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Frauenrechte zwischen Revolution und Tradition

Weltgebetstag Frauenrechte zwischen Revolution und Tradition

Am 8. März ist Internationaler Frauentag, am 7. März Weltgebetstag. Bei beiden Veranstaltungen stehen die Rechte von Frauen im Mittelpunkt. Und zu beiden Anlässen sind Veranstaltungen im Landkreis geplant.

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Aus Kairo zu Besuch in Marburg: Alice George mit ihren Töchtern Sophia (4 Jahre) und Emily (9 Monate). Die Historikerin, Religionspädagogin und koptische Christin aus Kairo berichtet am Sonntag anlässlich des Weltgebetstags, der in diesem Jahr aus Ägypten kommt, über Frauenrechte in ihrer Heimat.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Der diesjährige Weltgebetstag kommt aus Ägypten, einem Land, das seit der Revolution vor genau drei Jahren nicht mehr zur Ruhe gekommen ist und sich im Umbruch befindet. Nach dauernden Protesten gegen Präsident Mursi und die Muslimbrüder hatte im Juli 2013 das Militär die Macht übernommen. Gewaltsame Auseinandersetzungen, auch Übergriffe auf christliche Kirchen und Einrichtungen, folgten.

Vom 14. bis 15. Januar 2014 wurde in einem Referendum eine neue Verfassung mit 98 Prozent der Stimmen angenommen. Diese stärkt Bürger- und Frauenrechte sowie die Stellung der religiösen Minderheiten, aber auch die Sonderstellung des Militärs, das für die kommenden acht Jahre den Verteidigungsminister ernennen darf.

Bis vor kurzem war auch noch ungewiss, ob Alice George rechtzeitig ein Visum erhalten würde. Doch nun kann die Historikerin, Religionspädagogin und koptische Christin aus Kairo am kommenden Sonntag in Marburg über Frauenrechte in ihrer Heimat berichten. Die evangelische Kirche lädt dazu in Kooperation mit dem Gleichberechtigungsreferat der Stadt Marburg ab 17 Uhr in die Evangelische Studierendengemeinde, Rudolf-Bultmann-Straße 4 in Marburg, ein.

Zuvor wird Alice George einen Workshop „Ägyptisch kochen“ abhalten, der allerdings schon ausgebucht ist. Die fertigen Gerichte sollen den Besuchern angeboten werden, so dass diese eine sehr persönliche, politisch-kulinarische Veranstaltung erwartet.

Alice George will aus ihrem Alltag berichten, von der Rolle der Frau in der ägyptischen Gesellschaft, über weibliche Vorbilder und besondere Frauen in ihrem Leben. Dazu gehören auch ihre Töchter. Sophia (4 Jahre) musste erfahren, wie das Leben ihrer Familie durch die politischen Ereignisse aus der Bahn geworfen wurde. Sie lernte, Demonstrationen und Gewalt eigenständig zu erkennen, denn diese Fähigkeit kann ihr Überleben retten.

Inzwischen, dass hatte Alice George vorab in einem Brief mitgeteilt, hat das Militär die Macht in Ägypten übernommen. „Worüber man politisch diskutieren kann und muss“, sagt sie und erzählt, dass sie wieder das Gefühl habe, ihre Tochter ohne Angst in den Schulbus setzen zu können. Sie könne wieder allein mit ihr nach draußen gehen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen und müsse nicht nachdenken, ob sie nicht doch Kopftücher tragen sollten, um nicht angegriffen zu werden.

Weiter will sie über ihre Mutter berichten. Wie etwa 35 Prozent aller ägyptischen Frauen musste sie als Witwe allein für den Familienunterhalt aufkommen. Und Alice George wird über ihre Schwiegermutter erzählen, die entgegen allen Erwartungen eine Bankkarriere gemacht hat. Sie spricht auch über ihre engagierten Schwestern und über ihre Kusine und deren Freundinnen, die es wagten, auf die Straße zu gehen, um gegen die Mursi-Regierung zu protestieren.

Frauen müssen in der Doppelrolle funktionieren

Diese Frauen werden auch in einem kurzen Film zu sehen und hören sein, den Iteru-Geschäftsführer Sebastian Plötzgen im Januar in Ägypten aufgenommen hat. Alice George ist mit ihrem Mann Michael Zarif, der in Kairo für den in Marburg ansässigen Reiseveranstalter Iteru arbeitet, 2009 bereits einmal hier gewesen. Nun werden beide von ihren Töchtern Sophia und Emily (9 Monate) begleitet, die bei der Ankunft in Deutschland sehr enttäuscht darüber waren, dass kein Schnee lag.

