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Freispruch im Vergewaltigungs-Prozess

Freispruch im Vergewaltigungs-Prozess

Mit einem Freispruch „mangels ausreichender Beweise“ endete vor dem Marburger Amtsgericht ein Vergewaltigungsprozess. Einem 38-jährigen Biedenkopfer wurde vorgeworfen, seine Ex-Freundin missbraucht zu haben.

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Vor dem Amtsgericht in Marburg wurde gestern das Urteil in einem Vergewaltigungsprozess  gesprochen. Es lautet auf Freispruch.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg.  Das Schöffengericht unter Vorsitz von Nadine Bernshausen schloss in der Urteilsbegründung nicht aus, dass es sich so zugetragen haben könnte, wie in der Anklage formuliert. Letztendlich könne dies wegen vieler Widersprüche
jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann im April 2013, als die 32-Jährige zwei Wochen nach der Trennung noch Möbel holen wollte, sie in seiner Wohnung in einem Biedenkopfer Stadtteil im Badezimmer auf der Waschmaschine vergewaltigt haben. Ihre Familie, die beim Transport helfen wollte und die er nicht ins Haus gelassen hatte, habe draußen gestanden.

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Mutter und Bruder des mutmaßlichen Opfers sagten aus, nichts mitbekommen zu haben. Bereits auf der Hinfahrt sei die Frau angespannt gewesen, als sie aus dem Haus gekommen sei, habe sie „belastet und unter Druck“ gewirkt, so der Bruder.

Polizei: "Sie bat uns, dabei zu sein"

Die 32-Jährige selbst war unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu der Tat vernommen worden. Zuvor hatte sie von einer fünfmonatigen Beziehung berichtet, in der der Mann sie ständig kontrolliert habe. Letztendlich sei sie wegen einer anderen Sache bei der Polizei gewesen, die ihr geholfen habe, den Biedenkopfer zu verlassen. Zwei Beamte bestätigten das. „Sie befürchtete Probleme, weil er ihr auf Schritt und Tritt folgte, deshalb bat sie uns, dabei zu sein.“

Man sei mit der Frau mitgefahren, habe das Nötigste geholt. Ihre Eltern hätten sie dann auf der Polizeistation in Biedenkopf abgeholt und seien dann erneut zu der Wohnung gefahren. Von dort hätten sie wieder bei der Polizei angerufen, der Mann halte ihre Tochter im Haus fest. Das habe nicht gestimmt, vielmehr habe er nur die Eltern nicht hineingelassen, „und das ist sein gutes Recht“, so einer der Polizisten. Zum fraglichen Tatzeitpunkt seien sie nicht gerufen worden, sagten die Polizisten.

Vorwürfe hatte am ersten Verhandlungstag die geschiedene Ehefrau des Mannes erhoben. Auch sie sei sexuell missbraucht worden. Eine weitere Ex-Freundin berichtete von einem sexu­ellen Übergriff. Als sie den Angeklagten verlassen habe, sei sie von ihm geschlagen worden. Dafür, so wurde bei Verlesung der Vorstrafen bekannt, ist der Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

„Die Beweisaufnahme hat ein umfassendes Bild zur Beziehung und dem Umfeld ergeben, aber nicht zu der angeklagten Tat“, stellte Bernshausen fest. Möglicherweise sei der Angeklagte in der Beziehung auch sexuell dominant gewesen.

Zweifel, die zum Freispruch führten

Die 32-Jährige habe berichtet, dass sie in der Vergangenheit ähnlichen sexuellen Vorgängen durchaus auch zugestimmt habe. Wenn es am Tattag zu etwas gekommen sei, könne nicht sicher gesagt werden, dass der Angeklagte gemerkt habe, dass sie es nicht wolle. Widersprüche gebe es auch dabei, ob die Badezimmertür abgeschlossen gewesen sei, der Angeklagte hatte behauptet, es gebe gar keinen Schlüssel, der damalige Vermieter sagte aber aus, das Bad sei bis heute abschließbar.

Klar sei auch nicht, ob der Mann die Frau geschoben oder gezogen habe, und ob ihr Mund zugehalten wurde, oder sie aus Angst nicht geschrien hat. Und weil kein Zeuge irgendetwas  mitbekommen habe, wenn überhaupt nur vom „Hörensagen“, bleibe der Zweifel, der zum Freispruch führen müsse, sagte Richterin Bernshausen abschließend.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Berufung vor dem Landgericht möglich. Staatsanwalt Nicolai Wolf war von der Schuld des Angeklagten überzeugt, er hatte drei  Jahre Haft gefordert.

von Heiko Krause

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