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Gamer fiebern Baller-Party entgegen

Counterstrike-Turnier in Köln Gamer fiebern Baller-Party entgegen

Profi-Killer als Hobby: Andreas Becker tötet in der Freizeit mit einem Gamepad Hunderte Gegner. Der Marburger zockt das Videospiel „Counterstrike“. So, wie Tausende – was am Sonntag im Cineplex-Kino live zu sehen sein wird. Videospiel-Fans aus Marburg schauen dort das Finale des „ESL one“, was in der Lanxess-Arena in Köln stattfindet.

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Shooter im Stadion: Für Fans des Videospiels „Counterstrike“, etwa den Marburger Andreas Becker, ist das Finale des „ESL one“ in Köln am Sonntag eine Mega-Show.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Auf dem Schulhof redeten alle davon. Die Jungs zumindest. Im Herbst 2004 beherrschte die Veröffentlichung des Videospiels „Half Life 2“ Andreas Beckers Clique. Mit seinen Freunden verbrachte er Abende, Nächte vor dem PC und erschoss Aliens. „Das Spiel hat megamäßig gebockt, richtig süchtig gemacht“, sagt der 28-Jährige. Virtuell töten – das hatte er schon vorher, in Szene-Klassikern wie „Doom“ oder „Duke Nukem“ gemacht. Heimlich, volljährig war er da noch nicht.

Damals, es war die Zeit nach dem Amoklauf von Erfurt, hatten sogenannte Egoshooter einen denkbar schlechten Ruf. „Ballerspiele“, hieß es ab 2002 für fast eine ganze Dekade, in denen weitere Schulschießereien folgten, seien zumindest mit schuld an dem Massenmord. Bestimmte Jugendliche würden gewalttätig, die Hemmschwelle, Menschen zu töten, sinke.

„Ich habe diese Beschuldigungen nie verstanden, das Klischee ärgert mich bis heute“, sagt Becker. Die Gesellschaft habe nicht verstanden, jedenfalls nicht akzeptiert, dass junge Leute „auf Sachen wie ‚Mensch ärgere dich nicht‘ oder Rommé keinen Bock mehr haben“. 2004 – als „Half Life 2“ erschien, war das Spiel, das bis heute Millionen Fans hat, schon vier Jahre lang auf dem Markt: „Counterstrike.“

Preisgelder locken Profis

„Ich kam erst spät auf das Game, weil die Grafik damals wichtig war, es ging in der Entwicklung sehr schnell voran damals. Deshalb war innerhalb von ein, zwei Jahren vieles schnell veraltet.“ Je schneller das Internet, je billiger die Flatrates wurden, desto intensiver spielte Becker – alias „Dandydoom“ – den Egoshooter. „Das Spiel ist im Gegensatz zu heutigen Titeln recht simpel gehalten, aber es passiert sehr viel.“ Daher mache auch das Zuschauen Spaß. „Hat etwas von einem Actionfilm.“

BjörnWisker

Inhalt und Ziel des Spiels: Entweder schlüpfen Spieler in die Rolle einer Anti-Terror-Einheit, gemeinsam müssen sie Terroristen stoppen, ihr Auftrag ist es etwa, Geiseln zu befreien. Alternativ steuert man die Terroristen, die zum Beispiel eine Bombe legen müssen. Die Missionen finden auf vielen unterschiedlichen Karten statt, es gibt mehrere Runden – wer häufiger gewinnt, ist der Gesamtsieger.

Die besten Counterstrike-Spieler der Welt, etwa die Schweden „f0rest“ und „cArn“, haben bei sogenannten E-Sports-Events (professionelles Videospielen) wie etwa am Sonntag in Köln bis zu 850 000 US-Dollar gewonnen. Vor drei Jahren kam die Fortsetzung „Counterstrike: Global Offensive“ (kurz CS:GO) heraus; selbes Spielprinzip, moderne Grafik, mehr Spielmodi. Das Online-Spiel zählt weltweit mehrere Millionen Spieler.

Über Headsets kommunizieren sie während des Spiels, sprechen Taktiken ab – erschießen Gegner. „Leute spielen Fußball oder sammeln Briefmarken, weil es ihnen Spaß macht. Ich weiß nicht, wieso Computerspiele immer noch belächelt, als Kinderkram abgetan werden.“ Tatsächlich: Die Videospielbranche erreicht in Deutschland einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden; mehr als die Fußballbundesliga. Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom spielen 42 Prozent aller Deutschen regelmäßig an Computer oder Konsolen.

Kino zeigt Show
Das Cineplex-Kino überträgt am Sonntag ab 19 Uhr das Finale des „ESL one Cologne“ – das weltweit größte Counterstrike-Turnier in Köln. 
20 000 Zuschauer werden erwartet. Die OP berichtet über Show-Schauen in Marburg.
 

von Björn Wisker

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