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Forscher suchen nun optimale Impfdosis

Ebola Forscher suchen nun optimale Impfdosis

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der ersten Zwischenergebnisse haben sich die positiven Erwartungen bestätigt: Der in Marburg entwickelte Ebola-Impfstoff könnte bei einer erneuten Epidemie eingesetzt werden.

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Eine liberianische Krankenschwester testet einen Ebola-Impfstoff. Liberia war eines der Länder, das von dem Ebola-Ausbruch in Westafrika am schlimmsten betroffen war.

Quelle: Ahmed Jallanzo

Marburg. Bereits im April vor einem Jahr war sich der Marburger Virologe Professor Stephan Becker sicher: Die auch dank seiner Mitwirkung in die Wege geleitete Überprüfung eines einst von dem Marburger Virologen Heinz Feldmann entwickelten Ebola-Impfstoffes in einer klinischen Studie war erfolgreich. Denn alle 158 Teilnehmer der klinischen Phase-I-Studie in Afrika und Europa bildeten damls Antikörper gegen das gefürchtete und todbringende Ebola-Virus.

Die erforderliche Nachüberprüfung ein halbes Jahr und ein Jahr später anhand neuer Blutproben der Studienteilnehmer hat nun ergeben, dass die Antikörper gegen den Virus nach wie vor nachweisbar waren. „Damit sollte eine einmalige Impfung nachhaltig gegen Ebola schützen können“, teilte die Infektionsmedizinerin Professorin Marylyn Addo vom Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf mit, die die Studie leitete.

Auch Marburger Wissenschaftler waren an dem von der Weltgesundheitsbehörde WHO Experten-Konsortium beteiligt, das möglichst schnell die Wirksamkeit des Impfstoffes testen sollte. Dieser könnte dann bei der Bekämpfung der noch nicht restlos eingedämmten Epidemie in Westafrika oder bei weiteren Ebola-Ausbrüchen in der Zukunft zum Einsatz kommen. In weiteren Studien soll nun eine optimale Impdosis ermittelt werden, teilten die Forscher jetzt mit.

Die klinische Phase-I-Prüfung des einst von Marburger Virologen entwickelten potenziellen Impfstoffs gegen das gefürchtete Ebola-Virus wurde jetzt an vier Standorten in Afrika und Europa erfolgreich abgeschlossen, wie die Marburger Uni-Pressestelle mitteilte. Ein Jahr nach der Veröffentlichung eines positiven vorläufigen Zwischenergebnisses gibt es nun eine weitere Erfolgsmeldung, denn jetzt liegen auch die aktualisierten Daten der von Professorin Marylyn Addo am Hamburger Uni-Klinikum geleiteten Studie vor. „Wir haben die Bestätigung, dass der Impfstoff auch länger nach der Impfung eine Impfantwort stimulieren kann“, erläutert der Marburger Virologe Professor Stephan Becker.

Das getestete Vaccin „rVSV-ZEBOV“ habe sich als sicherer Impfstoff erwiesen, der eine anhaltende Bildung von Antikörpern gegen das Virus auslöse. Das bedeute, dass jemand, der auch einige Zeit nach der Impfung mit einem neuen Ebola-Fall in Berührung komme, prinzipiell geschützt sei. Die Ergebnisse der Arbeit fließen nun in weitere Studien ein, in denen die ermittelte optimale Impfdosis eingesetzt und vor allem bei Kindern untersucht wird. In Guinea wurde der Impfstoff auch bereits in einer größeren klinischen Phase-III-Studie mit mehr als 4000 Menschen getestet.

Geimpft wurden dort die Kontaktpersonen von Ebola-Patienten. Erste Zwischenergebnisse haben dabei ebenfalls einen Wirksamkeitsnachweis des Impfstoffes gezeigt.

Weitere klinische Phase-III-Studien

Die Zulassung durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA ist für Anfang 2017 angestrebt. Für noch wichtiger hält Professor Becker aber, dass der Impfstoff beim möglichen erneuten Ausbruch einer Ebola-Epidemie in weiteren großen klinischen Phase-III-Studien zum Einsatz kommen könnte. Dieses sei auch das Ziel des von der Weltgesundheitsbehörde WHO zur Ebola-Bekämpfung eingesetzten Expertenkonsortiums gewesen. Die beteiligten Wissenschaftler veröffentlichten jetzt ihre Resultate im Fachblatt „New England Journal of Medicine“, wie bereits das Zwischenergebnis vor einem Jahr.

Bei der Vorbereitung der Studien haben die DZIF-Wissenschaftler an den Standorten Hamburg, Marburg und Tübingen eng mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zusammengearbeitet. Unter Leitung von Professor Becker war am Institut für Virologie der Philipps-Universität die Immunantwort der Studienteilnehmer untersucht worden.

Entwickelt worden und zunächst erfolgreich im Tierversuch getestet war der Impfstoff ursprünglich von dem Marburger Virologen Professor Heinz Feldmann, der jetzt in Kanada forscht und lehrt. Insgesamt wurden 158 freiwillige gesunde Erwachsene untersucht, neben Hamburg an den Standorten Genf (Schweiz), in Lambaréné (Gabun) und in Kilifi (Kenia).

Und das sind die weiteren Ergebnisse:

Es gab keine schweren Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Impfstoff, in einigen Fällen kam es kurzzeitig zu leichtem Fieber, in anderen Fällen zu Gelenkbeschwerden. Eine Virusvermehrung scheint durch das Immunsystem kontrolliert und begrenzt zu werden. In Speichel und Urin konnten keine Viren nachgewiesen werden. Bei allen Teilnehmern wurde das Immunsystem durch die einmalige Impfung angeregt, Antikörper zu bilden, die spezifisch gegen das Ebola-Oberflächenprotein gerichtet waren. Diese Antikörper konnten die Infektion durch das Ebola-Virus im Reagenzglas hemmen und waren auch nach sechs Monaten noch nachweisbar. Insgesamt bewerteten die Wissenschaftler das Risiko-Nutzen-Profil positiv.

von Manfred Hitzeroth

Hintergrund
Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung hat die Vorbereitung der Studien am Uni-Klinikum Eppendorf  in Hamburg und in Gabun unterstützt und eine Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt.  Das Bundesgesundheitsministerium und der britische Wellcome Trust haben Fördermittel für die Vorbereitung und Durchführung der klinischen Prüfung zur Verfügung gestellt. Der Impfstoffkandidat wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde an die Weltgesundheitsorganisation WHO gespendet und von dieser für die Studien zur Verfügung gestellt. Die Entwicklung des Impfstoffkandidaten wurde von der WHO begleitet.
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