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Forscher will Epidemie eindämmen

Ebola Forscher will Epidemie eindämmen

Die Ebola-Epidemie in Afrika ist für den Marburger Virologen Professor Stephan Becker eine menschliche Tragödie. Er plant, einen erfolgversprechenden Impfstoff in einer klinischen Studie zu erproben.

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Die Zahl der Ebola-Verdachtsfälle reißt in Afrika nicht ab. Der Arzt Massoud Javed (Ärzte ohne Grenzen) untersucht in Liberia, einen neuen Patienten mit dem Verdacht auf Ebola.

Quelle: Martin Zinggl

Marburg. Weit mehr als 1000 Tote hat die Ebola-Epidemie in mehreren afrikanischen Ländern seit März gefordert, und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. „Dieser Ausbruch dauert noch Monate“, meint der Virologe und Ebola-Forscher Professor Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Marburg.

Als sehr besorgniserregend empfindet es Becker, dass mehr als zehn Prozent der mit dem hochgefährlichen Ebola-Virus angesteckten Patienten mittlerweile einheimische Schwestern und Pfleger sind, die nicht ausreichend gegen eine Ansteckung geschützt waren.

Verbunden mit der Ebola-Krankheit ist eine hochfiebrige Erkrankung, die aber erst drei Wochen nach der Ansteckung auftreten kann. Das ist ein Grund, weswegen die Ausbreitung der Erkrankung schwer eingedämmt werden kann. Nach dem Start der Ebola-Epidemie in der Grenzregion der drei Krisenländer Sierre Leone, Guinea und Liberia breitete sich die Epidemie auch auf weitere afrikanische Staaten aus. „Das A und O der erfolgreichen Eindämmung der Epidemie ist die Isolierung der Patienten sowie, deren Kontakte möglichst genau nachzuverfolgen“, macht Becker deutlich. Doch die Gesundheitssysteme funktionieren in den von Bürgerkriegen zerrütteten Ländern nicht gut.

Hinzu kommt, dass es derzeit immer noch keine bei Menschen getesteten Impfstoffe und Medikamente gibt, die bei einer Ansteckung mit der zu 50 Prozent tödlich verlaufenden Erkrankung helfen.

Bis die bisher nur in Tierversuchen erprobten Impfstoffe marktreif sind, könnten allerdings noch mehrere Monate vergehen. Für die Bekämpfung der aktuellen Ebola-Epidemie stehen sie wohl nicht zur Verfügung. Als Leiter der Sektion für neu auftretende Infektionen im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung will sich Becker jetzt dafür einsetzen, dass eine klinische Studie in Gang kommt, bei der die Wirksamkeit eines der beiden erfolgversprechendsten Impfstoffe bei Menschen nachgewiesen wird. Es handelt sich dabei um den Stoff mit dem Namen „VSV-EBOV“.

Entwickelt hat den Impfstoff der Virologe Professor Heinz Feldmann während seiner Zeit als Forscher an der Universität Marburg. Der Impfstoff VSV basiert auf dem Vesikulären Stomatitis-Virus, der beispielsweise bei Kühen Bläschen an der Zunge oder an den Füßen hervorruft. Das Virus vermehrt sich gut in zahlreichen Säugetierzellen und sorgt für eine starke Immunantwort. Gentechnisch veränderte VSV-Viren wurden daher in den vergangenen Jahren als Ausgangsmaterial für neue Impfstoffe gegen Aids oder Influenza verwendet.

Stattfinden soll die von Becker geplante Studie den bisherigen Planungen zufolge zusammen mit klinischen Forschern in Hamburg und den USA sowie in Lambarene (Afrika).

In der klinischen Studie, die mit gesunden Test-Teilnehmern unternommen werden soll, wird erforscht, ob der Impfstoff eine Schutzwirkung auslöst und ob die Studienteilnehmer ausreichend Antikörper bilden. Dabei soll unter anderem auch überprüft werden, ob dieser Impfstoff bei Menschen verträglich ist oder beispielsweise allergische Schocks auslöst.

Zunächst allerdings müssen einige technische, finanzielle und organisatorische Hürden übersprungen werden, bis die klinische Studie starten kann.

Noch liegt die notwendige Genehmigung der klinischen Studie durch das dafür zuständige Paul-Ehrlich-Institut nicht vor. Der Impfstoff ist zwar bereits im für eine Studie ausreichendem Maß produziert und ist in Kanada gelagert. Geklärt werden müssen allerdings noch Patent- und Eigentumsrechte.

von Manfred Hitzeroth

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