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Freunde, die für den Frieden kämpfen

Khaled Osaily und Amnon Orbach Freunde, die für den Frieden kämpfen

Einer der einflussreichsten Männer Palästinas diskutiert am Mittwochabend auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Marburg über Wege zum Frieden in Israel und Palästina.

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Freunde seit 30 Jahren: Der Palästinenser Khaled Osaily (links) und der heutige Marburger Ehrenbürger Amnon Orbach, aufgenommen in den 80er-Jahren.

Quelle: privat

Marburg. Den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde und Marburger Ehrenbürger Amnon Orbach verbindet seit 30 Jahren eine Freundschaft zu Khaled Osaily. Osaily ist einer der führenden Unternehmer in Palästina, Besitzer des Mobiltelefon-Netzes im Westjordanland und engagiert in zahl­reichen Wirtschaftsorganisationen, etwa der Arabisch-Palästinensischen Investmentgesellschaft. Er gilt als erster Anwärter auf den Posten als Ministerpräsident, sollten die palästinen­sischen Gebiete um Hebron und Ramallah einmal unab­hängig werden, erzählt Amnon Orbach.

Wie kommt diese ungewöhnliche Freundschaft zustande? Orbach erzählt, dass er Osaily nach der Besetzung der Westbanks durch Israel einmal in Hebron kennenlernte. Orbach war damals Geschäftsmann und leitete eine Fabrik in Arad in der Negev-Wüste im Süden des Landes, die Styroporummantelungen für Wasserkanister herstellte. Osaily interessierte sich für das Produkt, und Orbach überredete seinen künftigen Geschäftspartner, zusammen mit ihm von Hebron nach Arad zu fahren. Unter abenteuerlichen Umständen – Militärkontrollen waren zu überstehen, das Auto wurde beworfen – erreichten die beiden ihr gemeinsames Ziel, das Geschäft kam zustande. Seitdem sind Orbach und Osaily befreundet.

Entscheidende Grundlage für die Freundschaft ist aber, sagt Orbach, dass Osaily „ein Kämpfer für den Frieden“ ist. Osaily, so schrieb die Wochenzeitung „This Week in Pales­tine“ im August 2014, ist fest davon überzeugt, dass die palästinensischen Kinder und Jugendlichen ein besseres Leben verdienen als eines, das von Krieg und Hass geprägt ist. Er bemüht sich deswegen um den Aufbau einer modernen Infrastruktur für Kinder und Jugendliche in Palästina – Schulen, Kindergärten, Sporteinrichtungen, Kulturzentren. „Junge Leute, die die richtige Erziehung und Ausbildung erhalten, werden keine Terroristen“, erläutert Orbach das Motiv seines Freundes.

Diskussionsveranstaltung am Mittwoch im Rathaus

In den Westbanks gilt Osaily als einer der einflussreichsten politischen Führer. Fünf Jahre lang, von 2007 bis 2012, war er Bürgermeister in seiner Heimatstadt Hebron – wohl eines der schwierigsten politischen Ämter in Palästina, weil sich der israelisch-palästinensische Konflikt hier auf wenigen Quadratkilometern im Stadtzentrum konzentriert (siehe Hintergrund). Von Palästinenserpräsident Abbas wurde Osaily mit der palästinensischen Verdienstmedaille ausgezeichnet. In seine Regierungszeit fällt die Aufnahme der Hebroner Altstadt in die Liste für das Unesco-Weltkulturerbe.

Nächste Woche nun besucht Khaled Osaily im Rahmen eines Europa-Besuchs seinen Freund und die Stadt Marburg – ein Umstand, der Amnon Orbach stolz macht. „Es ist das erste Mal, dass einer der höchsten palästinensischen Führer in Marburg über Frieden in Nahost spricht“, sagt Orbach.

  • Im Historischen Rathaussaal sprechen Orbach und Osaily am Mittwoch ab 19 Uhr auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Ist es möglich, Frieden über Handel und industrielle Produktion in Israel und Palästina zu erreichen?“. Das Gespräch wird moderiert von Professor Dr. Albrecht Fuess vom Centrum für Nah- und Mittelost-Studien.

von Till Conrad

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