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Fünf Wege zu bezahlbarem Wohnraum

Kreis sucht Lösungen Fünf Wege zu bezahlbarem Wohnraum

„Wohnraum schaffen“ klingt in Zeiten des demografischen Wandels schon etwas gewöhnungsbedürftig. Aber er wird benötigt. Die Fragen sind nur, wie viel und für wie lange. Das verlangt nach einer cleveren Antwort.

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Quelle: Grafik: Nicola Ohlen

Marburg. Nicht erst die Zuweisung von Flüchtlingen in den Landkreis Marburg-Biedenkopf hat das Thema auf die Agenda gebracht, aber sie hat das Thema um so dringlicher gemacht: die Suche nach attraktivem und bezahlbarem Wohnraum für alle Menschen.

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow weiß, „dass es drängt, Lösungen anzubieten“. Nicht nur Privatpersonen, auch der Landkreis selbst, der sich um die Unterbringung von Flüchtlingen kümmern muss, kann sich anzumietende Räume nicht gerade aus einem Pool aussuchen. „Schon jetzt ist der Landkreis, weil er auf Wohnraum angewiesen ist, in einer ungünstigen Nachfrageposition. Er ist gezwungen, langfristige Verträge und hohe Tagessätze zu akzeptieren.“

"Völlige Unberechnebarkeit"

Gleichzeitig weiß Zachow aber auch, dass sich die Lage schon in wenigen Jahren wieder so sehr entspannen kann, dass dann zu viel Wohnraum vorhanden ist. „Angesichts der völligen Unberechenbarkeit hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung und des tatsächlichen Verbleibs der Flüchtlinge soll von festen Bauten in Beton weitestgehend abgesehen werden.“ Der Kreis soll ebenso wenig gezielt Altbauten sanieren. „Dafür sollen Kommunen und private Investoren stärker motiviert werden.“ So bleibt eigentlich nur eine Lösung: die modulare Bauweise. „Die Modul-Apartments sind schnell zu fertigen und lassen sich bei Bedarf an andere Orte verlagern und passen sich bei ansprechender Gestaltung gut ins Stadt- oder Dorfbild ein.“

Für alle, die jetzt die Stirn in Falten legen, sagt Zachow: „Die Module haben eine Qualität, die mit Containern nichts mehr zu tun haben, sondern nachhaltig auch von Studenten und Familien genutzt werden können.“ Die Planungs- und Nutzungsperspektive müsse daher über den Zeithorizont von fünf bis zehn Jahre hinausreichen. Ein fertiges Konzept liegt noch nicht in der Schublade, wohl aber einige Vorschläge zur Umsetzung, die jetzt diskutiert werden sollen. So stellte es Zachow jedenfalls schon mal den Mitgliedern des Kreistages vor. Damit wollte er auch einem Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen begegnen, die den Kreisausschuss damit beauftragen wollte, ein Konzept für eine Beteiligung an einer Bau- und Siedlungsgenossenschaft oder einem Kapitalunternehmen des sozialen Wohnungsbaus vorzulegen. Den Grünen schwebt dabei auch eine Zusammenarbeit als Zweckverband vor. Allein ihr Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, weil die Koalition aus SPD und CDU es für ausreichend erachtet, wie der Erste Kreisbeigeordnete das Thema angehen will. Er stellt zunächst fünf Optionen vor, die ergebnisoffen auf Vor- und Nachteile untersucht wurden und als Lösungsmöglichkeiten angeboten werden. Die bereits gegründete „TaskForce“, also eine besondere Arbeitsgruppe, erarbeitet laut Zachow ein Konzept, in dem steuerliche und rechtliche Aspekte sowie Finanzierungsfragen aufgearbeitet werden.

"Wohnraum für alle"

„Denkbar wäre, ein solches Projekt interkommunal mit einer oder zwei Kommunen zu starten, die bereits eigene Bauaktivitäten angedacht haben“, führt Zachow aus. Dann stellt er nochmals heraus: „Bei allen Szenarien muss bedacht werden, dass es nicht nur um Wohnraumbeschaffung für Flüchtlinge geht, sondern darum, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen, besonders für Benachteiligte.“ Die Grünen sind mit der Ablehnung ihres Antrags in der jüngsten Kreistagssitzung nicht aus dem Thema raus. Im Gegenteil, die Begründung des Antrags durch die Fraktionsvorsitzende Sandra Laaz zeigte, dass sich die Grünen schon weitgehende Gedanken gemacht haben, welche Punkte das Konzept beinhalten und berücksichtigen muss. Und so weit liegen die Vorstellungen auch gar nicht auseinander.

So sagte Laaz unter anderem: „Es macht Sinn, bewusst mit einem etablierten Unternehmen des Wohnungsbaus beziehungsweise einer Bau- und Siedlungsgenossenschaft zusammenzuarbeiten, die bereits im Landkreis tätig sind, um vorhandenes Know-how, bestehende Erfahrungen und Strukturen zu nutzen und optimal einzusetzen.“ Zachow macht deutlich, dass nicht ewig diskutiert werden sollte, weil die Zeit drängt: „Es muss nach Optionen gesucht werden, wie man bei diesem Thema in die Offensive kommen kann“, so der Erste Kreisbeigeordnete.

von Götz Schaub

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