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Forscher warnt vor „Gender-Ideologen“

Interview mit Professor Kutschera Forscher warnt vor „Gender-Ideologen“

Jetzt spricht der umstrittene Wissenschaftler: Der Evolutionsbiologie Professor Ulrich Kutschera erläutert im OP-Interview die Gründe für seine Vortragsabsage in Marburg und erneuert seine Kritik an der Genderforschung.

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Gegen eine Ausbreitung des Gender-Mainstreaming protestierten im Sommer 2015 Tausende in Baden-Württemberg.

Quelle: Archiv

Marburg. OP: Aus welchen Gründen haben Sie den Vortrag beim Studium generale abgesagt, was waren Ihre Befürchtungen?

Professor Ulrich Kutschera (Archivfoto): Vor etwa zehn Jahren wurde ich von bibeltreuen Kreationisten und Zeugen Jehovas beschuldigt, bei meiner Verteidigung der Evolutionswissenschaften ‚Nazi-Methoden‘ einzusetzen - dieser Vorwurf steht noch immer im Internet. Wie die deutschen Gender-Ideologen glauben, können wir Biologen nur soziale Konstrukte hervorbringen, aber keine objektiven Befunde - die Evolution ist aus deren Sicht nur ein Glaubenskonstrukt und keine Tatsache, wie ich es in meinen Fachpublikationen und Büchern dargelegt habe. Wie man leicht nachprüfen kann, werde ich derzeit von Kasseler und Marburger Gender-Ideologen als ‚rechtsradikaler Rassist‘ und so weiter bezeichnet. Bei meinem Vortrag wäre ein Forum entstanden, um diese Diffamierungen weiter verbreiten zu können. Da ich als internationaler Fachwissenschaftler und Lehrbuchautor ausgewiesen bin und daher keine öffentlichen Auftritte mehr benötige, habe ich abgesagt, um dieses erbärmliche Schauspiel ausfallen zu lassen. Die bibeltreuen Kreationisten sind da im allgemeinen etwas zivilisierter als ihre Moneyistisch indoktrinierten Kollegen der Gender-Fraktion (Anm. d. Red: John Money war ein US-Forscher, der die Begriffe Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle einführte, worauf die Gender-Studies fußen).

OP: Halten Sie die Ausladungs-Entscheidung der Philipps-Universität für eine Einschränkung der Freiheit der Lehre, gar der Meinungsfreiheit?

Kutschera: Der Organisator der Marburger Vortragsreihe, Professor Stefan Rensing, ist ein exzellenter Evolutionsbiologe mit Stanford-Niveau, siehe die Publikationsliste der AG Rensing. Nicht nur die Uni Marburg sondern ganz Deutschland kann auf diesen international bekannten Spitzenforscher stolz sein. Es ist ein Unding, dass sich einer der renommiertesten deutschen Forscher und Denker von einer Frauenbeauftragten und anderen Uni-Funktionären ohne Außenwirkung vorschreiben lassen muss, wen er zu einem Fachvortrag einladen darf. Man könnte über diese Zensur der Rede- und Meinungsfreiheit lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Leider beherrscht dieses ‚Marburger Prinzip‘ auch die Politik - dort regieren irrational handelnde Ideologen und keine vernünftig-logischen Denker, mit negativen Konsequenzen für die deutschen Naturwissenschaften und viele praktische Lebensbereiche.

OP: Wie bewerten Sie die Reaktion auf die von Ihnen formulierte und von vielen als Provokation und Polemik verstandene Genderforschungs-Kritik?

Kutschera: Professor Rensing hatte mich gebeten, einen allgemeinverständlichen Vortrag zum Thema ‚Evolutionstheorien 2016 und Kreationismus‘ zu halten, wobei die soziologische ‚Gender-Lehre‘ nicht auf der Tagesordnung stand. Da ich aber etwa zeitgleich mit meinem neuen Fachbuch ‚Das Gender-Paradoxon: Mann und Frau als evolvierte Menschentypen‘ im Internet vertreten war, befürchtete die Marburger Asta-­Gender-Fraktion, ich würde auch diese, von sekularen Sektierern vertretene Version des Anti-Evolutionismus ansprechen. Aus Sicht der Gender-Ideologen kann ich diese hysterische Reaktion verstehen, aber der Moneyismus steht nicht in meinem UTB-Lehrbuch zur Evolutionsbiologie, 4. Auflage 2015, und somit in meinem Vortragskonzept für Marburg.

OP: Ein Vorwurf an Sie lautet, dass Ihre Vorab-Absage Ihre Position schwächt, Sie von der Richtigkeit Ihrer Thesen vielleicht doch nicht so überzeugt sind.

Kutschera: Die Absage, gefolgt von der Ausladung, war notwendig, um die gerade angesprochene Anti-Kutschera-Kampagne, die ohne Faktenbasis durchgeführt wird, nicht weiter zu bewerben. Meine Kritiker können sich gerne mit den Aussagen im ‚Gender-Paradoxon‘ auseinandersetzen und mir mitteilen, wo ich falsch liege, konstruktive Kritik ist immer willkommen. Ich vertrete keine subjektive Meinungen, sondern faktenbasierte Konzepte zur Evolution der Organismen, einschließlich von Mann und Frau als grundverschiedene, evolvierte Menschentypen.

von Björn Wisker

Die strittigen Thesen: Der Kasseler Evolutionsbiologe war für den Auftaktvortrag des „Studium generale“ am Mittwoch, 13. April vorgesehen. Die Philipps-Universität lud ihn Ende März aus. Ein Grund ist laut Präsidium die Veröffentlichung von Professor Ulrich Kutscheras neuem Buch, das Polemik gegenüber Geschlechterforschung enthalte.
Die OP gibt Auszüge, umstrittene Aussagen aus dem Buch des 61-Jährigen wieder:

  • „Gender Studies sind [...] eine mit dem Kreationismus geistesverwandte universitäre Pseudowissenschaft bzw. ein akademischer Wildwuchs, der sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitet und seinem Wirtskörper Hochschule die Lebensgrundlage streitig macht.“
  •  „In der radikalisierten Version der Gender-Mainstreaming-Ideologie werden Männer als Vergewaltiger, Verbrecher, Frauen-Schänder usw. bezeichnet und die [...] etablierte Familie (Vater, Mutter mit Kindern) abgelehnt bzw. bekämpft.“
  • „Die Mehrheit der Normalfrauen (circa 75 Prozent), die den Genderismus ablehnen, wird von einer kleinen, meist kinderlosen und lesbisch veranlagten selbsternannten Befreierinnen-Minderheit (Mann-Weiber) terrorisiert.“
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