Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Frühchen vor Erblindung bewahren

Spezialkamera Frühchen vor Erblindung bewahren

Der Einsatz einer neuen Kamera für die Augenuntersuchung soll am Universitätsklinikum in Marburg helfen, eine mögliche Erblindung Frühgeborener noch effektiver zu verhindern.

Voriger Artikel
„Sanierung wird durch Aufschub nicht günstiger“
Nächster Artikel
Hans Treschwig repariert Politiker-Sätze

Im Beisein von Professor Rolf Maier (links) zeigte Augenarzt Volker Besgen die Funktion der neuen Kamera am Modell.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Professor Rolf Maier, Leiter der Kinderklinik, sprach von dem „schwärzesten Kapitel in der Behandlung Frühgeborener“, als er bei der Vorstellung der neuen Technik von Erlebnissen aus den 1940er- und 1950er-Jahren berichtete.

Damals sei entdeckt worden, dass Sauerstoffzufuhr die Überlebensrate zu früh geborener Kinder erheblich gesteigert hat. Tausende der Kinder seien dann aber erblindet. Die Folge: Sauerstoff wurde nicht mehr gegeben „und sie sind wieder gestorben“.

Heute sind wir weiter, hob Maier hervor. Sauerstoff werde sehr dosiert wie ein Medikament verabreicht. Durch diese Sorgfalt habe nur noch ein Prozent der Frühgeborenen ein Risiko.

Die Kamera verbessere deren Chancen nun noch einmal. Und jeder müsse sich vor Augen führen, wie diffizil die Arbeit an den Frühchen ist. „Wir sprechen von Kindern, die nur 1000 bis 1500 Gramm wiegen“.

Spender beteiligen sich an der Finanzierung

„Wir haben lange gespart“, sagte Maier. Fast 80000 Euro habe die neue Technik gekostet. Möglich gewesen sei die Anschaffung nur durch Spenden, wobei er an erster Stelle den Verein „Menschen für Kinder“ hervorhob, der fast die Hälfte finanziert hat.

Stellvertretend für weitere Groß- und Kleinspender waren für die Roth-Werke aus Buchenau Heike Roth und für die Anneliese-Pohl-Stiftung Arzo und Seda Kurt zu der Vorstellung eingeladen, „damit sie sehen, wofür sie gespendet haben“. Sie zeigten sich beeindruckt von der Vorführung der Kamera.

Schon bisher sei bei allen Frühgeborenen regelmäßig die Netzhaut gespiegelt worden, um etwaige Fehlbildungen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln, berichtete Maier. Der Nachteil sei aber gewesen, dass so nur der Augenarzt etwas gesehen habe.

Mit der Kamera sei es möglich, exakte Bilder zu fertigen. So kann laut Maier der Verlauf dokumentiert und verglichen werden, besser als aus der Erinnerung, und mehrere Ärzte könnten gemeinsam die Bilder auswerten. Augenarzt Volker Besgen ergänzte, dass die Dokumentation auch den Arzt schützt, dem der Vorwurf einer Fehlbehandlung gemacht wird.

„Die Frühgeborenenabteilung ist das Herzstück unseres Unternehmens“, betonte Verwaltungsleiterin Sylvia Heinis. In Marburg dürften auch ganz früh geborene Kinder behandelt werden. „Und wir freuen uns, wenn wir das jetzt noch besser machen können.“

Wie Maier und Besgen erläuterten, könne bei Frühgeborenen ein unkontrolliertes Wachstum der Blutgefäße etwa zur Netzhautablösung und so zur totalen Erblindung führen. Werde das rechtzeitig erkannt, könne eine Laserbehandlung das stoppen, zwar mit einer Sehschwäche als Folge, aber eben keiner Blindheit. Es würden immer alle Frühgeborenen in regelmäßigen Abständen untersucht, „denn das Ziel muss sein, dass der Augenarzt nur schaut und sagt, es ist alles in Ordnung“, sagte Professor Maier abschließend.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr