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Gedenken zielt auch auf die Gegenwart

Pogromnacht Gedenken zielt auch auf die Gegenwart

Bereits traditionsgemäß fand die Besinnungsstunde an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 am Mittwochabend wieder am Garten des Gedenkens in der Universitätsstraße statt.

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Bei der Besinnungsstunde zum Gedenken an die Reichspogromnacht harrten trotz anhaltenden Regens zahlreiche Menschen am Garten des Gedenkens aus.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Trotz anhaltenden Regens, frostiger Temperaturen und teilweise gesperrter Straßen harrten viele Gäste aus und hörten die Reden unter anderem von Amnon Orbach, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Marburg, und von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

„An diesem Ort wurde damals die Synagoge angezündet und feiger Hass bereitete sich Bahn, während Menschen gröhlten und jubelten. Dieser Tage erleben wir abermals, wie Populisten an Einfluss gewinnen und wie ihnen wieder Massen an Menschen zujubeln. Heute stehen wir in Demut und in Trauer vor den Opfern, morgen wollen wir alles tun, damit sich das, was hier passiert ist, niemals wiederholt“, rief Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies in seiner Rede auf. Die Verbindung zur Gegenwart zog auch Probst Helmut Wöllenstein. „Das Gedenken ist nicht rückwärtsgewandt, es zielt auf die Gegenwart. Rechtsradikale gewinnen wieder Boden in unserem Land, wie seit 70 Jahren nicht. Nationalismus und Fremdenhass mitten in der Gesellschaft.“

Die kritische Auseinandersetzung mit Luther ist Kern des Projekts Zettelkästen der Theologen Professor Rainer Kessler und Professor Wolf-Friedrich Schäufele. Zwei Studentinnen des Fachbereichs trugen dazu einige Zeilen vor: „Marburger Professoren verweigerten, nachdem die Synagoge niedergebrannt wurde, ihre Lehrtätigkeit und heute stehen wir als angehende Theologinnen hier am Ort des damaligen Geschehens. Was haben diese Ereignisse
miteinander zu tun? Es waren Schriften Luthers, welche 1938 dazu verwendet wurden, solche Taten zu rechtfertigen. Dieses dunkle Kapitel wird nun von der evangelischen Kirche wieder näher beleuchtet, um zu verhindern, dass sich solche Entwicklungen wiederholen.“

Zum Abschluss sprach auch in diesem Jahr wieder Amnon Orbach ein Gebet, „Gott voller Barmherzigkeit“, welches in Hebräisch und Deutsch vorgetragen wurde.

von Marcus Hergenhan

"4 Voices" trotzen dem Regen
Die musikalische Gestaltung der Gedenkfeier war der Gruppe "4Voices" übertragen worden ( Foto: Michael Hoffsteter). Die Vier haben im strömendem Regen, bei Kälte und ohne Überdachung für das Klavier, geschweige denn für sich selbst drei Liedbeiträge beigesteuert. Eltern haben mit Mühe und Not das E-Piano mit Regenschirmen vor dem Regen geschützt. Nach der Veranstaltung kamen sehr viele Teilnehmer zu den Sängern und haben sich für die wundervolle Musik und das standhafte Ausharren bedankt.
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