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Gedenken an Forscher und Unternehmer

100. Todestag Behring Gedenken an Forscher und Unternehmer

An den Marburger Medizin-Nobelpreisträger Emil von Behring, der am 31. März 1917 starb, wurde am Freitag gleich mehrfach feierlich erinnert.

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Kranzniederlegung im Mausoleum vor der Behring-Büste. Foto: Tobias HIrsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Eine kleine, aber feine Gesellschaft versammelte sich am Freitagvormittag am Behring-Mausoleum mitten im Wald oberhalb der Elsenhöhe - dort wo sich die Grabesstätte von Emil von Behring und seiner Ehefrau Else sowie seiner sechs Söhne und der Schwiegertöchter befindet. Neben den beiden Behring-Enkeln Thomas und Emilio sowie deren Familien waren auch Vertreter der Behring-Nachfolgefirmen und der Philipps-Universität sowie hochrangige Kommunalpolitiker eingeladen.

Auf dem Vorplatz des Mausoleums standen die Ehrengäste bei drei kurzen Ansprachen Spalier. Es sei ein wunderschöner Ort, den sich Behring als letzte Ruhestätte ausgesucht habe, sagte Thomas Janssen, Geschäftsführer von „Pharmaserv“, einer der Behring-Nachfolgefirmen. Emil von Behring (1854 bis 1917) sei dort am 4. April 1917 begraben worden, wenige Tage nachdem er im Alter von 63 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben war.

In Marburg habe Behring, unter anderem der Entdecker des Diphtherie-Heilstoffs, als Professor und Unternehmer seine zentrale Wirkungsstätte gefunden, sagte Jansen. Zudem habe er zahlreiche Spuren im Stadtbild hinterlassen, darunter ehemalige Labore sowie die noch heute von Nachfolgefirmen genutzten Firmengebäude und die Behring-Villa, sein damaliges Wohnhaus. Noch heute seien mehr als 5000 Menschen bei den Behring-Nachfolgefirmen beschäftigt, sagte Jansen. „Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren“.

Behring sei auch kommunalpolitisch für die Stadt Marburg wichtig gewesen, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. So habe der Professor für Hygiene sich beispielsweise als ehrenamtlicher Stadtrat und Stadtverordneter sehr für die Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser eingesetzt. Aufgrund seiner Verdienste, auch um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, sei Behring dann 1914 zu seinem 60. Geburtstag zum Ehrenbürger ernannt worden. Emil von Behring bleibe eine einzigartige und herausragende Persönlichkeit im kollektiven Gedächtnis der Stadt, so Spies.

Im Namen der Familie bedankte sich Behring-Enkel Thomas von Behring für das ehrende Angedenken. Für den Mediziner, der jetzt in ­Teneriffa lebt, sei die Stadt Marburg auch untrennbar mit der Erinnerung an die Familiengeschichte verknüpft. Er sei sehr stolz, dass die Stadt Marburg und die Universität das Gedächtnis an seinen Großvater unter anderem mit der Behring-Route wachhalte.

Den Nachmittag gestaltete die Universität feierlich in der Alten Aula mit der Verleihung des Emil-von-Behring-Preises und einem Symposium unter dem Motto „Infektionsforschung 2017 - 100 Jahre nach Emil von Behring“. Der Marburger Virologie-Professor Stephan Becker entführte das Publikum zunächst auf eine kurze Zeitreise in die Ära zwischen 1870 und 1900, in der in der Bakteriologie und der Bekämpfung der Viren entscheidende Fortschritte erzielt worden seien. Und er zeichnete die wissenschaftliche Karriere Behrings nach, der bei seinen Forschungen am Robert-Koch-Institut in ­Berlin die Geburt der Serumtherapie in die Wege geleitet habe. Für seine Entdeckung des Diphtherie-Heilmittels erhielt Behring 1901 den Medizin-Nobelpreis.

Und passenderweise war einer der beiden Referenten des kleinen Symposiums zum Thema Virus-Forschung auch ein aktueller deutscher Medizin-Nobelpreisträger, und zwar Professor Harald zur Hausen. Der Forscher vom deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg hielt einen Vortrag über das Thema „Ernährung, Krebs, neurodegenerative Erkrankungen und Viren“. Im Vortrag von Professor Klaus Rajewsky (Berlin) ging es um neue Erkenntnisse zum Epstein-Barr-Virus (EBV).

Mut und Ehrgeiz

Im Mittelpunkt der Feier in der vollbesetzten Alten Aula stand aber die Verleihung des Emil-von-Behring-Preises an die algerisch-amerikanische Immunologin Dr. Yasmine Belkaid (Bethesda). Der mit 20000 Euro dotierte Preis wird vom Marburger Impfstoffhersteller GSK Vaccines gestiftet und von der Marburger Universität vergeben. Belkaid habe mit Mut, Ehrgeiz und Ausdauer „bahnbrechende Erkenntnisse“ über das komplizierte Immunsystem des menschlichen Körpers - die Schleimhäute - erlangt, sagte der Marburger Forscher Professor Ulrich Steinhoff in seiner Laudatio.

So habe sie nach jahrelangen Forschungsarbeiten die molekularen und zellulären Mechanismen der Interaktion zwischen den Mikroorganismen im menschlichen Körper und dem Immunsystem entschlüsselt. ­Ihre Forschungsergebnisse hätten auch Einzug in die praktische Medizin gefunden. Ähnlich wie Behring mehr als 100 Jahre zuvor sei Belkaid stets auf der Suche nach Zusammenhängen in einem komplexen Thema gewesen. Dabei habe sie ihre ­Visionen ausdauernd verfolgt und von sich mehr verlangt als von den anderen Forschern.

Ähnlich wie Behring habe Belkaid unterschiedliche Befunde rational zusammengetragen und somit zum Verständnis komplexer Vorgänge beigetragen.

von Manfred Hitzeroth

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