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Früheren Freund mit Waffen bedroht

Wegen Schulden Früheren Freund mit Waffen bedroht

Weil er Schulden von rund 400 Euro nicht hatte begleichen können, erhielt ein junger Mann Besuch von zwei maskierten Männern, die ihn mit Gewalt zur Herausgabe von Schuldenersatz zwangen.

Marburg. Mit Baseballschläger und Bolzenschneider bewaffnet verschafften sich zwei 27 und 28 Jahre alte Männer aus dem Nord- und Südkreis im September vergangenen Jahres Zutritt zu der Wohnung ihres Opfers. Der Grund: Knapp 400 Euro hatte einer der Täter an den Geschädigten, seinen ehemals besten Freund, verliehen. Das Geld versuchten die Angeklagten mit Waffengewalt und Drohungen zurückzuholen.

Mit einem Ersatzschlüssel konnten die Männer an diesem Morgen in die Wohnung gelangen. Maskiert mit Sturmhauben überraschten sie den unwissenden Bewohner, der schlafend im Bett lag. Lautstark verlangten die Eindringlinge die Herausgabe des Geldes, schüchterten ihr Opfer gezielt ein. Da dieses nicht in der Lage war, der Forderung nachzukommen, nahmen die Täter planmäßig verschiedene Wertgegenstände aus der Wohnung an sich, darunter ein Laptop sowie eine Spielkonsole, und packten die Beute als „Pfand“ in eine mitgebrachte Tasche. In einem günstigen Moment gelang dem Geschädigten die Flucht. Bei einem Nachbarn alarmierte er die Polizei.

Während der Suche nach der Beute festgenommen worden

Noch während beide Täter getrennt das Haus verließen, warf einer der Männer die Tasche mit der Beute jedoch in ein nahegelegenes Gebüsch und verließ das Grundstück. Der zweite Angeklagte, früherer Freund des Opfers, entschied sich zu bleiben und suchte nach dem Diebesgut - mit der Absicht, die Geräte dem Besitzer zurückzugeben, betonte der 28-Jährige vor Gericht. Dabei wurde er von Polizeibeamten festgenommen. Noch vor Ort hätten sie sich eines Besseren besonnen und die Beute nicht mitgenommen, gaben beide Männer vor Gericht an. „Es war eine Dummheit, so etwas wird nie wieder vorkommen“, entschuldigten sie sich bei dem Geschädigten.

Auslöser des Ganzen seien die wiederholten Schulden des Zeugen gewesen, erklärte der Drahtzieher des Überfalls. Seit zwei Jahren würde sich der ehemalige Freund regelmäßig Geld von ihm leihen, es nie zurückzahlen sowie unangekündigt und mittlerweile unerwünscht im Haus der Familie auftauchen. „Es ging einfach nicht mehr“, so der Angeklagte.

Neben dem Eintreiben der Schulden wollte er den früheren Kumpel einschüchtern, ihm klar machen, dass er ihn in Ruhe lassen solle. „Ich wollte ihm nicht schaden oder ihn verletzen“, betonte der 28-Jährige. Sein Komplize habe sich nur aus Gefälligkeit an dem Überfall beteiligt. An die Tat selbst könne er sich nicht mehr erinnern, jedoch habe er sich noch ruhig und freundschaftlich mit den Geschädigten unterhalten, ihm den Grund des Überfalls erklärt. Während sein Mittäter die Beute einpackte, sei er sogar „in aller Ruhe mit dem Opfer vor das Haus gegangen, um eine zu rauchen“, beschrieb der Angeklagte die Situation.

Opfer hatte Angst und floh fast panisch

Dies sah das Opfer völlig anders. „Ich wollte nur noch raus, ich hatte Angst“, berichtete der Zeuge. Er sei fast schon panisch geflohen, als sich die Gelegenheit bot, um vor den bewaffneten, maskierten Männern wegzukommen. Wahr sei jedoch, dass sein ehemaliger Freund zum Tatort zurückkehrte, die Tasche suchte und beide Täter den eintreffenden Polizisten die Beute noch zeigten. Die Entschuldigung der beiden Angeklagten nahm er an, bedauerte ebenfalls, dass „Geld die Freundschaft zerstört hat“.

Der Vorfall stehe „knapp an der Grenze von Einbruchdiebstahl und räuberischer Erpressung“, betonte Amtsanwältin Tina Grün in ihrem Plädoyer. Die Tat wurde im Vorfeld klar geplant, fand unter Beteiligung von potentiellen Waffen im „schützenden Bereich“ einer Wohnung statt. „Diese Selbstjustiz geht gar nicht“, machte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft deutlich.

Dies sah Strafrichterin Dr. Antonia Wetzer ebenso und verurteilte den Drahtzieher der Tat wegen „Nötigung in Mittäterschaft“ zu drei Monaten, den bereits vorbestraften Komplizen zu vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Darüber hinaus haben beide je 3000 Euro Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen. Die Tat sei keinesfalls harmlos, sondern zeuge von „erheblicher krimineller Energie“ und sei nur knapp an dem Straftatbestand des Raubes vorbeigeschrammt, stellte die Richterin klar.

von Ina Tannert

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