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Frau tritt Polizisten mit Schuhabsatz

Körperverletzung Frau tritt Polizisten mit Schuhabsatz

Weil der getretene Polizist wegen einer Erkrankung nicht als Zeuge vor Gericht aussagen konnte, hat Strafrichter Tobias Friedhoff die Verhandlung vertagt.

Vor dem Amtsgericht wurde der Fall einer 38-Jährigen verhandelt, die einen Polizisten getreten haben soll.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die 38-jährige Marburgerin war im Sommer vergangenen Jahres gemeinsam mit ihrer Tochter und einigen Bekannten in der Marburger Innenstadt unterwegs, als sie von einigen Polizisten kontrolliert wurde. Kurz zuvor war in einem nahen Geschäft eine Brieftasche entwendet worden. Die daraufhin alarmierten Zivilbeamten wollten die Gruppe kontrollieren, da sie zur Täterbeschreibung der Diebe passte. Während der Überprüfung der Personalien hantierte die Tochter der Angeklagten mit einem Mobiltelefon herum. Der Bitte der Beamten, dies zu unterlassen und das Handy auszuhändigen, kam die Jugendliche nicht nach, gab das Mobiltelefon stattdessen an die Mutter weiter. Auch diese weigerte sich anscheinend, das Gerät umgehend auszuhändigen.

Als sie sich von den Polizisten abwandte, griff einer der Beamten nach ihrem Handgelenk und hielt sie fest, versuchte, ihr das Handy zu entwenden. Im Laufe der darauf folgenden kurzen Rangelei trat die Frau dem Polizisten laut Anklage mit einem ihrer spitzen Absätze kräftig auf den Fuß. Daraufhin nahm der getretene Polizist sie in einen festen Sicherheitsgriff. Während der Auseinandersetzung erhielt auch die Tochter der Frau einen Stoß gegen den Kopf, der zu einer Platzwunde an der Lippe führte.

Nachdem sie das Handy weiterhin festgehalten hatte, schlug der Beamte der Angeklagten mit der Faust auf den Hinterkopf. Die Frau stieß dabei unglücklich gegen eine nahe Steinwand und verlor nach eigener Aussage kurz das Bewusstsein. Im Anschluss brachten die Beamten die Gruppe zum Verhör auf das Polizeirevier.

Am folgenden Tag ging die Angeklagte zum Arzt. Dessen Attest bescheinigt ihr mehrere Hämatome und Schwellungen am Handgelenk und Kopf.

Marburgerin fühlte sich zu Unrecht beschuldigt

Vor Gericht sprach die Angeklagte von massiver, völlig übertriebener Gewaltanwendung seitens des Beamten. „Er hat mich gewürgt und geschlagen, ohne wirklichen Grund“, betonte sie. Dass sie den Polizisten auf den Fuß getreten habe, sei wahrscheinlich aus Reflex passiert. Genau erinnern konnte sie sich jedoch nicht mehr. Die Situation sei zu plötzlich, zu chaotisch und hektisch gewesen, „wie im Actionfilm“. Laut ihren Angaben geschah der Widerstand gegen die Beamten ungewollt aus Notwehr, sie fühlte sich zu Unrecht beschuldigt. Die Behandlung seiner Mandantin sei „menschenunwürdig und eine völlig übertriebene Maßnahme“ gewesen, sagte auch ihr Verteidiger.

Der geschädigte Polizist soll zudem mehrfach ungehörige, bedrohliche Worte gegen sie und ihre Tochter geäußert haben, so die Frau. In einem späteren Gespräch habe er seine Schuld eingestanden und sich bei ihr entschuldigt. Dies bestritt ein bei der Vernehmung ebenfalls anwesender Kollege, der als Zeuge aussagte. Der Faustschlag auf den Hinterkopf der Frau war jedoch erfolgt, nachdem alle Versuche, die Frau mit Worten zu einer Herausgabe des Handys zu bewegen, fehlgeschlagen waren, gab der Zeuge an. Nachdem er den Tritt abbekam, sei sein Kollege sicherlich wütend gewesen, ungehörige Worte oder Drohungen habe er jedoch nicht ausgesprochen.

Während der Verhandlung und bei den heftigen, delikaten Vorwürfen äußerst hinderlich war die krankheitsbedingte Abwesenheit des von der Frau getretenen Polizisten. Ohne weitere Zeugenaussagen könne dieser Fall nicht weiter durchleuchtet oder voran gebracht werden, entschied Strafrichter Tobias Friedhoff schließlich. Das Gericht setzte die Verhandlung daher vorerst aus. Wann diese fortgesetzt wird ist noch nicht bekannt.

von Ina Tannert

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