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Fünfeinhalb und sechseinhalb Jahre für "Michelbacher Spione"

Urteil Fünfeinhalb und sechseinhalb Jahre für "Michelbacher Spione"

Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte das russische Agentenpaar aus Marburg-Michelbach zu einer Haftstrafe von sechseinhalb bzw fünfeinhalb Jahren.

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Stuttgart. Auch am letzten Prozesstag war dem  Staatsschutzsenat des OLG Stuttgart die Identität der Angeklagten unbekannt. Für die fünf Richter unter dem Vorsitz von Sabine Roggenbrod stand jedoch fest, dass es sich bei dem Ehepaar, das zuletzt in Michelbach lebte, um gut ausgebildete und fürstlich bezahlte Spione handelte, die für die KGB-Nachfolgeorganisation SWR arbeiteten.

Gegen Andreas Anschlag, so sein Alibiname, verhängte das Gericht wegen geheimdienstlicher Tätigkeit gegen die Bundesrepublik und den NATO-Partner Niederlande eine sechseinhalbjährige  Freiheitsstrafe, gegen dessen Frau "Heidrun" eine von fünf Jahren und sechs Monaten. Zudem wurde ein sogenannter Wertersatzverfall von einer halben Million Euro angeordnet.

Gericht: Festgenommen zu werden gehört für Spione zum Berufsrisiko

Das Ehepaar soll mehr als 20 Jahre geheime EU-und NATO-Dokumente an den russischen Geheimdienst SWR geliefert haben. Die Beute  lieferte ihnen unter anderem ein inzwischen inhaftierter Niederländischer Diplomat - gegen Geld. Verteidiger der Ex-Marburger erklärten gegenüber der Oberhessischen Presse, dass sie derzeit nicht erwägen, in Revision zu gehen.

Offen bleibt, ob die Verurteilten durch einen Agententausch in die Heimat zurükkehren können. Auch das OLG sprach das Thema in seiner zweistündigen Urteilsbegründung an, den Richtern lägen keine Erkenntnisse darüber vor. Seine Heimat hatte Andreas Anschlag, vermutlich heißt er tatsächlich Alexander, vor mehr als 25 Jahren verlassen, um mit gefälschtem österreichischen Pass und angeblich südamerikanischer Herkunft in Deutschland zu spionieren.

Auch seine Frau - Olga soll sie wirklich heißen - sei damals mit Mitte 20 in den Westen gegangen. Die Motive blieben dem OLG verborgen, so die Vorsitzende Richterin. Es sei ein besonderer Prozess gewesen, weil sich einerseits die Beweislage nach und nach verdichtet hätte anderseits aber die Identität der Angeklagten unbekannt sei.

Das Gericht betonte, dass es zum Berufsrisiko von Agenten gehöre, gefangen genommen zu werden. Das Ehepaar sei von seiner Zentrale in Moskau mehrmals gewarnt worden, dass eine Enttarnung anstehe. Die Spione hätten "aussteigen" können, der Kalte Krieg sei längst vorbei, so die Richter. Der in der Anklageschrift erhobene Vorwurf der Wirtschaftsspionage konnte nicht nachgewiesen werden.

Ausführlicher Bericht folgt.

Von Anna Ntemiris

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Spionage-Prozess
Die Rechtsanwälte Peter Thiel und Nadine Nitz unterhalten sich in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Stuttgart mit der Angeklagten Heindrun Anschlag (Deckname).

Im Prozess gegen das Ehepaar, das vom Marburger Ortsteil Michelbach aus für den russischen Geheimdienst spioniert haben soll, geben sich die Auslandszeugen die Klinke in die Hand.

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