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Frankenbergs Engagement in Nigeria

Archivschule Frankenbergs Engagement in Nigeria

Schüler der Archivschule Marburg haben denAktenbestand des Frankenberger Landratsamtes aufbereitet. Unerschlossene Dokumente werden nun der Öffentlichkeitzugänglich gemacht.

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Studentin Lisa Werthenbach zeigt Ausschnitte einer Akte über Beziehungen zwischen Frankenberg und Nigeria. Foto: Ina Tannert

Marburg. Rund acht Jahrzehnte Verwaltungsgeschichte sind unter Dach und Fach. Im Zuge ihrer Ausbildung nahmen 19 angehende Archivare an der alljährlichen Verzeichnis-Übung der Archivschule Marburg teil. In diesem Jahr stellte das Staatsarchiv Marburg entsprechendes Material für das Praxisprojekt zur Verfügung. In zahlreichen Arbeitsstunden sichteten, ordneten und sortierten die Schüler den ansehnlichen Bestand des Frankenberger Landratsamtes von 1903 bis 1980. Am Mittwoch präsentierte der Kurs rund um Dozent Dr. Dominik Haffer seine Ergebnisse.

Ein Großteil des Bestandes aus Frankenberg enthält Dokumente aus dem Bauwesen sowie Zinswesen und Hypothekenanträge. Von großem Interesse sind ebenfalls die Gemeindemappen der 40er bis 60er Jahre, welche die Kriegs- und Nachkriegszeit der Gemeinden umfangreich dokumentieren. Zahlreiche Statistiken und Aufzeichnungen behandeln unter anderem den Wiederaufbau sowie die Flüchtlings- und Integrationspolitik aus der Nachkriegszeit.

Überraschung: Dokumente in chinesischer Schrift

Neben diesen kategorisierten die Kursteilnehmer den umfangreichen Dokumenten- und Bildbestand übersichtlich in zahlreiche weitere Themenbereiche wie Schul- und Bildungssysteme, Gesundheits-, Militär- und Kriegswesen, Staatsverfassung, Entwicklungshilfe, Kultur- und Heimatpflege, Vereine, Städtepartnerschaften oder Finanzwesen. Dabei fiel den angehenden Archivaren ein überraschender Fund in die Hände: einige Dokumente, die in chinesischer Schrift verfasst sind. Diese wurden nicht übersetzt, entstanden jedoch wahrscheinlich anlässlich einer Hilfslieferung oder durch einen kulturellen Austausch zwischen den Ländern, vermutet Kursleiter Haffer. Ein in den Dokumenten belegter Austausch fand unter anderem 1962 zwischen Frankenberg und Nigeria statt, erklärte Studentin Lisa Werthenbach während der Präsentation. Die von ihr bearbeitete Akte handelt von Entwicklungshilfe und Reiseberichten in Westafrika.

Das frisch erschlossene Schriftgut wird in Zukunft im Staatsarchiv zur Verfügung stehen. Das bearbeitete Material ist dabei nur ein kleiner Teil des gesamten Bestandes. Dieser wurde bereits im Vorfeld gesichtet und bewertet. Nur etwa fünf Prozent des Schriftgutes hat das Staatsarchiv übernommen, um es für die Nachwelt zu erhalten. Neben der praxisnahen Verzeichnisübung lernten die Studenten während des Projekts ebenfalls die verschiedenen Archivmethoden und Verfahren kennen, um wichtige Schriften auszuwählen, die von Interesse für die Nachwelt sind. „Die Schüler sollen an einem realen Archivbestand arbeiten und die einzelnen Arbeitsschritte lernen“, sagte Dr. Irmgard Christa Becker, Leiterin der Archivschule, und lobte das erfolgreiche Projekt. Sie überreichte das neue Findbuch an Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch, die stellvertretende Direktorin des Hessischen Staatsarchivs Marburg.

von Ina Tannert

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