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Fußball verbindet Cappeler und Flüchtlinge

Freundschaftsspiel Fußball verbindet Cappeler und Flüchtlinge

Der erste Schritt für eine menschenwürdigere Unterkunft der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Umgehungsstraße wird am Wochenende getan.

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Fußball verbindet: Spieler des FSV Cappel und der Campauswahl während ihres Freundschaftsspiels am Freitag.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Wie Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) der OP mitteilte, wird am 5. Oktober mit dem Aufbau der ersten Holzunterkunft auf dem Gelände begonnen. „Ende Oktober, Anfang November können die ersten Flüchtlinge dann in das Gebäude einziehen“, sagte Vaupel der OP: Sukzessive wird die beauftragte Firma Greif aus Amöneburg die anderen Unterkünfte aufbauen.

Allerdings wird es wohl Winter werden, bis alle der bis zu 650 Flüchtlinge in eine feste Unterkunft ziehen können. Vaupel denkt deswegen an eine Zwischenlösung: Wohncontainer, die bisher von den Stadtwerken Marburg während des Umbaus des Kundenzentrums am Krekel genutzt wurden und nun frei werden, könnten für wenige Wochen die Zelte an der Umgehungsstraße ablösen.

Am Sonntag ab 6.30 Uhr wird das erste Zelt von dem Hartplatz auf die angrenzende Wiese innerhalb des Camps verlegt, teilte Vaupel in einem Schreiben an die Anwohner des Camps mit. Am Donnerstag folgen dann zwei weitere Zelte. Und am kommenden Montag wird mit den Baumaßnahmen auf dem Gelände des Camps begonnen. Dort entstehen in den kommenden Wochen sechs Wohnhäuser in Holzbauweise und drei Verwaltungsgebäude. Die Zufahrt zum Camp wird außerdem von der Umgehungsstraße zum Lintzingsweg verlegt. Statt der Großzelte werden im Camp nun Unterkünfte mit Zimmern von 26 Quadratmetern geschaffen, in denen jeweils vier bis acht Menschen Platz finden.

Freundschaftsspiele, die ihren Namen verdienen

Das war ein gelungenes Fußballfest am Freitagabend! Der FSV Cappel hatte mit Unterstützung der Stadt und einer Reihe von Sponsoren Flüchtlinge aus dem Camp an der Umgehungsstraße zu zwei Fußball-Freundschaftsspielen eingeladen – und das Wort „Freundschaftsspiel“ hat seinen Namen selten mehr verdient.

Vor mehr als 150 Zuschauern erwarben sich die Gäste die Sympathien auch der Cappeler Zuschauer durch ihr Auftreten. Nach dem Schlusspfiff dauerte die höfliche Um­armung zwischen Cappelern und Gästen bei dem ein oder anderen einen kleinen Moment länger als sonst nach einem Fußballspiel üblich. Und nach dem Spiel saßen Aktive und Zuschauer noch lange gemeinsam bei Speisen und Getränken zusammen .

Willfried Bepperling, Vorsitzender der Förderkreises des FSV Cappel und einer der Hauptorganisatoren des Abends, war rundum zufrieden: „Es soll ein Anfang sein – die dürfen alle wiederkommen.“

So wie das auch Ibrahima Diallo tat, der Deutsche U-21-Meister im Mittelgewichtsboxen. Der 19-Jährige, der inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft hat, kam als Junge nach Cappel und schaute am Freitagabend vorbei, um seinem alten Verein seine Verbundenheit zu signalisieren. „Cappel ist meine Heimat“, sagt Diallo und schlägt mit der Faust auf sein Herz. „Hier bin ich gut aufgenommen worden, hier habe ich Freunde.“ Diallo trainiert inzwischen im Bundeswehrstützpunkt Heidelberg und hat gute Aussichten, Deutschland bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zu vertreten.

Vielleicht ist auch bei den Aktiven des Freitagabends einer dabei gewesen, der eine ähnliche Entwicklung nimmt und der dann auch irgendwann sagt: „Cappel ist meine Heimat“.

von Till Conrad

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