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Ganzheitliche Diagnose und Betreuung als Ziel

Interview mit Professor Werner zum MIT Ganzheitliche Diagnose und Betreuung als Ziel

Im Gespräch mit der OP skizziert der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM Professor Dr. Jochen A. Werner die Perspektiven der Krebsmedizin in Marburg.

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Professor Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor am UKGM-Standort Marburg: Kinderonkologie in Gießen stärkt auch den Standort Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. OP: Das UKGM will sich in den nächsten Jahren als Onkologisches Spitzenzentrum bei der Deutschen Krebshilfe bewerben. Allein oder im Verbund mit Gießen?

Professor Jochen A. Werner, Ärztlicher UKGM-Geschäftsführer am Standort Marburg: Im jetzt zehn Jahre bestehenden Universitätsklinikum Gießen und Marburg haben sich klare Schwerpunkte entwickelt, die allerdings keineswegs bedeuten, dass bestimmte Krankheitsbilder nur an einem Standort behandelt werden können. Mit Schwerpunktbildung gemeint ist aber, dass Weiterentwicklungen bestimmter Fachgebiete an jeweils einem der beiden Standorte mit ganz besonderer Intensität betrieben werden. Dies gilt für die Onkologie in Marburg und für Erkrankungen von Herz und Lunge in Gießen. Die unter Marburger Schwerpunktsetzung betriebene Krebsmedizin bedeutet also keinesfalls eine Ausgrenzung des Gießener Standortes, sondern eine Stärkung der Initiative durch Einbindung des Gießener Klinikums. Zwischenzeitlich gibt es mehrere standortübergreifende Arbeitsgruppen, die sich mit einer weiteren Intensivierung gemeinsamer Forschungen und ganz besonders gemeinsamer Klinischer Studien in der Onkologie befasst. Hier bietet unsere koordinierende Funktion innerhalb des Hessischen Onkologiekonzeptes eine ausgezeichnete Plattform. Damit beschränkt sich die Zusammenarbeit in der Krebsmedizin nicht nur auf die universitären Standorte Marburg und Gießen, sondern auch auf die Kooperation mit einer Reihe weiterer Krankenhäuser der Region.

OP: Gilt diese standortübergreifende Kooperation denn auch für die Kinderonkologie, die ja ein Zankapfel zwischen Gießen und Marburg war?

Werner: Absolut. Es ist gelungen, Herrn Professor Dieter Körholz, einen ausgewiesenen Kinderonkologen, von Halle nach Gießen zu berufen und ihn mit der dortigen Leitung der Kinderonkologie zu betrauen. Noch vor Aufnahme seiner Tätigkeit suchte Professor Körholz die Kooperation mit dem Marburger Klinikum, was gerade unter dem Aspekt der anstehenden Inbetriebnahme des Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrums von größter Bedeutung ist. Mit diesem Behandlungskonzept werden zunehmend Kinder und Jugendliche mit soliden Tumoren in Marburg behandelt werden, die nicht nur strahlentherapeutische, sondern auch kinderonkologische und kinderchirurgische Kompetenz benötigen. Für genau diese Entitäten werden wir in Marburg Anfang nächsten Jahres eine eigene kinderonkologische Station unter Leitung von Prof. Körholz eröffnen und unsere Klinik für Kinder- und Jugendmedizin weiter stärken.

OP: Welche Entwicklungen sehen Sie sonst für die Onkologie in Marburg?

Werner: Es gibt nicht die Onkologie als ein Fachgebiet. Diese Krebsmedizin umfasst eine Reihe von Disziplinen, zu denen verschiedene chirurgische Fächer zählen, die Strahlentherapie und die medikamentöse Tumortherapie, zu der auch die Knochenmarkverpflanzungen gehören. Dieser Behandlung unterziehen sich in Marburg seit nun schon längerer Zeit mehr als 100 Patienten jährlich. Die Voraussetzungen zur Durchführung von Knochenmarktransplantationen stehen unter höchster Qualitätskontrolle, die wir erfüllen und künftig stets aktualisiert halten wollen. Zur Onkologie gehören aber nicht nur die unmittelbaren Fächer der Krebsmedizin, weswegen ich es für notwendig halte, dass auch angrenzende Fächer wie beispielsweise Neurologie, Psychiatrie und Herzmedizin spezielle Expertisen entwickeln, damit wir die von einer Krebserkrankung betroffenen Patienten noch stärker ganzheitlich diagnostizieren und behandeln können. So entwickelt sich die Onkologie immer mehr in Richtung medikamentöser, hier vor allem auch immunologischer Behandlungsansätze. Es wäre falsch, zu glauben, dass diese Therapiemodalitäten nur auf die Krebszellen wirken. Zu erforschen, wie mögliche Auswirkungen auf andere Organe und hier ganz natürlich auch auf das Gehirn sein können – genau damit müssen wir uns künftig verstärkt auseinandersetzen. Die Voraussetzungen hierfür, einschließlich modernster Bildgebungstechniken, sind in Marburg gegeben.

von Till Conrad

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