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Gedenken gegen die Gleichgültigkeit

Deportationen im Dritten Reich Gedenken gegen die Gleichgültigkeit

Es hat geheißen, dass sie eben fort müssen. – Dieses Zitat las Oberbürgermeister Egon Vaupel am Sonntagabend auf dem Bahnsteig 5 zum Gedenken an die Deportationen Marburger Juden vor.

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Karin von Brocke (von links), Brigitte Kettner, Pfarrer Burkhardt zur Nieden, Oberbürgermeister Egon Vaupel, Elisabeth Auernheimer, Barbara Wagner, Amnon Orbach und Gabriele Schmitt lasen die Listen mit den Namen der Deportierten vor und riefen zum Gedenken auf.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben, die Bürger Marburgs wussten damals genau, was hier vor sich ging“, bemerkte Vaupel. Damit sich eben solche Gleichgültigkeit niemals wieder in der Gesellschaft einschleichen kann, erinnert die Geschichtswerkstatt Marburg seit 14 Jahren am 6. September an die drei Züge mit insgesamt 114 Menschen, die von Marburg aus nach Riga oder Theresienstadt deportiert wurden.

Dort kamen die Opfer des Naziregimes in jüdische Ghettos oder direkt in Konzentrationslager, nahezu alle kamen ums Leben. Am 6. September 1942 fuhr der letzte der drei Züge vom Bahnsteig 5 los, deswegen wurden dieses Datum und dieser Ort ausgewählt.

„In diesem Zug saßen die letzten, größtenteils alte Menschen über 80, die noch am längsten geduldet worden waren“, erklärte die Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Elisabeth Auernheimer. Der gemeinnützige Verein organisiert nicht nur Gedenktage, sondern kämpft mit künstlerischen Beiträgen wie den „Stolpersteinen“ auch anderweitig gegen das Vergessen.

„Wir haben diese Messingbeschläge vor allem vor Häusern in Marburg auf dem Boden angebracht, wo früher viele große jüdische Familien gelebt haben. Es geht darum, dass die Menschen eben bewusst über diesen Teil der Geschichte Deutschlands stolpern sollen und nicht einfach über die Vergangenheit hinweggehen können“, erklärte Vereinskollegin Barbara Wagner.

Wie in jedem Jahr wurden die drei Listen mit den Namen der Deportierten verlesen, anschließend hielt Amnon Orbach von der Jüdischen Gemeinde ein kurzes Gebet. „Manche mögen sagen, dass es nach 14 Jahren doch genügt, aber gerade heute sind wir doch wieder mit der Situation konfrontiert, wo tausende Hilfsbedürftige unsere moralischen Werte auf die Probe stellen. In Zeiten, in denen wieder Züge voller Vertriebener durch die Lande fahren, ist diese Erinnerungsarbeit besonders wichtig“, betonte Vaupel.

von Marcus Hergenhan

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