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Geboren an einem Wendepunkt der Geschichte

25 Jahre Mauerfall Geboren an einem Wendepunkt der Geschichte

Am Sonntag ist es ein ­Vierteljahrhundert her, dass die Mauer gefallen ist. Auch Mona Conte und Julius Hühn werden dann feiern. Vorrangig aber ­ihren 25. Geburtstag.

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Feiert am Sonntag seinen 25-jährigen Geburtstag: Julius Hühn.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Am 9. November 1989 vermeldete die Deutsche Presse-Agentur um 19.41 Uhr die Öffnung der Grenze zwischen West und Ost. Genau in dieser Minute erblickte Julius Hühn das Licht der Welt in der Marburger Frauenklinik.

Sein Vater Herbert - der, wie es der Zufall will, im Jahr des Mauerbaus geboren wurde - erinnert sich natürlich genau an diesen Tag, aber eben nicht wegen dem Trubel in Berlin. „Unsere Gedanken waren in diesem Moment bei unserem Sohn. Wir haben erst ein paar Tage später realisiert, was da eigentlich geschehen ist“, sagt Herbert Hühn.

„Ich glaube nicht, dass man wissen kann, ob man sich damals anders oder besser gefühlt hätte"

Die Geburt von Julius markiert den Beginn einer neuen Ära deutscher Geschichte. Passenderweise studiert der 24-Jährige heute Geschichte. Die historischen Hintergründe zur DDR und speziell zum Mauerfall gehören zwar nicht zu seinen Lieblingsthemen, aber dennoch weiß der heutige Regensburger eine Menge über diesen Aspekt der deutschen Vergangenheit. Dass er die Zeit der Teilung nicht selbst miterlebt hat, findet Julius nicht weiter tragisch. „Ich glaube nicht, dass man wissen kann, ob man sich damals anders oder besser gefühlt hätte, als in der heutigen Zeit“.

Mit Leidenschaft untersucht der 24-Jährige die Geschichte seiner Familie. Beim Durchforsten alter Fotos aus dem Besitz seiner Großmutter ist er dabei auch auf Bilder einer gewissen „Tante Anna“ gestoßen. Wie sich herausstellte, lebte diese vermeintliche Verwandte im Osten. Die kirchlich engagierte Großmutter von Julius schickte regelmäßig über eine gemeinnützige Organisation Pakete über die Grenze. „Tante Anna“ war also gar keine richtige Tante, sondern eine Frau, die sich mit Postkarten bei Familie Hühn für die Dinge bedankte, die es in der DDR entweder nicht gab oder Mangelware waren. „Ich glaube, wir leben heute im Vergleich zu damals schon in einer sehr bequemen Zeit“, sagt Julius Hühn.

Aus der Geschichte lernen

„Die Menschen brauchen Klischees, um ihre Welt einordnen zu können“, sagt Mona Conte (Bild) über die noch immer währenden Sticheleien und Vorurteile zwischen Ost und West. Genau wie Julius Hühn ist auch sie am Tag des Mauerfalls geboren. „Ich finde es schlimm, wenn man aus der Geschichte nichts lernt“, sagt die Pädagogik-Studentin über Menschen, die die Mauer wieder herbei reden wollen. Schließlich seien damals auch Menschen bei ihren Fluchtversuchen ums Leben gekommen. Natürlich sei es schwierig, sich in eine Zeit zu versetzen, in der man selbst gar nicht gelebt hat.

„Ich frage mich oft, warum man in manchen Dingen immer noch so strickt zwischen Ost und West trennen muss“, sagt Mona Conte. Nach dem Fall der Mauer sei es wohl so, dass noch häufig Grenzen in den Köpfen vieler Menschen bestünden. „Manchen Menschen fehlt es an Feingefühl für so ein Thema und vieles, was damals passiert ist, gerät auch in Vergessenheit.“ Ob sie gerne vor dem Mauerfall gelebt hätte? „Nein, mit Sicherheit nicht - aber ich finde es schon spannend, wie Menschen an und mit der Mauer gelebt haben.“

von Dennis Siepmann

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