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Forscher erkunden die "Selfie"-Mode

Selfie-Tagung Forscher erkunden die "Selfie"-Mode

„Selfies sind überall. Miley Cyrus tut es. Barack Obama tut es, und selbst Papst Franziskus verlässt sein Papamobil, damit seine Anhänger mit ihm ein Selfie aufnehmen können“, so der Marburger Medienwissenschaftler Professor Jens Ruchatz.

Selfies sind weltweit modern: Drei junge Frauen aus Burma nehmen beim PR-Termin einer Telekommunikationsfirma ein gemeinsames Selfie auf.

Quelle: Nyein Chan Naing

Marburg. Für Professor Jens Ruchatz, den Spezialisten zum Thema Fotogeschichte, sind die per Smartphone angefertigten fotografischen Selbstporträts, die vor allem über „soziale Netzwerke“ verbreitet werden, ein so interessantes Gegenwarts-Phänomen, dass es einer genaueren wissenschaftlichen Untersuchung und Einordnung bedarf. Und Ruchatz meint auch, dass der Siegeszug der „Selfies“ längst noch nicht vorbei ist.

„Ich glaube nicht, dass Selfies so schnell mega-out sein werden“, sagte Ruchatz im Gespräch mit der OP. Zwar könne es sein, dass der derzeitige „Hype“ in den Medien bei der Tagung in einigen Monaten vielleicht schon vorüber sei. Jedoch prophezeit der Marburger Wissenschaftler, dass Selfies in einigen Monaten noch alltäglicher seien als heutzutage.

Am 23. und 24. April 2015 findet die Tagung in Marburg statt. Dass es noch so lange dauert, hat auch damit zu tun, dass wissenschaftliche Tagungen aufgrund der Einwerbung von Fördermitteln einen etwas längeren Vorlauf haben. Es gab bereits große Resonanz auf die Bitte der Forscher, Vortragsvorschläge einzusenden: Rund 50 Einsendungen kamen - aus Deutschland, dem europäischen Ausland und sogar aus Australien. Auf der Tagung soll das „Selfie“-Phänomen aus drei Perspektiven analysiert werden - es geht dem Organisator Ruchatz sowie seinen Mitarbeiterinnen Julia Eckel und Sabine Wirth um die Themen Subjektivität, Identität, die jüngste Geschichte der Fotografie, Netzwerk-Kultur und Bildtheorie. „Was ist neu an den Selfies?“, fragen die Forscher.

Es existieren bereits Sub-Kategorien

Zudem wollen sie wissen, bis zu welchem Ausmaß die Selfies die Tradition von Bildpraktiken aus der Vergangenheit wie gezeichneten Selbstporträts oder Personen-Fotografie aufnehmen. Als eine entscheidende Komponente sieht Ruchatz die Rolle der neuen Netzwerke im Internet wie Instagram, Facebook oder Twitter. Dabei könne man auch gut analysieren, wie das Internet heutzutage funktioniert. So sei es beispielsweise spannend, dass sich schnell schon eine Reihe von Subgenres der „Selfies“ gebildet haben. So gibt es beispielsweise „Drelfies“ (Drunk Selfies), in denen Internet-User selbstfotografierte Bilder im betrunkenen Zustand posten.

Der Ästhetik dieser „Selfies“ soll eine eigene Rubrik in der Marburger Tagung gewidmet werden. Dabei geht es zum Beispiel um die technischen Möglichkeiten und Beschränkungen der Selbst-Fotografie mit dem Smartphone, wobei das Gesicht des gleichzeitig Fotografierenden und Fotografierten immer höchstens eine Armlänge entfernt ist. Auch sollen die Selfies als Werkzeug interpretiert werden, ein besonderes Bild von sich selbst zu kre­ieren. Bei der Tagung soll zudem die Allgegenwärtigkeit von Gesichtern in der populären Kultur thematisiert werden. Zudem wird die Bedeutung der Selfies als ein Beispiel der „Selfmade-Kultur“ des Internets in den Fokus geraten, in der Nutzer auch gleichzeitig zu Produzenten werden.

Wie Sie mitmachen können lesen Sie hier.

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  • Auch die OP druckt Selfies ab: Wir suchen Selbstfotos, die im Urlaub geschossen wurden. Hier geht es zu Infos.

von Manfred Hitzeroth

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