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Furcht vor Armen-Zuwachs in der Stadt

Armut Furcht vor Armen-Zuwachs in der Stadt

Trotz des Wirtschaftsbooms sinkt die Armut in Marburg nur schleppend. Einige Stadtteile entwickeln sich zu Armenhäusern. Das geht aus der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Linken hervor.

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Sichtbare Armut ist in Marburg zwar noch eine Randerscheinung. Doch gerade im Alter sind nach aktuellen Daten der Stadt immer mehr Marburger auf finanzielle Hilfen angewiesen. Archivfoto

Marburg. Waldtal, Richtsberg, Stadtwald: Die Entwicklung in den einzelnen Stadtteilen zeigt nach Auffassung von Nico Biver (Linke), dass sich in Marburg einige Armenhäuser etabliert, verfestigt haben. „Die Armutshochburgen von 2002 sind noch ärmer geworden. Im Waldtal ist mittlerweile fast jeder dritte Bewohner auf eine Form der finanziellen Unterstützung angewiesen. Auf dem Richtsberg ist es mehr als jeder vierte“, sagt Biver. Die Verteilung nach Stadtteilen mache deutlich, dass aktuell fast überall zwischen drei und sieben Prozent der Anwohner auf eine Form der sozialen Sicherung angewiesen seien.

Forderung: Offensive beim Bau von Sozialwohnungen

Ein Grund liege im Arbeitsmarkt begründet. „Ich halte den Niedriglohnsektor gegenwärtig für das Haupteinfallstor für Armut in Deutschland, indem man ganz systematisch solche atypischen Beschäftigungsverhältnisse gefördert hat, Minijobs, Midijobs, die Leiharbeit dereguliert hat“, sagt Christoph Butterwege, Politikwissenschaftler und einer der führenden Armutsforscher in Deutschland. Die Folgeprobleme der Beschäftigungsverhältnisse stehen demnach erst noch bevor. Doch schon jetzt wird die Altersarmut in der Stadt zum Thema. 561 Marburger bezogen zuletzt Grundsicherung im Alter, zehn Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Tendenz für die kommenden Jahre: steigend.

Marburgs Linke fordern vor allem beim Wohnungsbau und den damit verbundenen Mietkosten gegenzusteuern. „Es ist nicht damit getan, immer mehr Studenten in die Stadtteile zu drängen, in denen sozial schwächere wohnen. Getreu dem Motto: mit denen kann man es ja machen“, sagt Biver. Er will ein Umdenken in der Stadtplanung erreichen. Zum einen sei eine Offensive beim Bau von Sozialwohnungen unerlässlich. Zum anderen komme dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) eine immer wichtigere Rolle zu, um auch die abgelegeneren Stadtteile besser anzubinden.

Die Linke kommt mit der Zahlanabfrage dem Sozialbericht der Stadt zuvor. Dieser ist nach OP-Informationen bereits fertiggestellt. Jedoch pflegt die Verwaltung noch Zahlen des Zensus ein - dessen Ergebnisse für die Kommune werden am 31. Mai veröffentlicht. Eine Veröffentlichung der Erhebung ist nach der Sommerpause geplant. Wissenschaftler Butterwegge warnt bereits davor, Sozialberichte als reine Dokumentation anzusehen. Auf gefundene Erkenntnisse müsse politisches Handeln folgen - auf kommunaler und Bundesebene.

von Björn Wisker

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