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Frauenschläger muss ins Gefängnis

Häusliche Gewalt Frauenschläger muss ins Gefängnis

Das Amtsgericht hat einen 26-jährigen Marburger zu mehr als einem Jahr Haft wegen Körperverletzungs-, Beleidigungs- und Nötigungs-Delikten verurteilt.

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Quelle: Dieter Schütz, Pixelio.de

Marburg. Da er vor einem Jahr bereits vom Landgericht wegen ähnlicher Vorfälle verurteilt worden ist, muss er insgesamt mehr als drei Jahre in den Knast. Der aktuelle Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Immer wieder sei es, teilweise nur eine Woche nach Gerichtsurteilen, gegenüber Freundinnen zu Ausrastern gekommen. Schläge ins Gesicht, Tritte gegen Brust, Rücken und Beine sowie Würgeangriffe: Zwischen Dezember 2011 und Juli 2012 soll er seine Partnerinnen andauernd misshandelt haben.

Der 26-jährige Straßen-bauer räumte ein, dass es häufiger Beziehungsprobleme und Streits gab, er wütende, beleidigende SMS und Facebook-einträge verfasst habe. An körperliche Gewalt gegen seine Freundinnen konnte er sich nicht erinnern, schwieg zu den Vorwürfen.

Problem für das Gericht: Ein Opfer erschien nicht als Zeugin vor Gericht, das andere Opfer (24) ist mittlerweile mit dem Beschuldigten verlobt. Daher konnte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch machen, sagte also nicht aus. Im Gegenteil: Sie zog sogar ihre Angaben, die sie nach den vermeintlichen Taten bei der Polizei machte, zurück. Darin erzählte sie noch von den gewalttätigen Attacken und ihrer Angst vor den immer wiederkehrenden, alkohl- und drogenbedingten Ausrastern des Angeklagten.

Täter rastet aus

Mehrere Vorfälle konnten aufgrund ihres Schweigens nicht rekonstruiert werden - als Belastungszeuge blieb nur der Vater des Opfers (46), der seine Tochter ins Krankenhaus brachte und dem sie im Sommer 2012 die Übergriffe schilderte. Als der Angestellte seine Tochter, die mittlerweile den Kontakt zu ihm abgebrochen hat, in die Klinik fuhr, drohte der Angeklagte mit Rache wenn die 24-Jährige nicht sofort nach Hause komme. Als sie sich weigerte, randalierte er in der Wohnung, zerschnitt die gesamte Kleidung seiner seit zwei Monaten Verlobten, demolierte Videospielkonsolen, Fernseher, Schränke, Tische. Er soll sogar gedroht haben, „die Familie abzustechen und das Haus abzufackeln“, wie es in der Anklageschrift auf Grundlage eines Handygesprächs heißt.

„Das immerselbe Muster bei dem Beschuldigten: Er schüchtert Frauen ein, beleidigt sie, schlägt und tritt sie“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Gepaart mit den anderen Vorwürfen forderte er, die Gefängnisstrafe von derzeit zwei auf drei Jahre zu verlängern, auf die bestehende höherinstanzliche Verurteilung also eine weitere 16 monatige Haft anzuschließen. Er erinnerte nochmals an das Urteil des Landgerichts, aufgrund dessen der Marburger ohnehin seit zwei Jahren ohne Bewährung in Butzbach sitzt: Damals, bevor er vor Gerich stand, attackierte er seine Ex-Freundin, die im dritten Monat schwanger war - schlug, ihr in den Bauch trat sie, würgte ihren Hals und warf sie die Treppe hinunter.

Die Verteidigung verlange im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, es bei einem zusätzlichen Haftjahr zu belassen. Das Gericht folgte eher der Anklage. Dem Täter wird, so Richterin Nadine Bernshausen zudem im Vollzug eine dauerhafte Suchttherapie verordnet. Grund: Er gilt Psychologen zufolge als extrem alkoholabhängig. Über Monate soll er Schätzungen zufolge täglich mehr als zwei Promille im Blut gehabt haben, was auch Auslöser der andauernden Gewaltausbrüche sei. Eigenen Angaben zufolge trinkt er seit Jugendtagen. Eine Therapie absolvierte er bisher nie.

von Björn Wisker

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