Während der Vorbesprechung mit Pfarrerin Andrea Wöllenstein, Beauftragte für Frauenarbeit im Sprengel Marburg, und Christa Winter, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats der Stadt Marburg, betonte Alice George, das zurzeit mehr Hoffnung unter den Ägyptern herrsche als vor drei Jahren. „Die Menschen fühlen, dass die kommenden besser als die vergangenen Jahre sein werden“, sagte sie und auch ihr Mann sprach von dem Blick in eine hellere Zukunft.

Dass die verschiedenen Religionen Ursache der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen sein könnten, bestreiten beide sofort entschieden. Das Problem liege in Menschen, die Religion missverstehen. Seit 5000 Jahren bilde Religion den Kern des Lebens in Ägypten. Während der Unruhen hätten Moslems Kirchen geschützt, wenn sie hörten, dass Angriffe auf die Gotteshäuser geplant waren, und umgekehrt hätten Kirchen Moslems Zuflucht gewährt.

Für Frauen sei im Moment die ökonomische Herausforderung die größte. Wenn Männer keine Jobs bekommen, sei es für Frauen noch schwieriger. Und es sei auch noch immer keine Frage, dass die Frauen sich in jedem Fall um die Kinder zu kümmern hätten, egal, ob sie arbeiten oder nicht.

Die in Ägypten erst seit 2008 verbotene weibliche Genitalverstümmelung, von der geschätzte 90 Prozent Muslima wie Christinnen betroffen sind, gehe dank guter Arbeit der Nicht-Regierungs-Organisationen weiter zurück, sagte Alice George. Sie erklärte, es sei keine ägyptische oder islamische Erfindung, sondern aus Afrika stammendes Brauchtum. Von deutschen Unterstützern wünscht sich Alice George: „Besucht Ägypten.“ Und ihr Mann betonte, es wäre gut und hilfreich, wenn Frauen Frauen treffen würden. Er hob auch hervor, dass es die Frauen gewesen seien, die die letzten politischen Veränderungen bewirkt hätten. Bei den Demonstrationen hätten sie immer in vorderster Reihe gestanden und beim Referendum die größte Zahl der Teilnehmer gestellt.

Allein reisen im Land der Pharaonen: Ägypter raten davon ab

In einer organisierten Gruppe mit heimischem Leiter zu reisen, sei in Ordnung. Aber im Moment sollte man nicht alleine oder gar als Rucksackreisender in Ägypten unterwegs sein, da alles im Fluss und für Touristen unüberschaubar sei, raten die ägyptischen Gäste.

Die Einheimischen informierten sich, wo sich gerade eine Demonstration bilde und Straßen blockiert seien, sonst könne man in Kairo stundenlang feststecken. Die Veranstaltung mit Alice George steht am Sonntag, 2. März, unter dem Titel „Frauenrechte in Ägypten - Zwischen Revolution und Pyramiden“. Beginn ist um 17 Uhr im Hans-von-Soden-Haus, Marburg, Rudolf-Bultmann-Straße 4 (Evangelische Studierendengemeinde).

Der Weltgebetstag ist eine weltweite Bewegung christlicher Frauen. Er wird jedes Jahr am ersten Freitag im März gefeiert, diesmal am 7. März. „Informiert beten - betend handeln“ lautet dabei das Motto. Die Liturgie für die Gottesdienste kommt jeweils aus einem anderen Land. „Wasserströme in der Wüste“ lautet das von den Frauen aus Ägypten vorbereitete Thema.

Untenstehend listet die OP die Weltgebetstagsgottesdienste in der Region auf. Vielfältige Veranstaltungen sind im Landkreis geplant.

In Elnhausen etwa lebt eine ägyptisch-deutsche Familie, die im Gottesdienst mitwirken wird. Und in Lohra soll es nach dem Gottesdienst ein ägyptisches Buffet geben.

Die ökumenischen Gottesdienste zum Weltgebetstag finden im heimischen Landkreis zumeist am 7. März statt. Falls die Kirchengemeinden ein anderes Datum ausgewählt haben, ist dies in der Übersicht vermerkt. In vielen Orten gibt es im Anschluss an den Gottesdienst landestypisches Essen und ein Beisammensein.

