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Führerschein für Fiffi

Hintergrund Führerschein für Fiffi

Sich einen Hund zu kaufen - das geht schnell. In den Augen von Sabine Bernsee fast schon zu schnell. Sie plädiert für die Einführung eines „Hunde-Führerscheines“ - wie er in anderen Städten und Bundesländern bereits Pflicht ist.

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Hunde sindLuxus. Das sagt zumindest Sabine Bernsee. Und die 52-Jährige liebt Luxus. Sie lebt mit drei Hunden unter einem Dach. Zwei weitere hat sie zur Pflege. Geht sie aus dem Haus, folgen ihr 20 Hundepfoten auf Schritt und Tritt. Zahlreiche Augenpaare sowieso. Die 52-Jährige und ihre Hundeschar ziehen die Blicke auf sich, wenn sie durch die Straßen gehen. Alle brav nebeneinander. Alle unaufgeregt. Alles eine Frage der Erziehung, ist sich Sabine Bernsee sicher. Sie versucht Hundehalter davon zu überzeugen, dass mit jedem Hund - egal ob groß oder klein - am Grundgehorsam gearbeitet werden muss. „Auch ein Chihuahua hat ein Gebiss und kann ein Kind für immer zeichnen“, sagt sie bestimmt. Als Hundetrainerin setzt sie sich für die bundesweite Einführung eines Hundeführerscheins ein.

"Hund und Herrchen müssen die Nerven behalten"

Eine Hürde für die, die sich unbedacht einen Hund anschaffen. Eine Art Versicherung für diejenigen, die den Hundeführerschein bestehen und vorweisen können. Manche Hundeversicherungen geben schon jetzt Rabatte auf einen solchen Nachweis, manche Städte Prozente auf die Steuer. „Der Halter erhält durch einen solchen Nachweis mehr Sicherheit - der Hund mehr Freiheit“, ist sich Bernsee sicher. Der Hundeführerschein besteht aus einem Theorieteil für den Halter und einem Praxisteil für Hund und Halter. Beides bedarf Einsatz, Übung und Geduld. Voraussetzungen, die ein Hundehalter ohnehin mitbringen sollte. „99,9 Prozent der Menschen brauchen in ihrem Leben keinen Hund. Es ist ein Luxus-Spaß-Objekt“, sagt die Hundetrainerin. Eines, das den Alltag bereichern - bei fehlender Erziehung aber auch erschweren kann. „Wichtig ist, dass der Halter weiß, wie er seinen Hund durch die unterschiedlichen Situationen führen kann.“ Ob überfüllte Fußgängerzone oder warten vor einem Geschäft. Hund und Herrchen müssen beide die Nerven behalten. Und das funktioniert nur mit viel Training. „Als Hundehalter habe ich dafür zu sorgen, dass mein Hund alle Dinge kennt, die ihn erwarten können und dass er klüger ist als seine Umgebung.“ Leichter gesagt als getan. „Viele Menschen sind nicht mit Tieren aufgewachsen.“ Reagieren mit übertriebener Angst oder - das andere Extrem - fehlender Distanz. Hier mal eine ausgestreckte Hand, die sich ungefragt im Fell verkriecht, da mal ein Regenschirm, der direkt vor der Hundenase aufgespannt wird. „Selbst wenn der Hund „nur“ als Familienhund angeschafft wurde, ist es ein umfangreicher Job, den er zu leisten hat“, so die Hundetrainerin. Spielpartner, Sportfreund, Alltagsbegleiter aber nicht Alltagsstörer - all das soll er sein, der Vierbeiner.

"Der größte Fehler ist, den Hund zu vermenschlichen"

Bei dem Zusammenspiel zwischen Hund und Herrchen ist laut Bernsee klar, wer den größeren Teil zum Erfolg beiträgt: „85 Prozent kommen vom Leinenträger, 15 Prozent vom Hund. Während die studierte Theologin und Pädagogin erzählt, drängt sich Pflegehund „Dackel“ förmlich auf. Stupst, schleppt alle Spielzeuge an, die er finden kann, kämpft um ein Fünkchen Aufmerksamkeit. Sabine Bernsee bleibt unerbittlich. Der junge Hund muss lernen, sich zurückzunehmen. Die Trainerin leint ihn an. Gibt ihm ein Spielzeug.

„Wer einen Hund erzieht, der kann den Kaiser von China zu Besuch haben. Der muss sich einfach kümmern“, sagt sie entschuldigend. Sie gibt klare Kommandos. Kein unnötiges Wort. Sie lobt, wenn der kleine Dackel etwas richtig gemacht hat. Sie weist ihn zurecht, wenn sein Verhalten es erfordert. „Der größte Fehler ist, den Hund zu vermenschlichen. Viel mit dem Tier zu reden schafft zwar eine gute Stimmung aber es hat keinerlei Lerneffekt.“

Und genau darum soll es gehen. Lernen. Ein Team bilden. Den Hund als Begleiter sehen. Ihn fordern. „Es soll keine ‚Ich -schmuse-dich-wenn-ich-Zeit-habe-Beziehung‘, sondern eine partnerschaftliche Leistung sein“, so die Pädagogin. „Ein Hund muss innerhalb gewisser Regeln wissen, wie er leben kann.“ Grenzen, die manchmal vom Gesetzgeber, manchmal von der Umgebung, immer aber vom Hundehalter gesteckt werden müssen.

Hintergrund:

  • Der Hundeführerschein dokumentiert, dass der Halter den Hund im Alltag unter Kontrolle hat. In der Prüfung müssen die Hundehalter diverse Fragen über gesetzliche Regelungen oder die Haltung von Hunden beantworten. Außerdem werden Hund und Halter in typischen Alltagssituationen geprüft. Sabine Bernsee bereitet in ihren Kursen auf diese Prüfungen vor. Weitere Infos unter www.hundeschule-marburg.de
  • In Niedersachsen gilt die Pflicht eines Sachkundenachweises seit Juli 2013. Alle, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen, müssen eine Prüfung ablegen. In Hessen steht zur Debatte, ob Hundehalter künftig eine am Führerschein angelehnte Prüfung ablegen sollen.

von Marie Lisa Schulz

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