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Fortsetzung von „Antigida“ möglich

Demo gegen Islamfeindlichenkeit Fortsetzung von „Antigida“ möglich

Nach dem überwältigenden Zuspruch für die „Antigida“-Demonstration gegen Islam- und Fremdenfeindlichkeit, spielen die verantwortlichen Studentinnen mit dem Gedanken, das „wundervolle Zeichen“ zu erneuern, das von dem Abend ausging.

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Die 3 500 Teilnehmer der „Antigida“-Demo in Marburg applaudieren einem Redner während der einstündigen Kundgebung am Marktplatz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Oberbürgermeister Egon Vaupel versuchte erst gar nicht, seine Begeisterung zu verbergen: „Was ist das für eine Stadt!“, rief er am Montagabend euphorisch den gut 3500 Menschen auf dem Marktplatz zu, die sich zum Protest gegen die islam- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung und zum Bekenntnis für Toleranz und für gesellschaftliche Vielfalt versammelt hatten.

Man könnte die rhetorische Frage auch anders formulieren: Was wird in Marburg getan, dass es eine dermaßen breite Bereitschaft gibt, sich öffentlich zu bekennen zur multikulturellen Gesellschaft, zum friedlichen Zusammenleben aller Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionszugehörigkeit?





 
 
 
 
 
 
 
 
 



„Die politische Diskussion ist in unserer Stadt zugelassen und das führt dazu, dass wir gelernt haben, das Miteinander leben als Gewinn anzusehen“, sagt Vaupel der OP. Ungeachtet dessen, dass die Pegida-Organisatoren „rechte Rattenfänger“ seien, gebe es Gerechtigkeitsfragen in der Gesellschaft, die von der Politik „offen und transparent“ vermittelt werden müssten.

Das „eindrucksvolle Signal“, das von der „Antigida“-Demonstration ausgehe, – und das „stärkste in ganz Hessen“ sei – mache ihn „dankbar und stolz“. Einen derart voll besetzten Marktplatz habe er zuletzt in den 70er-Jahren erlebt. Die breite Beteiligung an der Demonstration sei unter anderem Ausdruck einer seit Jahren gelebten Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften.

„Eine derart reife und institutionalisierte Form von Trialog der Religionen gibt es anderswo nicht“, meint auch Propst Helmut Wöllenstein von der Evangelischen Landeskirche. Zudem spiele es aber auch eine Rolle, dass es in Marburg eine „bürgerschaftliche Tradition des sozialen Nachdenkens“ gebe. Bei der „sehr beeindruckenden Veranstaltung“ seien viele Menschen dabei gewesen, die „man dort vermutet hätte“, aber auch eine Menge solcher, die „man sonst nicht so häufig sieht“.

Trojahn: Demokratie sind nicht nur die Politiker

Die Organisatorinnen der Demonstration lobten ebenfalls die „tolle Diversität bei den Menschen auf der Veranstaltung“ – das breite Spektrum von Alter, sozialem Stand und Religionszugehörigkeit bei der „Antigida“-Demo sei „ein wunderbares Zeichen“ gewesen, so Susann Trojahn.

Die 3500 Menschen seien eine „fantastische Zahl“, die nach Einschätzung mancher Besucher sogar noch ein wenig höher gelegen haben könnte. Sehr zufrieden sei man zudem mit den Rednern aus der Stadtpolitik sowie der „einfachen“ Bürger, die allesamt „wichtige Dinge gesagt“ hätten. „Demokratie besteht ja schließlich nicht nur aus den Politikern“, sagt Trojahn.

Ob das Geld, das auf dem Marktplatz für die Durchführung der Demonstration gesammelt wurden, ausreicht, um die Kosten zu decken, konnte sie am Nachmittag noch nicht beantworten. Man werde die Spenden am Abend auszählen und dann auch über das weitere Vorgehen diskutieren. Eine Wiederholung der erfolgreichen Protest-Aktion sei dabei durchaus denkbar, schließlich gehe auch die Pegida weiterhin auf die Straße.

Dorn: Pediga – Was für ein Irrsinn

Eine erneute „Antigida“-Demo würde „schon allein die Wichtigkeit des Themas unterstreichen“, jedoch wolle man zunächst die frischen Eindrücke des Montagabends verarbeiten. Hanna Streiter hatte aber schon auf der Bühne am Marktplatz angekündigt, dass sie – sollte sich Pegida auch in der Universitätsstadt formieren – „jeden Montag demonstrieren würde, so lange bis auf den Straßen hier niemand mehr von Pegida läuft“.

Wie absurd die Thesen von Pegida gelegentlich daherkommen, darauf wies Angela Dorn hin. Die grüne Landtagsabgeordnete, parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion, stellte fest, die Pegida mache Angst davor, dass immer mehr Flüchtlinge die Islamisierung vorantreiben. „Was ist das für ein Irrsinn“, kommentierte sie: „Die Menschen, die hier Zuflucht suchen, fliehen doch gerade vor der Schreckensherrschaft der Terroristen des so genannten Islamischen Staates.“

Dementsprechend freuten sich die Muslime über die große Unterstützung. „Bei den Anfeindungen der Pegida fühlt man sich wie ein Mensch zweiter Klasse – zum Glück muss man hier nicht die Angst haben, dass einem jemand etwas Böses will“, sagte Karim Kalamour. Und auch Amin Elyounus zeigte sich glücklich darüber, „dass in Marburg nicht so gedacht wird, wie bei der Pegida“.

von Peter Gassner, Björn Wisker und Till Conrad

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3500 Menschen demonstrieren in Marburg gegen Pegida-Bewegung

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