Ostkreis: Amönau, Oberndorf, Warzenbach, 20 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Warzenbach; Betziesdorf, Sindersfeld, 19 Uhr, Kirche Betziesdorf; Bürgeln, Bauerbach, 18 Uhr, Kirche Ginseldorf; Caldern, Sterzhausen, am 28. Februar, 19 Uhr, Kirche Sterzhausen; Cölbe, 19.30 Uhr, katholische Kirche Cölbe; Erksdorf, Speckswinkel, 19 Uhr, Kirche Speckswinkel; Goßfelden, Sarnau, 18 Uhr, Kirche Sarnau; Großseelheim, Kleinseelheim, Schönbach, 18.30 Uhr, Kirche Großseelheim; Josbach, Wolferode, Hatzbach, Halsdorf, Albshausen, Burgholz, Emsdorf, 19.30 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Halsdorf; Kirchhain, 19 Uhr, Martin-Luther-Kirche; Langenstein, Niederwald, 19.30 Uhr, Kirche Niederwald; Neustadt, 19 Uhr, Evangelische Kirche Neustadt; Rauschenberg, Ernsthausen, Anzefahr, 19.30 Uhr, Stadtkirche Rauschenberg; Schönstadt, Schwabendorf, Bracht, 19 Uhr, Kirche Bracht; Schweinsberg, Niederklein, 19 Uhr, Stephanskirche Schweinsberg; Stadtallendorf, 19 Uhr, Katholische Kirche St. Michael; Wohra, Langendorf, Hertingshausen, 19 Uhr, Hofreite Wohra; Amöneburg, Rüdigheim, 19 Uhr, Kirche in Rüdigheim.

Nordkreis: Niederasphe, Simtshausen, Treisbach, 19.30 Uhr, Selk-Kirche Treisbach; Rosphetal- Mellnau, 19 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Göttingen; Wetter, 19.30 Uhr, Stiftskirche Wetter; Wollmar, Münchhausen, 19 Uhr, Kirche Wollmar; Battenberg-Frohnhausen, Eifa, Oberasphe, 19 Uhr, Kirche Frohnhausen.

Marburg Land / Südkreis: Beltershausen, Moischt, Schröck, Wittelsberg, 19 Uhr, Kirche Beltershausen; Cappel, Ronhausen, Bortshausen, 19 Uhr, Paul-Gerhardt-Haus, Cappel; Dreihausen, Heskem, 18 Uhr, Kirche Roßberg, anschließend Bürgerhaus Roßberg; Ebsdorf, 18 Uhr, Evangelische Kirche Leidenhofen; Elnhausen, 20 Uhr, Evangelische Kirche Elnhausen; Fronhausen, 19 Uhr, Evangelische Kirche Fronhausen; Kirchvers, 19 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus; Lohra, Altenvers, Rollshausen, Seelbach, 19 Uhr, Evangelische Kirche Lohra; Michelbach, 19 Uhr, Martinskirche Michelbach; Niederwalgern, Oberwalgern, 19.30 Uhr, Evangelische Kirche Oberwalgern; Niederweimar, 19 Uhr, Evangelisches Gemeindezentrum Niederweimar; Oberweimar, 19 Uhr, Kirche Oberweimar mit anschließendem Abendessen im Gemeindesaal des Pfarrhauses; Rauischholzhausen, Roßdorf, 19 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Rauischholzhausen; Roth, 19.30 Uhr, Kirche in Roth; Weitershausen, Dilschhausen, 14.30 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Weitershausen; Wehrda, 19.30 Uhr, Trinitatiskirche.

Marburg Stadt: Lutherische Pfarrkirche St. Marien, 18 Uhr mit Gospelchor „Joy of life“; Markuskirche, Marbach, 19 Uhr; Matthäuskirche, Ockershausen, Sonntag, 9. März, 10 Uhr; Pauluskirche Marburg, 18 Uhr.

Hinterland: Runzhausen, 19.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus; Herzhausen, 20 Uhr, Evangelische Kirche; Holzhausen, 19.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus (Weiherstraße); Oberhörlen, 19 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus; Biedenkopf, 19 Uhr, Evangelische Stadtkirche; Breidenbach, 19 Uhr, Katholische Kirche; Breidenstein, Wiesenbach, 19 Uhr, Evangelische Kirche Breidenstein; Buchenau, 19 Uhr, Evangelische Kirche Buchenau; Dexbach, Engelbach 19 Uhr, Evangelische Kirche Dexbach; Eckelshausen, Kombach,Wolfgruben, 19 Uhr, Evangelische Kirche Kombach; Quotshausen, Wolzhausen, 19 Uhr, Evangelische Kirche Wolzhausen; Wallau, Weifenbach, 19 Uhr, Evangelische Kirche Wallau.

Ökumenischer Nachmittage zum Weltgebetstag: Mit Ägypten-Vortrag, Kaffee und Kuchen am Donnerstag, 6. März, 15 Uhr, Gemeindehaus Ost, Georg-Voigt-Straße 89, Marburg.

Kindergottesdienst zum Weltgebetstag: Großseelheim, Kleinseelheim, Schönbach, Sonntag, 9. März, 11 Uhr, Kirche Großseelheim; Wollmar, Münchhausen, Samstag, 8. März, 15 Uhr, Kirche Wollmar; Lutherische Pfarrkirche Marburg, Sonntag, 2. März, 10 Uhr; Michelbach, Sonntag, 2. März, und Sonntag, 16. März, Martinskirche Michelbach.

von Manfred Schubert

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