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Gedenkbänder erinnern an Deportierte

Holocaust-Gedenken Gedenkbänder erinnern an Deportierte

Zwischen 1941 und 1943 sind auch vom Marburger Hauptbahnhof insgesamt 349 jüdische Mitbürger und Sinti von den Nationalsozialisten in die Vernichtungslager deportiert und dort zum Großteil ermordet worden.

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Amnon Orbach (links) und Romano Strauß betrachten die Gedenkbänder, die am Marburger Hauptbahnhof an die von den Nationalsozialisten deportierten Menschen erinnern.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Vier Gedenkbänder mit den Namen und ihrem Alter erinnern an den Aufstiegen zu den Gleisen nun an die Deportierten.

Mit einer Gedenkfeier, zu der zahlreiche Menschen erschienen waren, wurden die Metallbänder am Dienstag feierlich eingeweiht. Marburgs Kulturdezernentin, Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD), verwies darauf, dass der Fachdienst Kultur die inhaltliche und künstlerischen Ausgestaltung gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt, der Jüdischen Gemeinde Marburg, dem Landesverband Hessen des Verbandes der deutscher Sinti und Roma sowie der Deutschen Bahn entwickelt habe.

Weinbach erinnerte daran, dass die Stadtverordnetenversammlung bereits 2010 beschlossen habe, dass im Zuge des Hauptbahnhof-Umbaus eine Tafel zum Gedenken an die deportierten Marburger angebracht werden sollte. Später sei klargeworden, dass diese nicht ausreichen werde, alle Namen zu fassen. Die jetzige vom Arbeitskreis Gedenken gefundene Lösung überzeuge in ihrer Schlichtheit und sei sehr eindrucksvoll, gleichwohl handle es sich noch um Provisorien.

Die endgültigen Bänder würden angebracht, so Weinbach, sobald es die Witterung zulasse.

Die meisten Deportierten sind nicht zurückgekommen

Nachdem der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Amnon Orbach, für die insgesamt etwa sechs Millionen Opfer der Konzentrationslager auf Hebräisch gebetet hatte, bedankte sich sichtlich bewegt Romano Strauß vom Verband der Sinti und Roma bei allen Beteiligten für ihr Engagement für etwas, was „eigentlich selbstverständlich ist“. Neben den etwa 50 000 ermordeten Sinti bewege ihn an diesem Ort vor allem die Geschichte seiner eigenen Familie, die fast komplett deportiert worden sei, nachdem sie zuvor in Cölbe und Marburg gelebt habe.

Die meisten seien nicht wiedergekommen. Lediglich eine Tante, die mit einem Soldaten an der Front verheiratet gewesen sei, habe bleiben können, aber das Schicksal der anderen mit ansehen müssen. Die wenigen Überlebenden seien nach dem Krieg wieder nach Marburg gekommen „und jetzt kann ich wieder von Heimatgefühl sprechen“, so Strauß.

Brigitte Kettner von der Geschichtswerkstatt verwies darauf, dass die Verfolgung der Juden in der Aufarbeitung der lokalen Geschichte lange Zeit zu kurz gekommen sei. Die 1984 gegründete Geschichtswerkstatt habe schnell das Thema aufgegriffen. „Aber es darf nicht beim Buch bleiben“, hob Kettner hervor, wenn es gelte, den Menschen ein Gesicht zu geben. Sie erinnerte unter anderem an das Verlegen von Stolpersteinen vor ehemaligen Wohnhäusern der Opfer oder den Garten des Gedenkens am ehemaligen Standort der niedergebrannten Synagoge in Marburg. Und nun stünden die Gedenkbänder am Bahnhof für die Menschen, „wir gehen einen Moment mit ihnen und sie gehen einen Moment mit uns“.

von Heiko Krause

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