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„Für die meisten ein Weg in den Tod“

Gedenken an Deportation „Für die meisten ein Weg in den Tod“

Mit einer Gedenkstunde am Hauptbahnhof erinnerte die Geschichtswerkstatt an die jüdischen Opfer der NS-Zeit, verbunden mit der Mahnung, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

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Barbara Wagner erinnerte in Wort und Bild an die Marburger Opfer der NS-Zeit.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Auf den Tag genau jährte sich am Dienstag zum 74. Mal der Tag, an dem die letzte Deportation von jüdischen Bewohnern von Marburg aus nach Theresienstadt begann. An die Verschleppten, von denen nur wenige den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg überlebten, erinnerten 50 Menschen während einer Gedenkfeier an Gleis 5/8 am Hauptbahnhof, die zum 15. Mal von der Geschichtswerkstatt Marburg ausgerichtet wurde.

Vorsitzende Elisabeth Auernheimer begrüßte Vertreter der jüdischen Gemeinde, der evangelischen Kirche, der Stadt und zahlreiche Bürger, außerdem mehrere Nachkommen der Deportierten, die anlässlich der Gedenkstunde aus Israel anreisten. Bis heute hält die Geschichtswerkstatt regen Kontakt zu Angehörigen der Opfer und wenigen Überlebenden aus dem Marburger Raum. Von dort brachte am 6. September 1942 der dritte Deportationszug die letzten verbliebenen Juden aus der Stadt und dem Kreis Marburg nach Kassel und weiter in das KZ Theresienstadt, „für die meisten ein Weg in den Tod“, berichtete Auernheimer. Zwischen 1941 und 1943 wurden insgesamt 350 Juden und Sinti von der Universitätsstadt aus deportiert, der Großteil in Lagern ermordet. Der jahrelangen Vertreibung und Ermordung der Opfer gelte es bis heute zu gedenken, sich zu erinnern, nicht zuletzt in Zeiten, „in denen das Miteinander von Menschen und Kulturen wieder von Ausgrenzung und Hass bestimmt ist“.

Dauerhaft erinnern Gedenkbänder am Hauptbahnhof an die Opfer, weisen hin auf die Verbrechen der NS-Zeit, die „nicht nur eine politische, sondern auch eine menschliche Katastrophe war“, erinnerte Barbara Wagner von der Geschichtswerkstatt. Sie verwies auf ein Versagen früherer Generationen, auf einen aktenkundigen „bösartigen, primitiven Hass“, der den Verfolgten von ihren Mitmenschen entgegenschlug. Bis heute sei anzumahnen, „dass Ausgrenzung und Hass niemals Basis für Positives, Neues, Gutes sein können“, betonte Wagner.

Nachfahre einer Familie aus Jerusalem angereist

Auch 74 Jahre später dürfe die Erinnerung nicht verblassen, dabei stets verbunden mit der Hoffnung, „dass es sich niemals wiederholt“, ergänzte Gad Nathan, Nachfahre einer deportierten Familie, der aus Jerusalem zu Besuch in Marburg weilte. Seine Großeltern Hermann und Bertha Nathan aus Lohra wurden nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihrem Sohn Theo gelang die Flucht nach Palästina, kurz nach seiner Hochzeit in Marburg. Ein erhaltenes Foto der Hochzeitsgesellschaft zeigt einen kleinen Teil der früher hessenweit ansässigen Familien Nathan und Plaut - eine aussagekräftige Erinnerung und „ein Spiegel der Schicksale der deutschen Juden in all seinen Facetten“.

Zur Erinnerung an die ermordeten Mitglieder der einmal tief in der Region verwurzelten jüdischen Familien sang Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, das jüdische Totengebet.

von Ina Tannert

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