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Für Wertewandel im Kopf und im Herzen

Umwelterziehung Für Wertewandel im Kopf und im Herzen

Der Umwelterziehung in der Schule einen neuen Impuls geben - das ist das Ziel einer Veranstaltungsreihe, die der Pädagoge Dr. Hartmut Bölts vorbereitet hat.

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Ein herbstlicher Buchenwald: Für den Marburger Hartmut Bölts muss Umwelterziehung nicht nur fächerübergreifend stattfinden, sondern auch alle Sinne ansprechen.Archivfoto

Quelle: Z1022 Patrick Pleul

Marburg. Die Themen „Klimaschutz“ und „Energiewende“ sind in aller Munde, glaubt Hartmut Bölts, „lokal und global“. Bölts muss es wissen, denn seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich in Schule und Hochschule mit Konzepten für nachhaltige, das heißt lang nachwirkende, Folgen zeigende Umwelterziehung.

Aber die Energiewende droht, so fürchtet Bölts, zu versanden. Es bestehe die Gefahr, dass mit ihr vor allem steigende Preise und unschöne Windräder verbunden werden. „Als Pädagogen müssen wir junge Menschen für die Energiewende begeistern“, sagt deswegen Bölts und schließt an: „Wir brauchen einen Wertewandel vom Herzen und vom Kopf her.“ Diesen Wertewandel zu beflügeln, das sei Aufgabe der Pädagogik.

Planspiel Klimaschutz-Konferenz

Stadt Marburg und Landkreis Marburg-Biedenkopf unterstützen diese Haltung. Sie sind Kooperationspartner einer Veranstaltungsreihe in diesem Frühjahr, die morgen ab 14.30 Uhr mit einer Fortbildungsveranstaltung im Staatlichen Schulamt eröffnet wird. „Planspiel Klimaschutz-Konferenz“ ist der Titel der Veranstaltung, die den „1. Umwelttag der Schulen“ vorbereiten soll. Am 6. Mai (für die Schulen im Kreis) und am 15. Mai (für die Schulen der Stadt Marburg) sollen Schüler, so ist das Ziel, in einem vorbereiteten Planspiel eine Bestandsaufnahme des Klimaschutzes in ihrem Umfeld vornehmen und dann einen „Welt-Klimaschutzvertrag“ verhandeln, an dem auch Länder wie China oder Russland beteiligt sind.

Für Bölts ist das mehr als nur ein - wenn auch anspruchsvolles - Spiel. Ernst genommen, bedeutet die Vorbereitung auf einen Weltklimaschutzvertrag Bildung in Politik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Technik, erläutert der Pädagoge. Dass es in diesem Zusammenhang bereits Kooperationsprojekte mit Regionen in China und Russland gibt, unterstreicht für ihn den globalen Ansatz des Experiments.

Er trauert in diesem Zusammenhang den Organisationsstrukturen der regionalen Lehrerbildung in den 90er Jahren nach, die eine Vernetzung im ganzen Kreis und darüber hinaus erleichtert und wirklich fachübergreifendes Unterrichten gefördert habe. „Das sind wichtige Voraussetzungen für eine Bildung der nachhaltigen Entwicklung“, sagt Bölts.

Dabei hat er selbst eine wesentliche Grundlage für ein neues Bildungsverständnis in Schulen und Universität gelegt: Mit der Gründung des Jugendwaldheims Roßberg vor mehr als 20 Jahren und der Pädagogik der vier Elemente - Feuer, Wasser, Erde und Luft“ - haben Schulen und außerschulische Lernorte ein Angebot für umfassende Umweltprojekte erhalten: Sie können vom Waldspaziergang für Erstklässler bis zur Wasseranalyse für Oberstufenschüler zahlreiche Möglichkeiten anbieten, Schüler mit all ihren Sinnen für die verschiedenen Facetten der Umweltproblematik zu interessieren.

Marburger Bildungsfest will Initiativen zusammenführen

Positive Ansätze gibt es aber viele: Da ist das Schulbiologiezentrum in Biedenkopf, da sind die Umweltschulen im Kreis, da ist das „Chemikum“ in Marburg als Lernort und da sind zahlreiche andere Projekte. Sie alle stellen sich in einer Vorlesungsreihe im Sommersemester vor. Sie wird organisiert vom interdisziplinären Lehr- Studien- und Forschungsprojekt „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“. Die Vorträge finden jeweils mittwochs ab18 Uhr statt. Am Mittwoch, 24. April, berichtet Michael Meinel, Klimaschutzmanager von Cölbe, Lahntal und Wetter, über seine Bemühungen, einen Bewusstseinswandel für den Klimawandel bei der Bevölkerung im Nordkreis herbeizuführen.

Für Bölts kommt es darauf an, die vielen unterschiedlichen Initiativen zusammenzuführen und möglichst eine gemeinsame didaktische Grundlage zu erarbeiten. Erste Ergebnisse, so hofft der Umweltpädagoge, könnten auf dem 6. Marburger Bildungsfest vom 13. bis 16. Juni auf den Lahnwiesen präsentiert werden.

von Till Conrad

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