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Frauenthemen sorgen für volles Haus

OB-Wahl Frauenthemen sorgen für volles Haus

Weit mehr als 100 Zuhörer kamen am Donnerstag zur Podiumsdiskussion der Gleichstellungskommission mit den OB-Kandidaten zum Thema Frauen- und Geschlechterpolitik.

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Foto: Florian Gaertner

Marburg. Zwei Kandidaten fielen aus der Reihe und waren auch zum ersten Mal in der Kandidatenrunde dabei. Da war zunächst Marius Beckmann: Der Student kandidiert für die 2004 von dem damaligen „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn gegründete „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ (kurz: Die Partei). Und er bekannte im Nachhinein auf seiner Facebook-Seite, dass es für ihn die erste Teilnahme an einer Podiumsdiskussion war. Mitgebracht hatte Beckmann ein großes pinkfarbenes Baby-Einhorn in Plüsch, das er vor sich auf den Tisch stellte. Zudem hatte er einige flotte Sprüche mit im Gepäck, wobei nicht immer ersichtlich war, welche davon jetzt Satire war und welche ernst gemeint waren. Für Anstoß sorgte er auf jeden Fall bei CDU-Kandidat Dirk Bamberger mit einer Äußerung auf eine Frage rund um spezielle Wohnprojekte. Dabei brachte Beckmann ein „Demenzdorf“ für Demenzkranke ins Spiel, das man doch im Stil der Dorfbenennung des Marburger Umlands „Demenzhausen“ nennen könne. Dass diese Forderung durchaus auf einem ernst gemeinten Pilotprojekt beruhte, schob Beckmann im Nachhinein auch per Facebook nach.

Der zweite „Neue“ in der Runde war Rainer Wiegand (parteilos). Mit seinen meist sehr karg gehaltenen Wortbeiträgen machte der 58-Jährige nicht deutlich, wieso er eigentlich kandidiert.

Noch einmal in einer eigenen „Liga“ spielten sich die Diskussionsbeiträge der vier Politiker der etablierten Parteien ab.

Weitestgehende Einigkeit

Dabei gab es bei ihren Statements zur Marburger Frauen- und Geschlechterpolitik viele Gemeinsamkeiten. So waren sich Dr. Thomas Spies (SPD), Dirk Bamberger (CDU), Dr. Elke Neuwohner (Grüne) und Jan Schalauske (Marburger Linke) einig, dass sexistische Werbung im öffentlichen Raum in Marburg und insbesondere Werbung für das Marburger Großbordell nicht tolerabel sei.

In Sachen Großbordell hofft Spies darauf, dass das in Planung befindliche neue Prostitutionsgesetz der Stadt mehr Rechte für die Kontrolle gibt. Das geplante Gesetz stelle zwar bessere Kontrollmöglichkeiten in Aussicht, gehe aber nicht weit genug, meinte Neuwohner. Es sei unerträglich, dass die Stadt Flächen für Bordelle zur Verfügung stellen müsse, denn Prostitution bedeute Menschenhandel und moderne Sklaverei, meinte Bamberger.

Einig waren sich die vier OB-Kandidaten auch darüber, dass die bestehenden Fördergelder für Anti-Gewalt-Beratungsprojekte nicht gekürzt werden sollten. Die weitere Umsetzung der Frauenförderung war auch allen ein Anliegen. Dabei würden Schalauske und Bamberger vor allem auf die Anregungen der Expertinnen aus der Gleichstellungskommission bauen. Spies würde zusätzlich die Kompetenzen der städtischen Frauenbeauftragten stärken. Es müsse vor allem darum gehen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sagte Neuwohner.

Großes Interesse an Diskussion

Eher auf ein Nebengleis der Frauenpolitik führten die Fragen zur Wohnungspolitik und der Zukunft der Marburger Altenhilfe. Bei letzterem Thema flammte besonders die Debatte um die von Rot-Grün angekündigte Reduzierung von 80 stationären Plätzen im Altenzentrum am Richtsberg wieder auf, ohne neue Erkenntnisse zu bringen.

Auffällig war das große Interesse an der Podiumsdiskussion im vollbesetzten Rathaussaal. Darüber freute sich Marlies Sewering-Wollanek (SPD), die Vorsitzende der Gleichstellungskommission, die sich in Marburg für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen einsetzt. Die Bewerber setzten sich in der zweistündigen Debatte mit Fragen aus den sechs Themenfeldern „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „Frauenförderung“, „Leben im Alter“, „Anti-Gewalt-Projekte“, „Wohnen im Alter“ und „Prostitution“ auseinandersetzen. Die Fragen stellte im Auftrag der Kommission die Coaching-Expertin und Moderatorin Susanne Lucia Parthen. Fast alle Kandidaten hatten ihre „Fangruppe“ mitgebracht. Aber es waren auch eine Reihe von Marburgern da, die neugierig darauf waren, wie sich die Bewerber für den Chefsessel im Marburger Rathaus präsentierten.

von Manfred Hitzeroth

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