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Gaßmann-Halle wird zu Auffanglager

Richtsberg-Brand Gaßmann-Halle wird zu Auffanglager

Auf Angst und Hektik nach dem Feuer-Alarm, folgen die Sorge um die Wohnung und das Eigentum. Vorerst müssen bis zu 280 Mieter in Notquartieren wie der Georg-Gaßmann-Halle leben. Wie lange, ist unklar.

Am Richtsberg evakuiert, am Georg-Gaßmann-Stadion registriert: 280 Marburger, darunter Konrad Draude (links), werden auf Notunterkünfte in der Stadt verteilt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Alptraum von My Linh Wang beginnt um 4 Uhr nachts. Ein Klopfen an der Tür, Rufe, „raus, raus, raus - es brennt!“ Die chinesische Studentin, die erst wenige Monate in Marburg wohnt, versteht noch nicht viel Deutsch, aber diese Worte schon: „Das war Alarm. Wir sind aus dem Bett gesprungen, haben ein paar Sachen gepackt und raus“, sagt sie auf englisch.

Wenige Stunden später sitzt die 28-Jährige, wie viele ihrer Nachbarn des im Keller brennenden Studentenwohnheims, auf einer blauen Turnmatte in der Georg-Gaßmann-Halle. Neben ihnen liegen Handtaschen, Beutel, darin nicht mehr als Geldbörse und Ausweis. T-Shirt, Jogginghose, Hausschuhe: So sehen die meisten aus, die am Morgen aus dem Gebäude am Richtsberg gerettet und in die erste Notunterkunft gebracht worden sind.

Starke Rauchentwicklung meldeten zahlreiche Bewohner eines Hochhauses am frühen Dienstagmorgen. 280 Bewohner mussten evakuiert werden. Einige von ihnen wurden mit dem Verdacht auf Rauchgasentwicklung ins Krankenhaus eingeliefert. (Fotos: Florian Gaertner, Thorsten Richter, THW Marburg)

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Busse fahren die überwiegend ausländischen Be-wohner auf das Stadiongelände. Jedem Mieter hängt ein Zettel um den Hals, darauf steht etwa die Wohnungsnummer. Am Eingang heißt es Warten. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz‘ checken die Unterlagen, tragen Personalien und Handynummern ein, registrieren die Neuankömmlinge für das Notquartier. Andere werden auf Rauchgasvergiftungen untersucht - ein weißes Armband heißt, das alles in Ordnung ist. Ein rotes Band: Verdacht auf Vergiftung.

"Pure Hektik gepaart mit Angst"

Helfer tragen indes Decken, Betten, Medikamente und Babynahrung in die Halle. Ein Vorrat für die ersten zwei Tage, wie Marburgs Feuerwehr-Chefin Carmen Werner erläutert.


 


 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


 

Mutaz Elmubarak lehnt derweil am Geländer des Hockeyplatzes. Feuerwehrleute, erzählt er, weckten ihn und seine Familie, brachten sie durch das verqualmte Treppenhaus nach draußen. „Uns geht es gut, man steht uns bei“, sagt er. In der Eile sei keine Zeit gewesen, Jacke oder Schuhe anzuziehen. Die Kleidung, die er trägt - einen quietschbunten Trainingsanzug aus den 80ern - bekam er von Helfern in der Halle. Seine Tochter hat Elmubarak trotz des morgendlichen Schocks in den Kindergarten gebracht. „Sie soll von der Aufregung nichts mitbekommen.“ Auch Konrad Draude, Student, musste aus seiner Wohnung fliehen. Er breitet ein Handtuch aus, setzt sich vor der Sporthalle in die Sonne. „Man kann lachen oder weinen. Dann doch besser lachen. Die rauchige Wohnung kann ich lüften.“ Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass er und die Nachbarn so schnell wohl nicht werden zurückkehren können - wenn das überhaupt möglich ist.

„Ich fühle mich hier gut aufgehoben, auch wenn ich nicht weiß, wie es in den nächsten Tagen weitergeht“, sagt er. An seiner Hand prangt ein Bändchen mit einer schwarzen 13. Die Feuerwehr habe es ihm beim Verlassen des Hauses gegeben, um einen Überblick zu erhalten, wie viele Menschen das Gebäude bereits verlassen haben.„Am Anfang war das pure Hektik gepaart mit Angst. Jetzt hoffe ich, dass der Schaden nicht so schlimm ist“, sagt ein Bewohner aus dem zweiten Stockwerk.

von Björn Wisker

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