Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Frust mit Frischluft bekämpfen

Winterdepression Frust mit Frischluft bekämpfen

Bleierne Müdigkeit, lähmende Antriebslosigkeit. Der Blick aus dem Fenster zieht die Laune nach unten. Stockduster. Mal wieder. Dr. Karsten Conrad verrät, wieso Sonnenlicht die beste Medizin gegen Winterdepressionen ist.

Voriger Artikel
„Größere Schlagkraft durch vereintes Handeln“
Nächster Artikel
"Marburg ist Stück Heimat gewesen"

Manchmal ist Schummeln nicht nur erlaubt sondern unumgänglich. Im Winter kann die Laune durch ein paar einfache Tricks gesteigert werden. Dafür muss dem Körper jedoch „Sommer“ vorgespielt werden. Keine Angst. Bikini und Badehose können im Schrank bleiben

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Blick geht Richtung Himmel: Kranichschwärme ziehen vorbei. Und in der Brust sitzt wieder dieses schwere Gefühl. Ist das etwa Neid? Auf einen Vogelschwarm? Ja, irgendwie schon. Denn die Kraniche fliegen über Winter gen Süden. Dorthin, wo es warm, hell und bunt ist. Nicht so trostlos, dunkel und kalt wie hier. Wüsste Dr. Karsten Conrad, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, über diese Gedanken Bescheid - er würde besorgt die Stirn runzeln. Antriebslosigkeit, Müdigkeit, ein verstärkter Hunger auf Kohlenhydrate? Keine Seltenheit in den Wintermonaten.

„In Fachkreisen wird diskutiert, ob es normal ist, dass man im Winter weniger Aktivitäten entwickelt und in der warmen Höhle bleiben will“, verrät er. Fast so, als versuche der Körper so wenig Energie wie möglich zu verwenden. Eine Art „Kleiner Winterschlaf“. Von einer echten Depression spricht er noch lange nicht. Eher von einer „saisonal abhängigen Depression“ (SAD). Einer Winterdepression, wie der Volksmund sagt.

Gute Erfahrungen mit der Lichttherapie

Bei leichter, immer wieder zur Winterzeit auftauchender Antriebslosigkeit rät Conrad zu einem einfachen, aber effektiven Stimmungsaufheller. „Wir haben gute Erfahrungen mit der Lichttherapie gemacht“, so der Neurologe. Bei dieser Form der Therapie sollte kurz nach dem Aufstehen und kurz vor dem Einschlafen in eine spezielle Lichtquelle geschaut werden. Jeweils bis zu einer halben Stunde. Aufwendig, aber wirksam, wie Konrad versichert.„Das weißfluoreszierende Licht umfasst das volle Lichtspektrum“, so der Neurologe. Durch die gezielte Lichttherapie wird die Ausschüttung des Hormons Melantonin gebremst. Dieses kann Schuld daran sein, dass die innere Uhr im Winter plötzlich auf „dauermüde“ gestellt ist. Der fehlende Sonnenschein führt zu einer Störung des Melatoninhaushaltes. Dieses Hormon schüttet unser Körper vor allem nachts aus. In den lichtarmen Monaten baut der Körper das überschüssige Melatonin tagsüber nicht ausreichend ab. Die Folge: Der Mensch bleibt müde und antriebsarm, das hormonelle Gleichgewicht im Gehirn gerät durcheinander.

Durch die Lichttherapie wird jedoch der Botenstoff Serotonin, der auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird, gebildet. Es wirkt antriebssteigernd und beeinflusst das Wohlbefinden und den Schlaf. Nur wenn eine Depression ausschließlich auf Lichtmangel und Störung der Inneren Uhr zurückzuführen ist, spricht man von einer saisonal abhängigen Depression.

Spaziergänge bei Sonnenlicht sind die beste Hilfe

„Die natürlichste Lampe haben wir aber am Himmel“, erklärt Dr. Karsten Conrad. Kleine Spaziergänge im Sonnenlicht seien noch immer die wirkungsvollsten Stimmungsaufheller.

Ein bisschen Sonnenlicht, tiefer Blick in das künstliche Licht der Therapie-Lampe, schon ist die vorher so schwere Stimmung wieder verflogen? Kann es so einfach sein?

Kann ja, muss es aber nicht. Denn auch Dr. Karsten Conrad weiß: Manche Gemütsverstimmung, die durch die kalten und dunklen Wintermonate noch verstärkt wird, kann auch zu einer ausgewachsenen Depression reifen. Und dann gilt es, sich professionelle Hilfe zu suchen. „Wir greifen ein, wenn jemand richtig krank ist. Eine Depression kann sich durch Freud- und Interessensverlust oder absolute Hoffnungslosigkeit äußern.“

Umfrage: Was macht Herbst und Winter trotzdem schön?

Manfred Holst

Manfred Holst

Quelle:

 Manfred Holst, Dipl. Supervisor und Theologe: „Wenn die Kleidung richtig angepasst ist, kann man wunderbar die frische Luft genießen. Mein Tipp: Viel bewegen. Und zwar an der frischen Luft. Wenn man viel im Haus bleibt, hat man eher das Gefühl, dass alles negativ ist.“

Saira Hassan

Saira Hassan

Quelle:

Saira Hassan (21),Studentin der Orientwissenschaft:  „Ich mag die Farben im Winter. Generell bin ich keine Frostbeule und ziehe mich wärmer an. Außerdem sitzt man in den Wintermonaten mehr zusammen und redet intensiver. Ich freue mich schon auf Weihnachten und die besondere Stimmung.“

Helga Herwig

Helga Herwig

Quelle:

Helga Herwig (67):  „Ich liebe die Wintermonate. Ganz besonders die Tagen, an denen sich langsam der Nebel lichtet oder die Frosttagen, wenn sich Raureif bildet – das ist einfach zauberhaft. Wenn der erste Schnee fällt,  werde ich immer zum Kind. Ich könnte mich einfach drin wälzen.“

von Marie Lisa Schulz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr