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Für die Geburtshilfe von morgen

Demonstration Für die Geburtshilfe von morgen

Hebammen aus dem ganzen Landkreis sowie zahlreiche Sympathisanten forderten in Marburg lautstark bessere Arbeitsbedingungen für die professionellen Geburtshelferinnen.

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Die Teilnehmer der Hebammen-Demonstration hatten bei ihrem Gang durch die Oberstadt am Samstag zahlreiche selbstgestaltete Protestplakate mit dabei.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Ein Riesenandrang herrschte am vergangenen Samstag auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz: Mehr als 800 Menschen hatte das Thema auf die Straße gebracht. Hebammen, Mütter, Väter, Kinder und andere Unterstützer protestierten gegen die aus ihrer Sicht existenzbedrohenden Arbeitsbedingungen für Hebammen im ganzen Land, ausgelöst durch weiter steigende Versicherungsbeiträge ab Juli dieses Jahres. Die Demo fand im Vorfeld des internationalen Hebammentages statt, der am Montag begangen wird. Proteste zum Thema gibt es derzeit bundesweit.

In Marburg demonstierten am Samstag zahlreiche Hebammen gegen die Erhöhung ihrer Versicherungsprämien.

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Zum Aufwärmen sang die Menge gemeinsam das Lied „Wer hat die Hebammen geklaut“ (nach der Melodie „Die Affen rasen durch den Wald“). Doch es fehle heute nicht die Kokosnuss, sondern es mangele an gerechten, gesicherten Arbeitssystemen für freiberufliche Hebammen, erklärte Geburtshelferin Gundula Hugo über das Mikrofon.

Am frühen Nachmittag setzte sich die Menschenmasse, begleitet von Trommelschlägen und Trillerpfeifen, in Bewegung, zog geschlossen über die Weidenhäuser Brücke in Richtung Rudolphsplatz, die Universitätsstraße entlang, durch die Oberstadt bis zum Marktplatz. Die Resonanz war positiv, selbst einige wartende Autofahrer auf den gesperrten Straßen demonstrierten durch lautes Hupen und Jubelrufe ihre Zustimmung.

Zahlreiche bunte Protest-Transparente ragten aus der Menge, verziert mit Sprüchen wie „Alle brauchen Hebammen, auch du“, „Stellt euch vor es ist Geburt und keiner kommt“ oder „Rettet die Hebammen, damit Frauen zu Müttern und nicht zu Patienten werden“. In großen Lettern prangte auch der Slogan „Ohne Geburt bleib ich lieber hier drin“ vom T-Shirt einer schwangeren Frau.

60 freiberufliche Hebammen laufen mit

Etwa 60 freiberufliche Hebammen waren mit von der Partie, ein Großteil der Demonstration bestand aus Familien. Die Protestteilnehmer setzten sich damit für „ihre Hebammen“ ein, wollen weiterhin eine Vor- und Nachbetreuung durch Wochenbett- und Geburtshelfer. Viele von ihnen ziehen deren Tätigkeit in einem Geburtshaus der klinischen Betreuung vor.

Die steigenden finanziellen Probleme der freiberuflichen Hebammen könnten das Bild des Jahrtausende alten Berufes gravierend ändern, befürchteten die Demonstranten. Wird die Textpassage aus dem Protestlied „Die Frauen rennen durch die Stadt - die Hebammen haben zu gemacht“ vielleicht bald Realität? Droht das Aus der freiberuflichen Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung? "Wenn sich nichts ändert, dann Ja", sagte Beate Gnau, zweite Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes. Die Debatte um die beruflichen Voraussetzungen laufe bereits seit Jahren. Nun spitze sich die Lage auf dem Versicherungsmarkt weiter zu.

„Wir brauchen jetzt schnelle Hilfe“

Denn ab Juli 2014 müssen freiberuflich in der Geburtshilfe tätige Hebammen mehr als 5.000 Euro für ihre Haftpflichtversicherung aufbringen. Immer mehr Betroffene müssen dadurch ihren Beruf aufgeben, können sich die steigenden Kosten nicht mehr leisten.

Die zähen Verhandlungen laufen weiter, bisher wurde keine für die Betroffenen akzeptable „dauerhafte und nachhaltige Lösung“ erzielt. Ein Lichtblick: eine Arbeitsgruppe des Bundesgesundheitsministeriums beschäftigt sich derzeit mit dem Thema. „Wir brauchen jetzt schnelle und langfristige Hilfe“, so der Kreisvorstand und Betroffene.

von Ina Tannert

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