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Forscherin nutzt Filme, Zeitungen und Literatur

Forschung Marburg: "Kapitulation im Kino" Forscherin nutzt Filme, Zeitungen und Literatur

Eine Vielzahl von Quellen wertete die Kulturwissenschaftlerin Professorin Ina Merkel für ihr von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Buch „Kapitulation im ­Kino“ aus.

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Diese Szene stammt aus dem sowjetischen  Spielfilm „Wolga, Wolga“ aus dem Jahr 1938.

Quelle: Archiv

Marburg. Das Haupt-Material für die Studie von Professorin Ina Merkel zur Filmpolitik der alliierten Besatzungsmächte nach dem Kriegsende im Jahr 1945 waren die Filme. Sie sichtete mehr als 60 Spiel- und Dokumentarfilme und viele Wochenschauaufnahmen und protokollierte sie. Zudem unterzog die Forscherin sie nach der auszugsweisen Transkribierung und Übersetzung jeweils einer Inhaltsanalyse. Insgesamt drei Dokumentarfilme sowie 19 Spielfilme interpretierte sie in Fallanalysen eingehend und systematisch.

Des Weiteren stützt sie sich für ihre Studie auf eine umfangreiche geschichtswissenschaftliche und filmwissenschaftliche Literatur.

Besonders wichtig waren für die Forscherin auch Quellen-Editionen, Memoiren oder Tagebücher, die Schlaglichter auf den Alltag in Deutschland in der unmittelbaren Nachkriegszeit liefern. Auch die in Deutschland veröffentlichten Filmkritiken wertete sie aus.

Außerdem unternahm die Kulturwissenschaftlerin eine systematische Auswertung der 1945er-Jahrgänge der britischen Tageszeitung „The Times“ und der amerikanischen Zeitschriften „Variety“ und „LIFE Magazine“ sowie der Soldatenzeitschrift „Yank“ und von elf repräsentativen deutschsprachigen Tageszeitungen – von der Frankfurter Rundschau bis zur Volksstimme Ausgabe Chemnitz.

Gefördert wurde das Forschungsprojekt der Marburger Wissenschaftlerin mit einer Fördersumme der Deutschen Forschungsgemeinschaft von rund 40 000 Euro, mit der eine Vertretungsprofessur an der Marburger Universität für ein Semester finanziert wurde. Zudem hatte Merkel noch zusätzlich ein Forschungssemester, in dem sie sich der Recherche und dem Schreiben ihres Buches widmen konnte.

Im Dezember dieses Jahres – also 70 Jahre nach dem Kriegsende – präsentierte die Wissenschaftlerin dann ihr Werk offiziell im Hörsaal der ehemaligen HNO-Klinik, in der jetzt auch die Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft residiert. Gezeigt wurde dabei auch der  sowjetische Film „Wolga, Wolga“.

  • Ina Merkel: Kapitulation im Kino. Zur Kultur der Besetzung im Jahr 1945. Panama Verlag Berlin. 382 Seiten. 28,90 Euro.

von Manfred Hitzeroth

  • Zur Person: Professorin Ina Merkel (58, Foto: Ruth Korte), geboren im Oderbruch, wollte ursprünglich Filmkritikerin werden und absolvierte von 1976 bis 1978 ein Volontariat bei der Zeitung „Junge Welt“ in Ostberlin. Von 1978 bis 1983 studierte sie Kultur- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität in Ostberlin. 1985 erfolgte ihre Promotion zu einem Thema aus der Geschlechterforschung. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt in den USA in den 90er Jahren habilitierte sie sich 1999 mit einer Arbeit zur Konsumgeschichte der DDR. Nach einer Gastprofessur an der Kunsthochschule Weißensee ist sie seit dem Jahr 2000 Professorin am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Uni Marburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Kulturgeschichte der DDR, Geschlechterforschung sowie Film- und Medienwissenschaft
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