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Franziskus - sein Name ist Programm

Reaktionen Franziskus - sein Name ist Programm

Menschen aus dem Landkreis interpretieren den Aufritt des neuen Papstes: Sechs Meinungen, sechs Punkte

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Quelle: Michael Kappeler

Name

Landkreis. Monika Bunk: Die Namenswahl Franziskus empfindet Bunk als „positives Zeichen, denn es zeugt von Zurückhaltung“.

Marcus Vogler: „Franz von Assisi war ein wichtiger Heiliger, der das Ideal des einfachen Lebens und die Verbundenheit mit Jesus pflegte.“

Franz Langstein: „Franz von Assisi hat sein bürgerliches Leben aufgegeben und ist Mönch geworden. Der Name Franziskus steht also für das Einfache.“

Obwohl Franziskus den Namen des „Tierschutzheiligen“ angenommen hat, wunderte sich Wolfgang Penzler : „Wieso hat der neue Papst den schwächsten Lebewesen, den Tieren, die auch Geschöpfe Gottes sind, seinen Segen verwehrt?“

Sprache

Marcus Vogler: Es war eine schöne Geste, dass der neue Papst die Gläubigen aufforderte, zunächst für ihn zu beten, ehe er für sie da sei.“ Das lässt Rückschlüsse zu: Er kann sein Amt nur ausführen, wenn er von Gebeten getragen wird und jeder seinen Teil beiträgt.

Franz Langstein: „Die verkrustete Kirchensprache muss reformiert werden. Wir sprechen von Gott, wie im Mittelalter. Das einfache ‚Buonasera‘ von Franziskus gestern Abend macht Hoffnung, dass wir daran bald etwas ändern können.“

Bilal El-Zayat: „Ich hoffe auf versöhnlichere Töne. Mit dem Vorgänger gab es ja zu Beginn einige Schwierigkeiten. Dennoch hat das Wort des Papstes Gewicht, das auch wir als Muslime respektieren.“

Auftritt

Franz Langstein: Franziskus hat sich in der ganzen Ansprache nicht einmal “Papst” genannt. Er sieht sich als Bischof von Rom und zählt sich zu der Gruppe der Bischöfe. Seine beiden Vorgänger hatten die Bischöfe, die Nachfolger der Aposteln, zu Befehlsempfängern degradiert.

Monika Bunk: „Der erste öffentliche Auftritt hat ein sympathisches Bild des Kirchenoberhauptes vermittelt.“

Marcus Vogler: „Der Auftritt war sehr positiv. Es war eine starke Geste, dass er am Anfang seines Pontifikats für seinen Vorgänger betete.“ Zudem freute sich der Amöneburger, dass der neue Papst eine eigens bereitgestellte Limousine stehen ließ und im Bus mit den Kardinälen fuhr. Dies zeige, dass ein im positiven Sinne einfacher und bescheidener Mensch nun an der Spitze der Kirche stehe.

Bilal El-Zayat: „Besonders gut fand ich den Auftritt als Kardinal der Armen, der die Bedürftigkeit der Menschen in den Vordergrund rückt.

Reformbereitschaft

Bilal El-Zayat: „Es ist zu früh den Papst zu loben oder zu verurteilen. Ich wünsche mir eine faire Diskussion“

Monika Bunk: „Er ist ein Pragmatiker, kein Theoretiker wie Papst Benedikt“. Vielfältige Aufgabenfelder seien für den Papst nun zu bewältigen. Der Dialog zwischen den Religionen, auch mit dem Judentum, in einer globalisierten Welt aber unabdingbar.

Franz Langstein: „Franziskus ist Jesuit. Die Jesuiten sind das Intelligenznetzwerk der katholischen Kirche und in der Regel sehr unabhängig von Rom. Ich bin gespannt, ob Franziskus die Kirche reformiert. Aber mehr Bewegung als unter dem Benedikt wird es wohl geben.“

Andreas Rhiel: Franz von Assisi bewahrte einst eine Kirche vor dem Einsturz. Vielleicht ist das ein gutes Omen für unsere krisengeschüttelte Kirche, die teilweise auch einzustürzen droht. Ich hoffe, der Papst gibt ihr wieder Halt. Er will zurück zu den Wurzeln und Dienst an den Armen leisten aber die Welt gleichzeitig fröhlich machen. Das ist wichtig.“

Gewand

Franz Langstein: „Franziskus hat sich für das einfachste der Papstgewänder entschieden. Sein Vorgänger Benedikt hatte einen prächtigen roten Umhang aus dem Schrank genommen, den seine Vorgänger nicht getragen hatten. Mit dem Verzicht auf Prunk setzt der neue Papst ein offensichtliches Zeichen.“

Italienische Agenturen hatten berichtet, dass Papst Franziskus protokollwidrig einen roten Umhang mit Hermelinbesatz und ein goldenes Brustkreuz ablehnte, die für die Papst-Premiere vorgesehen waren.

Herkunft

Monika Bunk: „Katholische Kirchenvertreter aus Lateinamerika sind traditionell eher konservativ eingestellt, deshalb kann man davon ausgehen, dass die ganz großen Reformen ausbleiben.“

Marcus Vogler: „Die Deutsche Kirche wird aus dem Fokus rücken und der Aspekt der Weltkirche zum Tragen kommen.“

Franz Langstein: „Der neue Papst kommt aus Argentinien. In Südamerika geht es nicht so sehr um theologische Spitzfindigkeiten, wie hier in Europa. Deshalb hoffe ich, dass Franziskus die sozialen Fragen in den Vordergrund stellt.“

Andreas Rhiel: „Südamerika hat es mit seinen zahlreichen Katholiken eigentlich schon lange verdient, dass ein Papst von diesem Kontinent kommt. Seine Herkunft gibt der Kirche nun ein internationales Flair.“

Die Stimmen

  • Monika Bunk , zweite Vorsitze der Jüdischen Gemeinde Marburg.
  • Franz Langstein ist seit 1. Februar 2002 Pfarrer der Kugelkirche, seit 2006 auch Dechant im Dekanat Marburg-Amöneburg.
  • Marcus Vogler , Pfarrer in Amöneburg und Schulpfarrer der Stiftsschule.
  • Wolfgang Penzler , Marburger Tierschutz-Aktivist.
  • Bilal El-Zayat ist Vorsitzender der islamischen Gemeinde in Marburg.
  • Andreas Rhiel ist Pfarrer von Neustadt und Momberg.
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