-Aufstandes im heutigen Namibia 1904 teil. Im Ersten Weltkrieg folgte das Massaker im belgischen Dinant 1914, an dem die Marburger Jäger unter sächsischem Kommando teilnahmen. 674 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, starben. Vertreter der Stadt Marburg baten im vergangenen Jahr in Dinant um Verzeihung für dieses Verbrechen.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund findet die Auseinandersetzung um den Stein von Bortshausen statt. Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Aufstellung des Gedenksteins in Bortshausen kritisiert und den Magistrat aufgefordert, einen Rückbau des Gedenksteins zu veranlassen. Gleichzeitig wurde eine kritische Aufarbeitung der historischen Rolle der „Marburger Jäger“ in Auftrag gegeben, Die Studie wurde von der Marburger Geschichtswerkstatt erstellt und liegt inzwischen veröffentlicht vor. Die Stadt hatte der Vereinigung Marburger Jäger als der Eigentümerin des Steins im Sommer eine Abbauverfügung geschickt. Nach längeren Beratungen, unter anderem mit der Landesregierung und dem Regierungspräsidium, hat sich die Stadt die Auffassung zu eigen gemacht, dass die Beseitigung des Denkmals in Bortshausen der Wahrung öffentlicher Belange diene.

„Aus Sicht der Stadt Marburg gehört der Gedenkstein nicht an einen Ort, an dem er ohne jeden Bezug zur geschichtlichen Entwicklung steht“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Die Historie der Marburger Jäger sei ein „teilweise sehr dunkles und beschämendes Kapitel Marburger Stadt- und deutscher Militärgeschichte“. Daher müsse der Gedenkstein seinen Aufstellungsort an einem vor diesem Hintergrund akzeptablen Platz finden - „ohne jedes Pathos oder falsche Glorifizierung der ‚Marburger Jäger‘“, so Kahle.

Im Rahmen des Widerspruchverfahrens hatte Bürgermeister Dr. Franz Kahle der Kameradschaft angeboten, den Gedenkstein von Seiten des Magistrats zunächst in Verwahrung zu nehmen, bis über einen neuen Standort einvernehmlich entschieden worden ist.

Eine Einigung konnte aber auch nicht im Rahmen einer Anhörung erzielt werden. Die Kameradschaft hatte das abgelehnt und der Rückbauverfügung widersprochen.

Ende vergangener Woche wies die Stadt nun den Widerspruch der Jäger zurück, die Kameradschaft hat nun bis zum 13. März Zeit, vor dem Verwaltungsgericht in Gießen gegen die Verfügung zu klagen.

von Till Conrad

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