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Fürst war zentrale Figur der Reformation

Luther-Ausstellung im Staatsarchiv Fürst war zentrale Figur der Reformation

Zwei Grußworte, zwei Festvorträge und streng genommen gleich zwei Ausstellungen: Mehr als 200 Besucher erlebten im Staatsarchiv ein reichhaltiges Abendprogramm.

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Im oberen Foyer des Staatsarchivs war die Wanderausstellung aufgebaut.

Quelle: Kristina Lieschke

Marburg. Archivdirektor Dr. Andreas Hedwig nannte die drei Ziele, die mit dem seit Februar 2013 laufenden Ausstellungsprojekt erreicht werden sollten:

  • Die Konzipierung und Umsetzung der vor allem für die Präsentation an Schulen gedachten Wanderausstellung „Luther und Europa - Wege der Reformation und der fürstliche Reformator Philipp von Hessen “,
  • die Erstellung des dazugehörigen informativen Begleitmate­rials und
  • speziell für die Marburger Erstpräsentation die Schaffung einer zusätzlichen Ausstellung mit hochkarätigen Originaldokumenten aus der Reformations­zeit.

Da alle drei Ziele erreicht wurden, kommen die Besucher im Staatsarchiv bis Mai 2016 in den Genuss einer in dieser Form einmaligen Doppelausstellung. Danach geht die von Professor Reinhard Neebe (Leiter des Digitalen Archivs Marburg - Dig­AM am Staatsarchiv Marburg) und Justa Carrasco (Studienrätin am Gymnasium Philippinum) konzipierte Wanderausstellung auf Reisen.

Buch und Ausstellung soll auch Schulen ansprechen

Die von Archivar Dr. Karl Murk federführend erstellte Ausstellung der Originaldokumente, die vor allem aus dem im Staatsarchiv verwahrten „Politischen Archiv“ Philipps des Großmütigen stammen, wird dann abgebaut. Viele Dokumente daraus sind als Leihgaben für andere Ausstellungen im Reformations-Jubiläumsjahr 2017 angefragt.

Stolz präsentierte Hedwig auch das druckfrisch vorliegende und grafisch besonders gelungene Begleitbuch zur Wanderausstellung (Justa Carrasco/Reinhard Neebe: Luther und Europa - Wege der Reformation und der fürstliche Reformator Philipp von Hessen, Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg, Band 30, Marburg 2015, 12 Euro). Er betonte, dass mit Buch und Wanderausstellung vor allem Schulen angesprochen werden, aber auch eine breite Öffentlichkeit erreicht werden soll.

Vortrag zur hessischen Reformation

„Zwischen Wittenberg und Zürich - Der selbstbewusste Weg der Reformation in Hessen“ lautete dann der Titel eines Vortrags der Professorin Gury Schneider-Ludorff von der Augustana Hochschule Neuen­dettelsau. Drei wichtige Aspekte der hessischen Reformation beleuchtete Schneider-Ludorff dabei näher.

Erstens, dass die Reformation hier besonders stark von Nichttheologen vorangetrieben wurde, und dabei in allererster Linie vom Landgrafen persönlich. Philipp der Großmütige war die zentrale Figur der hessischen Reformation, und er machte vor allem durch seine Universitätsgründung 1527 und das Reformationsgespräch 1529 Marburg neben Wittenberg und Zürich zu einem dritten Hauptort der Reformation.

Zweitens betonte die Rednerin den stark integrativen Charakter von Philipps Reformationspolitik. Nicht nur die Einigung und das politische Bündnis von Lutheranern und Reformierten lagen dem Landgrafen besonders am Herzen. Es war auch sein erklärtes Ziel, zumindest in seinem Land Andersgläubige wie Täufer, Hugenotten und Juden einzubeziehen. Damit befand sich Philipp nicht auf einer Linie mit dem in Glaubensfragen kompromisslosen Reformator Martin Luther, was auch die Wanderausstellung in dem Themenbereich „Luther und die Anderen - Brüche“ zeigt.

Der dritte wichtige Aspekt der Reformation in Hessen, so Schneider-Ludorff, ist ihre soziale Dimension. Diese kommt besonders in dem neuartigen und auch in den Reformationsländern einmaligen Vorgang der Stiftung der „Hohen Hospitäler“ zum Ausdruck. Diese zunächst zwei, später vier Landeshospitäler als rein karitative Einrichtun­gen für die bis dahin unversorgte Landbevölkerung gründete Philipp durch die Umwidmung großer, von ihm aufgelöster Klöster und die Übertragung von deren Besitz und Vermögen. Er sah sich damit ganz bewusst in der Nachfolge seiner Urahnin, der mildtätigen heiligen Elisabeth. Zugleich war es sein Anspruch, darüber hinauszugehen, indem er die Kirchengüter systematisch „ihrer wahren Bestimmung“ zuführte.

Ausstellung gliedert sich in sieben Themenkomplexe

Nach dem Hauptvortrag gab Professor Reinhard Neebe eine Einführung in die Wanderausstellung. Er betonte, dass ihre Schwerpunkte auf dem hessischen Reformationsgeschehen und der europäischen Dimension des gesamten Reforma­tionsprozesses liegen, und erklärte die Unterteilung der 24 Tafeln in sieben Themenkomplexe: Europa um 1500: Die Welt im Umbruch; Ereignis Luther; Luther und die Anderen - Brüche; Der fürstliche Reformator: Philipp von Hessen; Die gespaltene Reformation; Ausbreitung der Reformation in Europa; Ausblick: Europa nach der Reformation.

von Kristina Lieschke

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