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Frauen übernehmen Chefposten

Karriere Frauen übernehmen Chefposten

Zwei junge Professorinnen sind Direktorinnen im Medizinischen Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Sie schaffen den Spagat zwischen Kind und Karriere.

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Die neuen Direktorinnen und Professorinnen in der Zahnklinik Marburg Nicole B. Arweiler (links) und Heike Korbmacher-Steiner.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Als Dr. Heike Korbmacher-Steiner vor mehr als einem Jahr schwanger wurde, wollte sie ihre Bewerbung für eine Professur und als Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie in Marburg zurückziehen – in dem Glauben, sie hätte jetzt sowieso keine Chance mehr. Doch zu ihrer Überraschung sei ihre Schwangerschaft für die Uni kein Hindernis gewesen. So entschied sich Heike Korbmacher, den Ruf nach Marburg anzunehmen – Rostock und Witten-Herdecke hatten ebenfalls „gerufen“.

Als die Entscheidung feststand, mit ihrem Ehemann und Baby Hamburg zu verlassen, wagte sich Korbmacher erstmals in ihrem Leben eine Auszeit zu nehmen. „Ich habe mich einem Jahr meiner Tochter gewidmet und in der Mutterschaftspause viel überlegt, wie ich die Arbeit in Marburg gestalten kann“, berichtet die ehrgeizige Frau.

Nach dem Abitur in Neuss studierte sie Zahnmedizin in Aachen, arbeitete dann in einer Praxis in Oberhausen. Mit 29 Jahren wurde sie Fachärztin für Kieferorthopädie. Dann arbeitete sie zwölf Jahre in der Uni-Klinik in Hamburg-Eppendorf, zuletzt als stellvertretende Kliniksleiterin. Ihre Habilitation schloss sie 2006 ab, 2007 erhielt sie für ihre Forschungsarbeit zur Gaumennaht den Arnold-Biber-Preis, die größte Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie.

„Ich habe lange überlegt, ob ich in eine Praxis gehen sollte. Ich habe Panik vor Langeweile und Routine“, sagt Korbmacher. Sie entschied sich letztendlich für die Uni, weil „man sich beim Forschen selbst in Frage stellen kann.“ Zudem mache ihr die Lehre und die Zusammenarbeit mit den Studenten Spaß.

Ab Februar will Korbmacher auch eine Behindertensprechstunde einführen. Insbesondere behinderte Kinder mit kieferorthopädischen Problemen bräuchten mehr Zeit als andere Patienten, erklärt sie. Zeit für ihr Kind nimmt sich Korbmacher nachmittags, bevor sie abends zuhause am Schreibtisch weiterarbeitet. „Ab 16, 17 Uhr bin ich für meine Tochter da“, erklärt sie.

Diese Zeit schafft ihre Kollegin Professorin Nicole B. Arweiler, Direktorin der Abteilung für Paradontologie, kaum. Die 40-jährige Zahnärztin lässt ihr fünf Jahre altes Kind von einer Studentin aus dem Kindergarten abholen. „Vor 18 Uhr bin ich nicht zu Hause, 50 bis 60 Wochenarbeitsstunden sind die Realität“, erklärt sie.

Dennoch hat sie gute Erfahrungen mit Kind und Karriere an der Philipps-Universität gemacht. „Das Family Welcome Center hat mir sehr gut geholfen“. Und die kurzen Wege in Marburg seien für die Organisation von Arbeit und Familie von Vorteil. Vor einem Jahr kam Arweiler aus Freiburg, wo sie als Junior-Professorin tätig war, nach Marburg, um die Nachfolge von Professorin Lavinia Flores-de-Jacoby anzutreten, die in den Ruhestand ging.

von Anna Ntemiris

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