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Forscher nutzen mehr digitale Medien

Uni-Bibliothek Forscher nutzen mehr digitale Medien

Ein Strategiekonzept legt die Kernpunkte der ­Bibliotheks-Entwicklung an der Universität bis zum Jahr 2020 fest: Die Bücher behalten trotz rückläufiger Anschaffungszahlen ihren festen Platz in diesem Konzept.

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Die Uni-Bibliothek an der Stadtautobahn wird nur noch wenige Jahre benötigt.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Anfang 2017 soll die neue Uni-Bibliothek eingeweiht werden, die auf dem Gelände der ehemaligen Uni-Frauenklinik errichtet werden soll. Mit der Verlagerung der UB vom derzeitigen Standort neben den geisteswissenschaftlichen Türmen an den Neubau im Schatten der Elisabethkirche geht auch ein neues Konzept für die Bibliotheken der Marburger Universität einher.

„Wir wollen nicht die Räume an die Organisation anpassen, sondern die Organisation auf die neuen Möglichkeiten zuschneiden“, erläuterte der scheidende UB-Direktor Dr. Hubertus Neuhausen im Gespräch mit der OP. Zu diesem Zweck entwickelte er mit der erweiterten Führungsebene der Uni-Bibliothek unterstützt von einer Beratungsfirma in einem zweitägigen Workshop ein umfassendes Strategie-Konzept.

„Wir wollen weiterhin ein großes Angebot an gedruckten und elektronischen Medien vorhalten und die Bibliothek als Lern- und Forschungsort etablieren“, erklärt Neuhausen. Kernbestandteil ist eine Zentralisierung: Neben den bisherigen Beständen der Uni-Bibliothek sollen in dem Neubau 16 vorwiegend geistes- und sozialwissenschaftliche Teilbibliotheken integriert werden, deren bisherige Instituts-Standorte dann aufgelöst werden. Insgesamt sollen die bisher 62 Bibliotheks-Standorte der Marburger Universität bis 2020 auf zehn Standorte reduziert werden, erklärt Neuhausen.

Neben dem UB-Neubau sollen das folgende Bibliotheken sein:

  1. Eine Zentralbibliothek für die Naturwissenschaften, die auf den Lahnbergen entstehen soll.
  2. Die Bibliothek des Fachbereichs Medizin, die bereits seit einigen Jahren ihren Standort auf den Lahnbergen neben der dortigen Mensa hat.
  3. Die Jura-Bibliothek (Juristisches Seminar), die am bisherigen Standort im Savigny-Haus verbleiben und eventuell eine Renovierung erhalten soll.
  4. Die Bibliothek des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften in der Universitätsstraße.
  5. Die Bibliothek des Fachbereichs Evangelische Theologie im Gebäude der Alten Universität.
  6. Die Bibliothek des Fachbereichs Psychologie im Gebäude in der Gutenbergstraße.
  7. Die Bibliothek im Sprachatlas-Neubau, der derzeit auf dem alten Brauereigelände am Pilgrimstein entsteht.
  8. Die Bibliothek der Religionswissenschaften.
  9. Die Bibliothek des Fachbereichs Geographie, die im Deutschen Haus an der Deutschhausstraße untergebracht ist.

Klar sei auf jeden Fall, dass auch bei einer deutlichen Reduzierung und Zentralisierung der Bibliotheks-Standorte der Personalbestand möglichst gehalten werden soll. Derzeit (Stand: Ende 2013) sind 184 Personen auf 146 Stellen in der Uni-Bibliothek und allen Teilbibliotheken beschäftigt. Neuhausen erwartet, dass rund 120 Mitarbeiter in der neuen UB beschäftigt werden sollen und die übrigen dann auf die anderen Standorte verteilt werden. Grundsätzlich sieht Neuhausen auch in der Bibliothekslandschaft einen „radikalen Wandel“ von den gedruckten Medien wie Büchern und Zeitschriften hin zu elektronischen Medien. Damit verbunden würden auch die Nutzer der Marburger Uni-Bibliothek künftig verstärkt ganz andere Anforderungen stellen.

Chef wechselt nach Köln

Der Bibliotheksdirektor belegt den grundsätzlichen Wandel auch mit Zahlen. So seien im Jahr 2009 in der UB nur 30 Prozent der Anschaffungskosten auf elektronische Medien entfallen. Diese Quote sei im Jahr 2013 bereits auf 52 Prozent und somit mehr als die Hälfte der Anschaffungskosten gestiegen. Und Neuhausen erwartet, dass diese Quote noch steigen wird und sich auf eine Zahl zwischen 60 und 70 Prozent einpendelt. Allerdings gibt es in der Frage „elektronische Fachliteratur oder gedruckte Medien“ große Unterschiede in den Fächerkulturen.

So seien die Naturwissenschaften eher auf elektronische Medien ausgerichtet, während die Geisteswissenschaften tendenziell noch stärker klassische Buchwissenschaften seien. Wegen dem Schwerpunkt auf den elektronischen Medien sei mittlerweile die Instituts-Bibliothek des Fachbereichs Physik bereits aufgelöst, erklärte Neuhausen. Der Restbestand sei auf Handapparate der Arbeitsgruppen und die Uni-Bibliothek verteilt worden.

Nach wie vor sieht Neuhausen allerdings einen großen Bedarf für eine funktionierende Uni-Bibliothek, allerdings teilweise mit neuen Aufgaben. „Wir wollen zum Beispiel Studierende und Forscher bedarfsgerecht schulen“, kündigte der Bibliotheksdirektor an. In diesem Sinne solle auch der UB-Neubau mit einer attraktiven und modernen Arbeitsausstattung versehen werden, in der multimediales Arbeiten in Kombination mit dem Lesen von Fachbüchern möglich sei. Neuhausen wird sich selbst nicht mehr an der Weiterentwicklung des UB-Konzeptes beteiligen, weil er Anfang Oktober als Direktor an die Uni- und Stadtbibliothek Köln wechselt (die OP berichtete).

Es sei ihm nicht leichtgefallen, die Chefposition der Uni-Bibliothek nach mehr als sieben Jahren zu verlassen, und das auch noch mitten in der Zeit der Neubau-Planungen. Die neue Stelle sei aber nicht nur wegen der Größe der Kölner Bibliothek für ihn sehr attraktiv gewesen, sondern auch wegen seiner familiären Wurzeln im Rheinland, so Neuhausen.

von Manfred Hitzeroth

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