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Früher im "Fliegenstall" übernachtet

Nobelpreisträger Jules Hoffmann in Marburg Früher im "Fliegenstall" übernachtet

Medizin-Nobelpreisträger Professor Jules Hoffmann (Straßburg) besuchte gestern seine ehemalige Wirkungsstätte an der Marburger Universität.

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Medizin-Nobelpreisträger Jules Hoffmann (Zweiter von links) begab sich gestern mit (von links) den Professoren Ulrich Steinhoff und Michael Lohoff sowie Eberhard von Löw vor seinem Vortrag auf einen Stadtrundgang.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Im Jahr 2011 bekam der französische Wissenschaftler Jules Hoffmann zusammen mit einem US-Forscher den Medizin-Nobelpreis für seine erfolgreiche Erforschung des Mechanismus, mit dem Immunzellen Moleküle von Erregern abwehren können. Hoffmann entdeckte Rezeptorproteine, die Bakterien und andere Mikroorganismen bei ihrem Eintritt in den Körper erkennen und die erste Verteidigungslinie des Immunsystems aktivieren können. Entscheidende wissenschaftliche Grundlagen für seine spätere Karriere legte er auch in Marburg - und zwar in seiner Zeit als „Postdoc“ nach der Doktorarbeit, die er in der Arbeitsgruppe des Biochemikers Professor Peter Karlson an der Philipps-Universität verbrachte. Dieser Forschungsaufenthalt habe ihm die Augen für ein ganz neues Forschungsfeld geöffnet und er sei zu vielen Ideen gekommen, sagte Hoffmann gestern im Gespräch mit der OP in Marburg.

Bei einem Stadtrundgang frischte Hoffmann gestern mit den Marburger Professoren Michael Lohoff und Ulrich Steinhoff gestern alte Marburg-Erinnerungen wieder auf. Es war Ende der 70er Jahre, als der heute 73-jährige Forscher rund drei Jahre lang zwischen Straßburg und Marburg pendelte. Untergebracht war er während dieser Zeit in Gästewohnungen des biochemischen Instituts. Er habe damals gewissermaßen „im Fliegenstall“- also direkt neben den Laborräumen - gewohnt, erinnert sich Hoffmann.

Nach wie vor hat Hoffmann auch persönlichen Kontakt zu dem ebenfalls emeritierten Marburger Professor Jan Koolman, der in den 70-er Jahren mit ihm zusammen als „Postdoc“ in Marburg zusammenarbeitete.

Die Erforschungen des Immunsystems der Insekten und besonders der Fliegen war schon damals eines von Hoffmanns Forschungsfeldern. So erforschte er, wie das Blutsystem die Häutung der Insekten beeinflusste. Dann sei es ihm auch darum gegangen, zu verstehen, wie sich die Insekten gegen Erreger verteidigen und wieso viele Insekten resistent gegen Infektionen sind. Im Zuge seiner Forschungsarbeiten entdeckte Hoffmann unter anderem, dass die Abwehrreaktionen bei den „Versuchsfliegen“ mit der Produktion von Antibiotika einhergingen.

Insekten als faszinierendes Forschungsgebiet

Die Charakterisierung von 20 speziellen Molekülen war in einer mehr als zehnjährigen Forschungsarbeit eine wichtige Grundlage für den späteren wissenschaftlichen Erfolg. Hoffmann entdeckte, dass die Immunzellen der Insekten sich der so genannten „Toll-Like-Rezeptoren bedienen. Diese Erkenntnisse übertrugen Hoffmann und zwei amerikanische Wissenschaftler auch auf das menschliche Immunsystem.

Für den aus Luxemburg stammenden Wissenschaftler, der seit rund 50 Jahren in der französischen Stadt Straßburg lebt und forscht, stellen die Insekten ein faszinierendes Forschungsgebiet dar.

„Rund 80 Prozent aller Arten auf der Erde sind Insekten“, erläutert Jules Hoffmann. Zudem seien die meisten Gene, die eine Rolle in der Entwicklung der Menschen eine Rolle spielen, auch bei den Fliegen gefunden worden. Über seine Erforschung des Immunsystems der Fliegen und die Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse berichtete Hoffmann gestern in einem Vortrag im Hörsaal III des Uni-Klinikums auf den Lahnbergen. Die Antriebskraft für seine Forschungen sei übrigens immer die wissenschaftliche Neugier gewesen, sagte Hoffmann im Gespräch mit der OP. Zweitrangig sei es gewesen, ob mit seinen Entdeckungen auch die Entwicklung von wichtigen Medikamenten einhergehen könnte. Dass er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, sieht Jules Hoffmann vor allem auch als besondere Auszeichnung und gleichzeitig als Ansporn für die Vertreter seines Fachs, der Insektenimmunologie.

von Manfred Hitzeroth

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