Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Friedhof soll mehr Wertschätzung erfahren

Barfüßertor Friedhof soll mehr Wertschätzung erfahren

Der alte Friedhof am Barfüßertor ist ein Kleinod, eine grüne Lunge in Marburg. Die Stadt will dafür sorgen, dass er entsprechend gewürdigt wird.

Voriger Artikel
Hat Marburg zu viele Therapeuten?
Nächster Artikel
Kinder im Schatten der Sucht

Das Grab Karl Wilhelm Justis auf dem Friedhof am Barfüßertor: Der Friedhof ist als stadthistorisch interessante Stätte nur wenigen bekannt. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Den Stein ins Rollen hat Anni Röhrkohl gebracht. Auf Initiative der CDU-Sadtverordneten beschloss das Stadtparlament, der Magistrat solle „in geeigneter Form“ auf die besondere stadt- und kulturgeschichtliche Bedeutung des Friedhofes am Barfüßertor aufmerksam machen und Möglichkeiten nutzen, die Aufenthaltsqualität dieses Ortes zu verbessern.

Immer wieder beschweren sich vor allem Anwohner der Oberstadt, der alte Friedhof werde als Hundeklo missbraucht und als erweiterter Schulhof für die angrenzende Schule genutzt, führe ansonsten aber ein Schattendasein.

Dabei hat, so sagt es Anni Röhrkohl, der Friedhof einiges zu bieten: unter anderem die Grabmale des Philosophen und Theologen Christian Andreas Leonhard Creuzer (1768 bis 1844) sowie des Theologen Karl Wilhelm Justi (1767 bis 1846) und anderen Mitgliedern der deutschen Romantik um Savigny und den Brentanos. Karl Wilhelm Justi, einer der größten Söhne der Stadt im 19. Jahrhundert, war Pfarrer an der Lutherischen Pfarrkirche. Er wurde 1793 ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität in Marburg und 1822, nachdem die bisher calvinistische Universität zur protestantischen Universität ausgeweitet worden war, auch ordentlicher Professor für Theologie lutherischer Konfession.

Der alte Friedhof entstand im 16. Jahrhundert auf Anweisung von Landgraf Philipp dem Großmütigen.

Seine Besonderheit: Auf dem Friedhof sind Urnenhainbestattungen, also Bestattungen unter Bäumen möglich, das ist sonst nur auf dem Friehof St. Jost der Fall.

Wie der Sprecher der Stadt, Ralf Laumer, mitteilte, trägt die Stadt allerdings dem steigenden Bedarf an dieser Bestattungsform Rechnung: „Für 2015 ist geplant, am Friedhof Marbach einen Urnenwald unmittelbar angrenzend an die bestehende Friedhofsfläche einzurichten“, teilte Laumer mit. Nur ändert dies nichts daran, dass die kulturhistorische Bedeutung des Friedhofs nur unzureichend bekannt ist, findet Röhrkohl.

Aufgrund des Beschlusses im Stadtparlament will die Stadt nun Hinweistafeln aufbauen. Deren Erarbeitung soll ein „versierter Historiker“ übernehmen, sagte Laumer. Kleiner Wermutstropfen: Sie können erst im kommenden Jahr aufgestellt werden, und auch das nur, wenn das Parlament entsprechende Haushaltsmittel beschließt.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr