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Für Vaupel hat die Gesundheit Vorrang

Rücktrittsankündigung Für Vaupel hat die Gesundheit Vorrang

Überraschung, Respekt,Wahlkampf-Strategien und Kritik: Der angekündtigte Rücktritt von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) versetzt die Kommunalpolitik in Aufregung.

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Stationen einer Amtszeit: Mit dem Dalai Lama und dem DVAG-Gründer Professor Reinfried Pohl, Hoch über den Dächern von Marburg, im Interview und als Debattenredner im Parlament, als Laiendarsteller, auf einem SPD-Parteitag, nach seiner Wahl 1997 mit Ehefrau Rita und bei der Eröffnung des Elisabethmarkts 2010.

Quelle: Fotos: Richter (6), Weigel (1), Hirsch (1), Waldinger (1); Montage: Richter

Marburg. Vaupel erklärte am Freitag, dass er sein Amt zum 1. Dezember 2015 niederlegen wird. Er habe seine Versetzung in den Ruhestand zu diesem Zeitpunkt beantragt. Vaupel wird am 15. November 2015 65 Jahre alt.

Der gelernte Finanzbeamte Vaupel war seit 1. Dezember 1997 Bürgermeister. Als Nachfolger von Dietrich Möller wurde er 2005 in der Direktwahl zum Oberbürgermeister gewählt; 2011 wurde er mit 60 Prozent aller Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt.

Amtsmüde sei er nicht, sagte Vaupel am Freitag, aber die Bürger in Marburg hätten ein Recht auf 150-prozentigen Einsatz. Den könne er nach seinem Herzinfarkt vor fast genau einem Jahr nicht mehr leisten. Er habe eine Entscheidung treffen wollen, solange er sie noch selbst treffen kann.

Direktwahl wohl noch vor den Sommerferien

Das Stadtparlament muss nun einen Termin für die Direktwahl von Vaupels Nachfolger oder Nachfolgerin festlegen. Die Hessische Gemeindeordnung schreibt vor, dass der frühestens sechs, mindestens drei Monate vor Freiwerden der Stelle stattzufinden hat - also zwischen dem 1. Juni und dem 1. September 2015. Am wahrscheinlichsten ist ein Wahltermin vor den Sommerferien.

„Ich bin überrascht und erschrocken“, sagt Dietmar Göttling, Fraktionschef der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung. 17 Jahre habe er mit Vaupel - „er war und ist ein guter Oberbürgermeister“ - erfolgreich zusammengearbeitet. Der „spontane Rücktritt setzt uns aber unter Druck“, da nun bereits der Wahlkampf beginne, man sich personell wie inhaltlich aufstellen müsse. „Klar ist, dass wir Rot-Grün fortsetzen wollen und hoffen, dass die SPD einen Nachfolger findet, der das genauso sieht.“

Für den SPD-Fraktionschef Steffen Rink war der angekündigte Rückzug Vaupels keine Überraschung. „Das trifft uns nicht unvorbereitet“, sagte er. „Der andauernde Stress muss auch bei einem Arbeitstier irgendwann zu Ende sein“, sagt Sören Bartol, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands.

„Ich schätze ihn menschlich, hoffe, dass er keine akuten gesundheitlichen Probleme hat“, sagt Mathias Range, Parteichef der CDU. Die Partei sei von Vaupels Schritt „überrascht, aber auf diesen nicht unvorbereitet“, sagt er. Auf einer Klausurtagung am Wochenende wollen die Konservativen einen Zeitplan und inhaltliche Schwerpunkte für den nun beginnenden Wahlkampf festlegen. Einen Kandidaten werde die Parteispitze am Wochenende noch nicht vorschlagen. Range geht davon aus, dass ein Nominierungsparteitag Anfang 2015 stattfinden wird.

Köster (Linke): Kein guter Tag für Marburg

Betroffen zeigte sich Henning Köster (Linke): „Das ist keine gute Nachricht für Marburg. Und dass der Tag so plötzlich kommt, dafür reichte unsere Fantasie nicht aus“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Marburger Linken. Er respektiere die Entscheidung, der Gesundheit den Vorrang zu geben, sorge sich aber um die Lösung der künftigen Probleme. „Öffentlicher Nahverkehr, Oberstadt, Wohnraum: Zu beneiden ist ein Nachfolger nicht.“

Für Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) kommt der Rücktritt „nicht wirklich überraschend“. Sie habe „großen Respekt davor, dass er nach schwerer Erkrankung schnell wieder in den Ring gestiegen“ sei. In den letzten Monaten habe sie aber „die politische Souveränität“ Vaupels vermisst.

Der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Christoph Ditschler sagte, Vaupels Schritt zeige „Respekt vor den Bürgern der Stadt, damit ein Nachfolger, gleich welcher politischen Couleur, ab 2016 mit vollem Elan das Amt ausführen kann.“

von Björn Wisker und Till Conrad

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Nach dem Willen des Marburger SPD-Parteivorstands soll Matthias Acker 2015 Oberbürgermeister werden.Foto: Björn Wisker

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