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Frauenschläger muss ins Gefängnis

Aus dem Amtsgericht Frauenschläger muss ins Gefängnis

Urteil im Frauenschläger-Prozess: Der gewaltbereite Marburger, der über Jahre hinweg seine Partnerinnen terrorisierte, erniedrigte und verletzte, ist verurteilt worden - Bewährung erhält er keine.

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Der Vorsitzender Richter Dominik Best sagte: „Beziehungen, geprägt von einem Mann à la Dr. Jekyll und Mr. Hyde“.

Quelle: RS / pixelio.de

Marburg. Drei Jahre und acht Monate Haft: Das Schöffengericht verurteilte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen sowie einfacher Körperverletzung in zwölf Fällen, zum Teil in Tateinheit mit mehrfacher Nötigung, Freiheitsberaubung, Nachstellung und Sachbeschädigung.

Richter Dominik Best und die Schöffen folgten demnach fast gänzlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese sah sämtliche verbleibende Anklagepunkte in vollem Umfang als erwiesen an - „eine ungeheure Tatmenge“ betonte Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier.

In den vergangenen Jahren seien die Beziehungen des heute 26-Jährigen von regelmäßigen Auseinandersetzungen und wachsender Gewalt geprägt gewesen. Der „eifersüchtige und aufbrausende Mann verfolgte, bedrohte und misshandelte die Frauen, wenn diese sich seiner Meinung nach falsch verhielten“.

Nichtige Anlässe führen zu heftigen Reaktionen

Bereits vor drei Jahren wurde er zuletzt wegen mehrfacher Beleidigung verurteilt, nachdem er eine seiner Ex-Freundinnen wiederholt beschimpfte. Dem folgten eine „große Vielzahl an Streitigkeiten, die in Gewalt endeten“, so die Staatsanwältin.

Immer mehr brachten auch nichtige Anlässe das sprichwörtliche Fass zum überlaufen - „und das heftig“, urteilte Richter Best. Bis zum Frühjahr 2015 steigerten sich die Ausraster, gipfelten in „schwerwiegenden Übergriffen“, wie massive Schläge, Tritte und anhaltende Würgeattacken.

Zuletzt malträtierte der aggressive Mann seine Ex-Freundin über eine halbe Stunde, stopfte ihr unter anderem scharfkantige, zerrissene Fotos in den Mund, um sie zum Schweigen zu bringen: „Das ist in der Tat schon pervers“, fasste der Richter zusammen. Die gewaltbelasteten Beziehungen seien von einem Mann à la „Dr. Jekyll und Mister Hyde, also jemandem mit zwei Gesichtern“, geprägt worden, sagte Best.

Bis heute könne das Gericht weder Verständnis noch Reue ob seiner Taten an dem Angeklagten fest stellen. Dessen Verhalten sei geprägt von einer realitätsfernen, narzisstischen Ader - „er ist nicht im mindesten kritikfähig oder selbst reflektierend“, betonte auch Nebenklagevertreterin Diana Cosic.

Täter: „Niederträchtige Beschuldigungen“

Dem konnte die Verteidigung nicht viel entgegensetzen. Jede Beziehung des Mannes endete in einem Desaster, er war nicht in der Lage „eine rote Linie zu finden“, steigerte sich in aufkommende Probleme übermäßig hinein, versuchte jedoch auch diese „schnellstmöglich zu lösen“, erklärte Verteidiger Thomas Strecker. Trotzdem seien die eigentlich selbstbewussten Frauen weiterhin bei ihm geblieben, verhielten sich teilweise inkonsequent, so der Anwalt.

In seinem letzten Wort berichtete der Angeklagte erneut über Einzelheiten seines Lebens und dem seiner Meinung nach provozierenden Verhalten der Frauen, die ihm teils ungerechtfertigte Vorwürfe an den Kopf geworfen haben sollen. „So niederträchtige Beschuldigungen habe ich noch nie gehört“, sagte der 26-Jährige.

Den Großteil der Anklagepunkte hatte er während des Prozesses nicht abgestritten, Auslöser und Tatverlauf dabei jedoch anders und zu seinen Gunsten dargestellt, erinnerte Richter Best. Stets gab er den Frauen die Schuld an seinen Ausbrüchen, sah sich selber eher als Opfer und hatte stets eine Erklärung für seine Gewaltexzesse parat.

von Ina Tannert

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