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Fußball-Sammelalbum für Elnhausen

Fußballbilder sammeln Fußball-Sammelalbum für Elnhausen

72 kleine Bilder müssen es sein, damit jede Seite in ihrem vollen Glanz erstrahlt. Dafür begibt sich derzeit eine Vielzahl fußballverrückter Elnhäuser auf eine aufwändige Suche.

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Sebastian Lang (links) und Carsten Pfeil haben ein Stickersammelalbum für den TSV Elnhausen entwickelt.

Quelle: Thorsten Richter

Elnhausen. Elnhausen. Elnhausen ist im Sammelfieber. Zugegeben, kurz vor einer Fußballweltmeisterschaft ist das nichts allzu Außergewöhnliches. Auf der ganzen Welt feilschen Fußballfanatiker in Vorfreude auf das große Turnier. Sticker von internationalen Stars wie Ronaldo, Messi, Schweinsteiger und Co. stehen hoch im Kurs.

Während der WM in Deutschland vor acht Jahren verkaufte der italienische Herausgeber Panini mehr als 160 Millionen kleiner Tütchen mit den Bildern der Top-Kicker. Vollständig und sorgfältig in das dazugehörige Sammelalbum eingeklebt, dienen sie dem Fan als wertvolles Erinnerungsstück.

Das könnte doch auch bei uns funktionieren – so oder so ähnlich dachten zwei Spieler des TSV Elnhausen vor einigen Jahren. Heute sitzen Carsten Pfeil und Sebastian Lang stolz und mit einem breiten Lächeln im Gesicht vor einem grünen Album. Auf dem Cover ist groß das Wappen des Fußball-A-Ligisten abgebildet: ein eigens kreiertes Sammelheft, das sich nicht nur optisch von Panini abhebt, wie sich noch herausstellt. Auch wenn sich beide bewusst sind, dass das Weltunternehmen natürlich Vorbild bei der Gestaltung war.

Seit dem Heimspiel des TSV Elnhausen gegen den TSV Wohratal am 30. April stehen das Album sowie die weißen Packungen mit Aufklebern, ebenfalls mit dem Wappen gekennzeichnet, offiziell zum Verkauf. 72 verschiedene Bildchen muss der Sticker-Begeisterte finden, um sein Heft gänzlich füllen zu können.

Was dessen Inhalt so besonders, fast schon familiär macht: Sammler und Gesammelte kennen sich meist persönlich, sind in vielen Fällen sogar ein und dieselbe Person. Im Vergleich zu den Panini-Angeboten bilden die Sticker keine unerreichbaren Idole ab, sondern Freunde und Kollegen des Alltagslebens – Vorstandsmitglieder, Schiedsrichter, aktive Spieler und „Vereinslegenden“ aus dem Marburger Stadtteil.

Die Idee dazu entstand zu späterer Stunde im Rahmen einer Feier, erinnert sich Sebastian Lang. Bis zur Umsetzung verstrichen zwar einige Jahre, der Gedanke blieb aber immer latent in den Köpfen der damals Beteiligten. Bis zum Osterfest 2011, als eine kleine, motivierte Gruppe buchstäblich das Heft in die Hand nahm und in den Planungen konkret wurde. Welche Dinge brauchen wir eigentlich für ein Sammelalbum? Welche Personen müssen aufgenommen werden? Haben wir schon Bilder und benötigen wir noch weitere Informationen?

Überraschend schnell hatten Lang und Pfeil mit Unterstützung des „Riesenstatistikers“ Bernhard Nather die offenen Fragen geklärt, sodass die Elnhäuser noch in derselben Saison erstmalig mit Stickern handelten.

Verkauf wurde zum Selbstläufer

Doppelseitiges Klebeband hatte zu diesem Zeitpunkt provisorisch herhalten müssen, um die Bildchen im Heft zu befestigen.

In der nächsten Spielzeit verlief sich die Aktion. Und Fortsetzungsüberlegungen erstickten im Keim, auch weil Carsten Pfeil zwischenzeitlich den Trainerjob beim TSV Elnhausen übernahm und deutlich weniger Zeit hatte.

Es brauchte drei Jahre, bis das Duo den Wunsch nach einer zweiten Auflage wieder aufleben ließ. Die mühselige Arbeit ging für Pfeil und Sebastian Lang also von vorne los: Hefte drucken lassen, Bilder erstellen, schneiden, kleben, einpacken und verkaufen. „Wir hatten schon ein bisschen Angst, dass es aus irgendeinem Grund nicht läuft“, erklärt Pfeil. „Aber innerhalb von einer Stunde entwickelte sich der Verkauf zu einem Selbstläufer. Es lief phänomenal, und bis heute ist kein rückläufiger Trend erkennbar“, ergänzt Lang freudestrahlend.

Rund 70 Hefte inklusive der neuen Legenden-Seite sind inzwischen verkauft. Dazu rund 2800 Sticker, die die beiden inzwischen professionell auf Din-A-4-Etiketten anbringen und in Viererpacks anbieten.

Sebastian Lang trägt in seiner schwarzen Tasche immer einige Tütchen bei sich und wird regelmäßig bei Spielen oder Trainingseinheiten des TSV angesprochen. „Während das Spiel läuft, sitzen die Zuschauer manchmal in den Bänken davor und konzentrieren sich nur auf’s Tauschen“, beobachtet Lang eine sichtbare Veränderung auf dem Sportgelände in Elnhausen.

Auch Kinder seien mit großer Leidenschaft in das Sammlergeschehen integriert. Mittlerweile liegen die Tüten auch in der örtlichen Gaststätte aus, im Supermarkt wurde bereits nachgefragt. Panini-Alben sind den beiden Spielern in Elnhausen bisher noch nicht unter die Augen gekommen. „Es hat in der Außendarstellung eine gute Wirkung für den TSV. Ich bin der Meinung, man kann das jedem anderen Verein nur empfehlen“, betont Carsten Pfeil.

Vom Erlös werden die Verantwortlichen – wie schon vor drei Jahren – einen Teil spenden. Damals konnte sechs in Afrika an Grauem Star erblindeten Menschen geholfen werden. Der Rest fließt wieder in eine große Feier und kommt dem Verein zugute.

Und danach? Müssen sich die Elnhäuser wieder länger gedulden, oder knüpfen Pfeil und Lang an ihre erfolgreiche Leistung an? Die Chancen stünden 50 zu 50, erklären die beiden. Klar ist: Sollte dem TSV der Aufstieg in die Kreisoberliga noch gelingen, dann dürfte das Sammelfieber in Elnhausen anhalten – für mindestens eine weitere Saison.

von Yanik Schick

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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