Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
"Gassigeher" macht Hunde glücklich

Serie "Tierisch - Menschlich" "Gassigeher" macht Hunde glücklich

Wenn er kommt, hebt großes Schwanzwedeln an im Tierheim Cappel - Lukas Hübner ist ein „Gassigeher“.

Voriger Artikel
"Schlüssel weg oder ich stech‘ dich ab"
Nächster Artikel
Qualitätscheck mit der Waffe

Zweimal Lukas auf einem Bild: Lukas Hübner geht regelmäßig mit dem französischen Jagdhund Lukas spazieren.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Lukas Hübner schlägt mit seiner Tätigkeit mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er kann sich mit Hunden beschäftigen, ohne selbst einen zu halten, er kann durch große Gassi-Runden seine Fitness verbessern - und er macht Vierbeiner glücklich.

Der Medizinstudent im vierten Semester ist schon immer tierlieb gewesen: „Ich hatte immer Hunde und Katzen, und auch jetzt habe ich eigentlich einen Hund, aber der lebt bei meinen Eltern“, erzählt er.

Ein Ausgleich zum stressigen Studium

Im Medizinstudium hat er aber keine Zeit für ein Haustier, „ich bin manchmal zehn Stunden an der Uni.“

Das vorige Wintersemester sei stressig gewesen, für Sport und Bewegung habe er keine Zeit gehabt. Deshalb habe er einen Ausgleich gesucht.

„Da bin ich kurz vor Ostern einfach zum Tierheim gegangen und habe gesagt: ,Hallo, hier bin ich‘.“

Und wurde mit offenen Armen aufgenommen, denn das Tierheim-Team sucht immer Menschen, die regelmäßig mit den Hunden spazieren gehen - aktuell sind es etwa 30. Wobei Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit sehr wichtig sind: „Es bringt nichts, wenn man nur einmal im Monat mal vorbeikommt“, sagt Lukas Hübner.

Ein tolles Gefühl, wenn ein Hund vermittelt wird

Idealerweise hat jeder Gassi-geher „seinen“ Hund, mit dem er immer wieder unterwegs ist. Hundeerfahrung braucht man nicht, wer noch unsicher ist, bekommt einen „einfachen“ Hund. „Es gibt auch einige ältere Damen, die gehen ganz regelmäßig ihre Runden“, sagt Hübner.

Der Medizinstudent hat mit schwierigen Tieren begonnen: vier extrem eingeschüchterte Hunde, die keinen Kontakt zum Menschen gewohnt waren. „Da habe ich mich erst einmal acht Tage lang mit einem Buch in den Zwinger gesetzt und abgewartet“, erinnert er sich. Am zweiten Tag sei der erste Hund auf ihn zugekommen, und inzwischen sind alle zutraulich und gehen sonntags eifrig in die Hundeschule.

Der erste ist sogar schon vermittelt - ein tolles Gefühl für den Gassigeher, auch wenn der Abschied immer ein bisschen traurig ist.

„Man baut schon eine Bindung auf zu den Tieren“, sagt er. Aber natürlich weiß er, dass das Leben im Tierheim für seine Schützlinge immer Stress bedeutet und jede Vermittlung ein Grund zur Freude ist.

Auch aktuell kümmert sich Lukas Hübner um einen „Problemfall“. Sein Namensvetter Lukas ist ein französischer Jagdhund, der nicht ganz einfach im Umgang ist. „Er ist extrem emotional“, sagt Hübner. Nachdem er nach einer Vermittlung von den neuen Besitzern wieder zurück ins Tierheim gebracht worden war, wurde er krank und hat immer noch Gesundheitsprobleme. Wenn „sein“ Gassigeher zu ihm kommt, ist davon aber nichts zu merken.

Das temperamentvolle Tier ist sichtlich glücklich über den Besuch. Und Lukas Hübner kommt mehrfach in der Woche, wenn es sein zeitaufwendiges Studium zulässt.

Jeder Spaziergang ist für die Tiere eine Höhepunkt

Viele Gassigeher machen irgendwann den Schritt zum Hundebesitzer und nehmen einen der heimatlosen Gesellen mit nach Hause. Aber auch wer das nicht kann, ist mehr als willkommen: „Die Tiere sitzen 24 Stunden hier und können nichts erleben - da ist jeder Spaziergang ein Höhepunkt des Tages“, sagt Lukas Hübner.

von Heike Döhn

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr