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Für Jugendliche gilt: Weniger ist mehr

Alkohol Für Jugendliche gilt: Weniger ist mehr

In dieser Woche findetdie bundesweite Aktion „Alkohol - weniger ist besser“ statt, an der sich auch das Gesundheitsamt des Kreises beteiligt. Vorrangiges Ziel ist es, Jugendliche zu sensibilisieren.

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Schülerinnen und Schüler der Elisabethschule Marburg bewiesen mit leckeren alkoholfreien Cocktails, dass Drinks auch ohne Alkohol mit Obst sehr gut schmecken.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Wie Dr. Birgit Wollenberg, Ärztin am Gesundheitsamt, berichtete, finde die Aktionswoche zum fünften Mal statt. Das Foyer der Behörde war aus diesem Anlass mit einer Vielzahl an Informationsmaterialien und Broschüren gestaltet. Ziel sei es, so Wollenberg, in erster Linie jungen Menschen zu vermitteln, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol als legalem Genussmittel aussehen soll.

„Auch Erwachsene gehen oft leichtfertig mit ihm um“, betonte die Medizinerin. In Deutschland gebe es etwa eine Million Suchtkranke. Die drei- bis vierfache Zahl an Deutschen würden Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Mengen trinken.

Gesundheitsamt hat Gesamtkonzept entwickelt

Gebe es für Menschen über 18 Jahren dazu Grenzwerte, maximal 24 Gramm reinen Alkohol bei Männern, zwölf Gramm bei Frauen am Tag, lägen diese für Kinder und Jugendliche nicht vor. Am besten sei es, wenn sie überhaupt keinen Alkohol trinken würden, hob Wollenberg hervor.

Laut einer Studie konsumierten etwa fünf Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen Mengen, die für Erwachsene schädlich sind. Auf Jungen treffe dies häufiger zu, bei den über 16-Jährigen kämen aber die Mädchen auf die Hälfte. Das Gesundheitsamt hat laut Wollenberg in den vergangenen Jahren ein Gesamtkonzept zur Suchtprävention erarbeitet. Mit zahlreichen Kooperationspartnern gehe man beispielsweise in Schulen und spreche Risikogruppen an.

Arbeitskreis tagt vierteljährlich

Seit den 1980er Jahren habe es bereits eine Arbeitsgruppe gegeben, seit 2003 habe ein Arbeitskreis Suchtprävention die Arbeit intensiviert, sagte dessen Leiterin Gisela Gerken. Der Arbeitskreis trifft sich vierteljährlich und stimmt Gerkens Auskunft nach gezielt neue Maßnahmen ab und tauscht sich aus.

Beteiligt seien unter anderem die Fachdienste des Kreises und der Stadt Marburg, Polizei, die Jugendkonflikthilfe, Eltern- und Schulamtsvertreter sowie der Sportkreis. Zudem sei die Internetseite www.alkohol-prävention.de für weitere Informationen ins Leben gerufen worden.

Kinder und Jugendliche sollen selbstbewusst sein

Lydia Berthold, die für die Fachstelle Suchtprävention der Sucht- und Drogenberatung des Diakonischen Werks Oberhessen im Arbeitskreis vertreten ist, berichtete, dass Kinder und Jugendliche, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, besucht und betreut würden. Die Zahlen seien zwar leicht rückläufig, auch im Landkreis, „aber jeder, der mit Alkoholvergiftung in die Kinderklinik kommt, ist einer zu viel“.

„Ich finde es ausgesprochen gut, dass der Landkreis zusammen mit der Stadt Marburg in Sachen Suchtprävention so gut aufgestellt ist“, lobte Kreisbeigeordneter Klaus Weber (SPD), der die Grüße von Landrätin Kirsten Fründt (SPD) überbrachte. Er hoffe, dass das Problembewusstsein zunehme. Kinder und Jugendliche könnten selbstbewusst genug sein, um sich nicht durch Komasaufen profilieren zu müssen. „Wir wollen es nicht verbieten, aber weniger trinken ist wichtig.“ Weber verwies darauf, dass Projekte, bei denen Gleichaltrige auf die Problematik aufmerksam machen, besser geeignet seien, „als Erwachsene mit erhobenem Zeigefinger“.

Schüler bieten immer neue Aktionen

Ein gutes Beispiel dafür ist das Peer-Projekt der Elisabethschule in Marburg. Dessen Mitglieder hatten leckere alkoholfreie Cocktails bereitet, die zeigten, dass es auch ohne Alkohol mit Obst sehr gut schmecken kann.

Wie die Schülerin Luzie Hegele berichtete, träfen sich Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zwölf regelmäßig in den Mittagspausen. Die Mitarbeit sei freiwillig. Lisa Fach ergänzte, dass es immer wieder Aktionen der Schüler gebe, so hätten sie erst kürzlich siebte Klassen über das Thema Sucht informiert.

Lehrerin Heike Betz wies darauf hin, dass es die Peers an der Elisabethschule bereits seit 13 Jahren gebe, mit großem Erfolg. Gerken betonte, dass es an vielen Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf Präventionsprojekte gibt. Berthold wünschte sich aber noch eine verstärkte Arbeit bei einigen.

von Heiko Krause

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