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Fricke wirbt für mehr Bürgerbeteiligung

Landratskandidat Fricke wirbt für mehr Bürgerbeteiligung

„Dabei sein ist alles“, sagt Jens Fricke über seine Motivation für die Landratkandidatur. Dass er in dieses Amt gewählt wird, hält er für unwahrscheinlich, aber die Piraten bekämen so die Möglichkeit, im Wahlkampf für ihre Themen zu werben, sagt er.

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Jens Fricke tritt im September für die Piratenpartei zur Landratswahl in Marburg-Biedenkopf an. Der 48-Jährige Familienvater ist in Wallau zu Hause.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Den meisten Kandidaten wird‘s ums Gewinnen gehen, Jens Fricke geht es ums Teilnehmen. „Wir sehen unsere Chancen da schon realistisch“, erklärt der 48-Jährige Familienvater aus Wallau, der nicht damit rechnet, Landrat zu werden. Was nicht bedeutet soll, dass er sich dieses Amt nicht zutrauen würde. „Etwa 1200 Leute arbeiten beim Landkreis - das muss der Landrat nicht alles allein machen“, sagt Fricke halb im Scherz und weist darauf hin, dass die Piraten durch eine Kandidatur vor allem die Chance sähen, sich im Wahlkampf über Bundes- und Landtagswahl-Themen hinaus zu präsentieren.

Und dann gibt es noch einen ganz praktischen Grund, den Fricke für die Kandidatur anführt: Die Landratswahl liegt mit Termin am 8. September zwei Wochen vor Bundes- und Landtagswahl (22. September) - deshalb dürften jene Parteien, die auch einen Landratskandidaten stellen, schon früher Plakatieren. „Wenn wir da nicht dabei sind, hängen alle Plakatwände und Laternenmasten voll und wir finden keinen Platz mehr“, erläutert Fricke, der am Donnerstagabend während der Aufstellungsversammlung der Piratenpartei mit zehn von zwölf Stimmen gewählt wurde. Zusätzlich kandidiert der EDV-Berater, der aktuell als CNC-Fräser in Biedenkopf arbeitet, für den Wahlkreis 12 als Direktkandidat für die Landtagswahl.

Werben für transparente Verwaltungsprozesse

Seit 2009 gehört der 48-Jährige der Piratenpartei an - seit der Kommunalwahl 2011 sitzt er im Kreistag für Marburg-Biedenkopf und sammelt kommunalpolitische Erfahrung. Und er sammelt Ideen dafür, was man alles verbessern könnte. So steht für Fricke nach zwei Jahren im Kreistag fest, dass eine Verwaltungs- und Strukturreform längst überfällig sei. Der Landkreis als Behörde sei verzichtbar, befindet er und macht Vorschläge zu verschiedenen Zuständigkeitsgebieten, die bei den Kommunen aus seiner Sicht gut aufgehoben wären:

„Die Arbeit des Fachbereichs Soziales beispielsweise, die Vermittlung der Langzeitarbeitslosen durch das Kreisjobcenter, das Schulmanagement und auch die KFZ-Zulasssung - das alles sind Dinge, die auch die Städte und Gemeinden in Eigenregie machen könnten.“ Tatsächlich gehöre die Gefahrenabwehr, auch eine Aufgabe, die beim Landkreis angesiedelt ist, auf die Bezirksebene, meint Fricke. „Ich kenne mich damit nicht gut genug aus, aber ich kann mir vorstellen, dass man dieses Thema von Regierungsbezirksebene aus bearbeiten könnte“, sagt er.

Ein weiteres Thema, das Fricke bewegt, sind die Funktionen, die ein Landrat qua Amt noch so erfüllt - er spielt damit beispielsweise auf den Sitz im Verwaltungsrat der Sparkasse Marburg-Biedenkopf an. „So etwas halte ich für fragwürdig .“

Im Wahlkampf der Piraten soll es um Themen gehen, nicht um Köpfe - deshalb spart die Partei auch eine Menge Geld. „Wir verwenden das Werbematerial, das schon bei der Landratswahl im Lahn-Dill-Kreis im Einsatz war“, sagt Fricke über die Plakate. Darauf wirbt die Partei für ihren Landratskandidaten und für unterschiedliche Ziele - ohne Bezug zu Ort und Person. Klassisches Thema für die Piraten ist die Bürgerbeteiligung, hebt Fricke hervor. „Wir brauchen deutlich mehr davon“, betont er und wirbt für transparentere Verwaltungsprozesse. „44 Kommissionen arbeiten für den Kreisausschuss, alle tagen geheim und wer nicht Mitglied ist, erfährt auch nichts“, beklagt der Kandidat, der den Menschen gern mehr Möglichkeiten eröffnen will, um sich mit „klügeren Vorschlägen“ einzubringen. Etwa durch Bürgerfragestunden, für die die Ausschüsse sich öffnen sollten, schlägt Fricke vor. „Denn derzeit müssen die Leute sich an einzelne Parteien wenden, wenn sie sich an einem Prozess beteiligen wollen, und können nicht selbst mitreden."

von Carina Becker

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